Nachhaltigkeitsbanken - 24. März 2022

Nachhaltig anlegen

von Anke Behn

Was unterscheidet sie von konventionellen Kreditinstituten? Wie nachhaltig sind ihre Produktangebote tatsächlich? Und worüber sollten sich Anleger zunächst im Klaren sein?

Immer mehr Privatanlegerinnen und Privatanleger möchten mit ihrem Geld einen positiven Beitrag für das Klima, die Umwelt oder Soziales leisten. Dies zeigt eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands aus dem Jahr 2020. Demnach ist jeder zweite Befragte grundsätzlich bereit, Geld nachhaltig anzulegen. Doch das ist nicht so einfach.

Einheitliche Definition fehlt

Zunächst sollten sich Anleger die eigenen Ziele und ihre Ri­sikobereitschaft klarmachen – genauso wie bei einer kon­ventionellen Geldanlage. In der dazu passenden Anlage­klasse kann man dann nach nachhaltigen Produkten Aus­schau halten. Doch wie nachhaltig diese Produkte tatsäch­lich sind, lässt sich nicht immer leicht erkennen. Denn bislang gibt es keine einheitliche Definition. Der Begriff ist nicht geschützt, und es gibt auch keine Mindeststandards. Anbieter wie Banken oder Fondsgesellschaften wenden oft­mals sogenannte ESG-Kriterien an. Die englische Abkürzunge steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Oft werden dabei Atomenergie, Waffen oder Menschenrechtsverletzungen aus­geschlossen. Oder es wird gezielt in er­neuerbare Energien investiert. Wie nach­haltig ein Produkt tatsächlich ist, hängt vom individuellen Verständnis der jewei­ligen Bank oder Fondsgesellschaft ab. Das heißt: Was diese für nachhaltig erachten, kommt ins Produkt. Um auf Num­mer sicher zu gehen, suchen verunsicherte Anleger immer häufiger die Beratung beziehungsweise das Produktange­bot von sogenannten Nachhaltigkeitsbanken. Aber was un­terscheidet solche Kreditinstitute von konventionellen Ban­ken und Sparkassen und welche konkreten Standards wen­den sie an?

Abgrenzungskriterien

Einzelne als nachhaltig deklarierte Produkte, wie zum Bei­spiel Investmentfonds, kann man mittlerweile bei fast allen Banken und Sparkassen erwerben. Aber es gibt auch Kreditinstitute, die ihr gesamtes Bankgeschäft unter selbst auferlegte Nachhaltigkeitskriterien stellen. Das heißt, sie haben im Vergleich zu konventionellen Kreditinstituten um­fassendere Kriterien für ihr Eigenanlage- und auch für ihr Kreditgeschäft definiert. Diesen Banken geht es darum, kontroverse Branchen und Unternehmen auszuschließen sowie ökologische und soziale Geschäftsfelder durch geziel­te Investitionen zu fördern. Schwerpunkte bei der Kredit­vergabe dieser Banken sind beispielsweise Bildung, Ge­sundheit und Pflege, erneuerbare Energien oder ökologi­sches Bauen. Im Herbst 2020 hat die Verbraucherzentrale Bremen 14 solcher Kreditinstitute, davon acht mit kirchli­chem Hintergrund, auf ihre Nachhaltigkeitsansätze über­prüft.

Alle untersuchten Banken schließen bei ihren Geldgeschäf­ten Unternehmen aus, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen oder Kinderarbeit dulden. Die Kreditinstitute ga­rantieren zudem, dass kein Geld in die Waffen- und Rüs­tungsbranche fließt und sie selbst nicht mit Nahrungsmit­teln spekulieren. Aber es gibt auch Unterschiede: Nur fünf der 14 Banken erfüllen alle untersuchten Ausschlusskriteri­en. Die Hälfte schließt Investitionen in fossile Energieträger wie Kohle und Öl oder industrielle Tierhaltung konsequent aus. Für jeweils eine Bank sind Investitionen in Atomener­gie beziehungsweise Geschäfte mit Glücksspiel noch nicht tabu. Die Verbraucherzentrale hat diese Untersuchung seit 2017 bereits dreimal durchgeführt. Dabei ist die Anzahl der Ausschlusskriterien beziehungsweise de­ren strengere Auslegung stetig gestiegen. In unserer geplanten Untersuchung im Herbst 2022 wird sich dieser Trend ver­mutlich fortsetzen. Die Übersicht zur Un­tersuchung ist unter www.geld-bewegt. de veröffentlicht.

