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Jugendsprech

Fachkräftemangel

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Für junge Menschen ist die Arbeitswelt mit unzähligen Ausbildungsberufen und über 16.000 Studienrichtungen unüberschaubar. Gerade diese Vielfalt verengt den Blickwinkel. Schön, wenn man dann als Berufsstandsangehöriger einer von massivem Fachkräftemangel belasteten Profession Orientierung bieten kann.

Bestenfalls setzen sich Jugendliche bereits vor ihrer Berufswahl intensiv mit den eigenen Stärken und Neigungen auseinander und gleichen diese in einem zweiten Schritt mit möglichen Berufen und deren Anforderungen ab. So der Idealfall. Doch die Realität sieht meistens anders aus. Die wenigsten jungen Menschen haben Ambitionen und den Zugang, sich intensiv mit der Berufswelt auseinanderzusetzen. Der Einfluss von Eltern, Verwandten, Lehrern und Freunden ist groß und naheliegend. Und die haben selbstredend ihre ganz eigenen Vorstellungen und Vorlieben und kennen viele Berufe gar nicht.
Dass weniger verbreitete und bekannte Berufszweige es daher schwerer haben, Interessenten und damit geeigneten Nachwuchs zu finden, ist nicht weiter verwunderlich. Das sind Jobs, die die Jugendlichen nicht tagtäglich vor der Nase haben, weil ihre Eltern diesen ­Beruf nicht ausüben oder er im TV keine Rolle spielt. Und genau solch ein ­Beruf ist der des Steuerberaters. Junge Menschen brauchen selbst in der ­Regel noch keinen Steuerberater, sie haben also keinen direkten ­Zugang. Die Arbeitswelt, Steuerzahlungen oder gar eine Steuererklärung sind noch meilenweit entfernt. Daher können sie erst recht nicht erahnen, welche Aufgaben ein Steuerberater darüber hinaus hat. Die Vorstellung darüber ist unvollständig, wenn überhaupt. Um das zu ändern, hat DATEV im vergangenen Jahr die Image-Initiative „Rock Deine Zukunft“ ins Leben gerufen. Doch um die Steuerberatung bekannter zu machen, braucht es auch das Engagement aus dem Berufsstand, die persönlichen Berührungspunkte.
„Ich halte den Kontakt mit den Jugendlichen zum Beispiel direkt an den Schulen für sehr wichtig, um bereits dort die jungen Leute abzuholen. Viele von ihnen befinden sich nämlich noch in der Berufsfindungsphase, und genau dort können wir ansetzen, sie informieren und letztlich auch begeistern“, ist Ralf Heitkamp, Steuerberater mit eigener Kanzlei aus Bremen, fest überzeugt. Ein persönliches Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Fragen können sofort beantwortet und viele Vorurteile und Unklarheiten direkt ausgeräumt werden. „Die Reaktionen sind in der Regel gleich. Alle sind überrascht über die Vielseitigkeit und über die Modernität des Berufs“, sagt Heitkamp. „Solche persönlichen Kontakte­ können entweder auf Ausbildungsmessen oder auf Ver­an­stal­tun­gen mit der Kammer, dem Verband oder auch DATEV zustande kommen. In Bremen werden hierzu beispielsweise gerade Gespräche zwischen Kammer und Verband geführt, um solche Projekte mit Leben zu füllen. Ziel ist letztlich, den Beruf bei jungen Leuten interessanter zu machen“, erklärt Ralf Heitkamp.
Die Hürde für Steuerberater ist gar nicht so hoch. Wer sich bei Schulen nach etwa Berufsinfotagen erkundigt, findet bestimmt die Möglichkeit, seinen Beruf vorzustellen, bestimmt auch in einer Unterrichtsstunde. Ebenso eignen sich Ausbildungsmessen, vor allem auch um Praktikanten zu gewinnen. „Praktikumsplätze für Schüler halte ich für sehr wichtig. Wir haben in den letzten Jahren immer Schulpraktikanten für drei bis vier Wochen im Büro gehabt. Natürlich kann man das nur leisten, wenn das ganze Team mitmacht“, berichtet der Bremer Steuerberater. „Soll der Praktikant etwas von der kurzen Zeit haben und die Kanzlei auch einen Gewinn da­raus verbuchen, nämlich einen künftigen Mitarbeiter, ist ein Praktikum für beide Seiten arbeitsintensiv. Entscheidend ist, dass die Zeit interessant gestaltet wird. Unsere Erfahrungen waren bisher nur positiv.“

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