Geringer Marktanteil

Diese Banken hatten in den letzten Jahren einen hohen Zulauf. So hat sich beispiels­weise die Bilanzsumme der GLS Bank von 2014 bis 2020 mehr als verdoppelt. Im Gesamtvergleich der Banken in Deutschland ist ihr Anteil jedoch noch sehr gering. Mit einer Bilanzsumme von 13,9 Milliarden Euro im Jahr 2020 ist die Triodos Bank Deutschland die größte und die Steyler Bank mit 300 Millionen Euro die kleinste unter den nachhaltigen Banken. Alle von uns untersuchten Institute kamen 2020 zu­sammen auf eine Bilanzsumme von 64,3 Milliarden Euro. Das ist weniger als ein Prozent der Bilanzsumme aller Banken in Deutschland – 2020 mit etwa neun Billionen Euro.

Produktpalette nachhaltiger Banken

Das Angebot von nachhaltigen Banken ist unterschiedlich. Manche Institute wie die Bank für Orden und Mission bieten für Privatkunden nur wenige Produkte an. Andere wie die EthikBank können in Sachen Produktvielfalt durchaus mit herkömmlichen Banken und Sparkassen mithalten. Das An­gebot reicht von klassischen Bankprodukten wie Spareinla­gen oder Tagesgeld über Investmentfonds und Beteiligun­gen bis zu Versicherungen. Erreichbar sind die untersuch­ten Banken überwiegend online oder telefonisch an ihren Hauptsitzen. Nur wenige, wie zum Beispiel die Evangeli­sche Bank, verfügen über Filialen in größeren Städten. Wie bei allen Kreditinstituten mit Sitz in Deutschland sind deren Einlagen durch die gesetzliche und institutionelle Einlagen­sicherung geschützt. Die Verbraucherzentrale Bremen ver­öffentlicht regelmäßig Übersichten über deren Angebote – zuletzt im Januar 2022. Die verglichenen Zinssätze der Spareinlagen liegen derzeit bei null Prozent oder knapp da­rüber. Die Hälfte dieser Banken verlangt für Einlagen soge­nannte Verwahr- beziehungsweise Einlagenentgelte in Höhe von 0,25 bis 0,5 Prozent. Der jeweilige Freibetrag va­riiert von 25.000 bis 200.000 Euro. Durch die lang anhalten­de Niedrigzinsphase ist die Auswahl an Sparprodukten ste­tig gesunken. Die Mehrzahl dieser Banken bietet nur noch ein oder zwei Produkte wie Tagesgeld oder eine längerfristi­ge Anlage wie Sparbriefe an. Monatliche Kontensparpläne können mittlerweile nur noch bei zwei dieser Banken abge­schlossen werden. Bis auf die ProCredit Bank und die Um­weltbank bieten diese Banken auch Girokonten an. Ein Preisvergleich lohnt sich auch hier: Bei den untersuchten Girokonten reicht die Bandbreite vom kostenlosen Konto bis zu jährlichen Kosten über 100 Euro. Auch die Dispozinsen sind höchst unterschiedlich und liegen zwischen 5,45 bis 9,96 Prozent. Außergewöhnlich ist, dass Kunden der GLS Bank einen produktunabhängigen jährlichen Beitrag von 60 Euro zusätzlich zu den Kontoführungskosten zahlen. Dafür gewährt diese bis 10.000 Euro einen Dispozinssatz von null Prozent.

Exklusiver Kundenkreis

Aber nicht jedes Institut steht allen Verbrauchern offen: Bei der Bank für Kirche und Caritas und der DKM Darlehnskas­se Münster ist der Kundenkreis auf Mitarbeiter kirchlich-ka­ritativer Einrichtungen beschränkt. Die 2018 gegründete Tomorrow GmbH mit Sitz in Hamburg bietet nach ihrer ei­genen Aussage auch nachhaltige Girokonten an. Ihr Ange­bot richtet sich an Menschen, die ihr Banking ausschließ­lich per App vornehmen möchten. In der Übersicht der Verbraucherzentrale Bremen ist sie nicht vertreten, denn Tomorrow besitzt noch keine Banklizenz. Auch aus diesem Grund weicht ihr Geschäftsumfang, beispielsweise keine Kreditvergabe, noch erheblich von den untersuchten Ban­ken ab. Um dennoch Girokonten anzubieten, hat sie einen Vertrag mit der Solarisbank abgeschlossen, die als Dienst­leister dafür fungiert.

16 Kreditinstitute im Vergleich

Auch konventionelle Finanzinstitute beschreiben ihre Ge­schäftsmodelle gerne mit nachhaltig klingenden Worten: „Unternehmerische Verantwortung“ sei ebenso wichtig wie die „Nachhaltigkeit des Kerngeschäfts“. Doch was steckt da­hinter? Der Fair Finance Guide Deutschland hat die sozialen und ökologischen Selbstverpflichtungen von 16 ausgewähl­ten deutschen Banken und Sparkassen untersucht und zu­letzt im September 2020 veröffentlicht. Die aktuellen Ergeb­nisse liegen seit Februar 2022 vor. Beurteilt wurden Kriteri­en für die Kreditvergabe an Unternehmen, die eigenen In­vestitionen und die Vermögensverwaltung. Dabei ging es um Themenbereiche wie beispielsweise die Verletzung der Menschenrechte, Investitionen in Rüstung und Aspekte der verantwortungsbewussten Unternehmensführung. Erfüllt wurden diese Kriterien zu nur 17 bis immerhin 95 Prozent. Fünf der zuvor beschriebenen Nachhaltigkeitsbanken er­reichten eine Bewertung von 80 bis 95 Prozent, elf gelten als konventionelle Institute und belegten mit 17 bis 55 Prozent die Plätze 16 bis sechs. Die genauen Untersuchungsergeb­nisse finden Sie unter www.fairfinanceguide.de. Der Fair Fi­nance Guide Deutschland ist eine Kooperation von Facing Finance e. V., SÜDWIND e. V. – Institut für Ökonomie und Ökumene und der Verbraucherzentrale Bremen e. V.

Tipps für Interessierte

Ganz gleich, ob man sich bei einer Bank mit Nachhaltig­keitsstandards, einem konventionellen Kreditinstitut, einem freiberuflichen Finanzberater oder selbst durch Eigenre­cherche informiert, Interessierte sollten folgende Ratschlä­ge beherzigen: Um sich nicht von Werbe- und Wirkungsaussagen blenden zu lassen, ist eine umfangreiche Vorabin­formation wichtig. Denn manche scheinbar nachhaltigen Produkte versprechen mehr als sie – bei genauem Hinse­hen – halten können. Bevor man sich für eine konkrete Aus­wahl entscheidet, sollte man zuerst festlegen, wie lange das Geld angelegt sein kann. Auch ist das eigene Sicherheitsbe­dürfnis angesichts möglicher Wertschwankungen oder Ver­luste zu beachten. Möchte man zum Beispiel für ein mögli­ches Mehr an Rendite ein höheres Risiko eingehen? Dabei ist wichtig, dass nachhaltige Varianten die gleichen Ertrags­chancen und Verlustrisiken bergen wie konventionelle Geld­anlagen. Wie hoch diese ausfallen, hängt dabei in erster Li­nie von der Anlageform ab. Außerdem sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, was sie selbst unter Nachhaltigkeit verstehen. Im zweiten Schritt sollten sie prüfen, ob das ge­wählte Anlageprodukt diesen Erwartungen gerecht werden kann.

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Anke Behn

Leiterin des Bereichs Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Bremen e. V. Sie beschäftigt sich dort seit fast zehn Jahren mit nachhaltigen Geldanlagen aus Verbrauchersicht.

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