Künstliche Intelligenz - 20. März 2019

Ethik als USP

KI ist, was wir aus ihr machen. Unsere Auf­gabe ist es, dafür ethi­sche Leit­planken zu definieren.

Sprachassistenten, die viel mehr können als nur auf Wunsch Musik und Filme abspielen. Saugroboter, die reinigen und dabei ganze Räume vermessen. Oder FIBU-Automaten, die mehr sind als intelligente Taschenrechner. Künstliche Intelligenz (KI) durch­dringt immer stärker unseren Alltag, macht vieles einfacher und bequemer.

Aber wie weit lassen wir künstliche Intelligenz in unser Leben, welche Freiheiten gewähren wir ihr? Und wie bereiten wir uns darauf vor, dass künstliche Intelligenz sich Freiheiten nehmen wird? Denn seitdem Menschen sich mit technischem Fortschritt auseinandersetzen, beschäftigt sie die Angst davor, dass die Technik sie überflügeln oder gar be­herr­schen könnte. In einer der bekanntesten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Thema, „2001: Odyssee im Weltraum“, stellt die künstliche Intelligenz mit dem Namen HAL eine Gefahr für die Menschheit dar. Im Zentrum: die Angst, dass am Ende ein Rechner die Entscheidungen über Leben und Tod trifft.

Freiraum, den wir bestimmen

Heute, da wir uns damit befassen, wie wir den Nutzen künstlicher Intelligenz in unseren Alltag integrieren können, erscheinen derartige Befürchtungen viel­leicht abwegig. Ich persönlich finde es spannend, darüber nachzudenken, wie unsere Zukunft, unser Leben mit künstlicher Intelligenz aussehen und wie sich beispielsweise unser Arbeits- und Wirt­schafts­leben verändern könnte. Trotzdem ist es an der Zeit, ethische Leitplanken einzuziehen und damit die Grundlage dafür zu schaffen, dass künstliche Intelligenz ein Teil unserer Gesellschaft wird. Wie gehen wir etwa mit den vielen Daten um, die wir erheben können? Wem gehört das Datenmaterial – und wer soll davon profitieren können? Wie gehen wir mit Technologie um, die selbst lernt – und durch die wir womöglich bestimmte Fertigkeiten verlieren werden?

So mancher sieht ethische Richtlinien, wie sie beispielsweise die EU nun für künstliche Intelligenz initiiert, als Korsett, das dem Fortschritt die Luft abschnürt. Andere wiederum glauben, dass ohne ethische Regulierung die künstliche Intelligenz eine neue ­industrielle Revolution entfesselt, die für die Gesellschaft insgesamt eine Bedrohung ­darstellt.

Ethikstandards als europäisches Markenzeichen

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ich glaube, es ist sogar sinnvoll, die Ethik als Beschleuniger zu betrachten und nicht als Bremse. Denn ist es nicht das, was wir Europäer – gerade mit Blick auf die Entwicklungen in China oder in den USA – als Markenzeichen setzen können? Ein ethisch geleiteter Entwurf von künstlicher Intelligenz, der beispielsweise den Schutz der Privatsphäre mit dem technischen Fortschritt verbindet. Ein Allein­stel­lungs­merkmal, mit dem wir punkten können. Und ein Element, bei dem wir jetzt noch Gestaltungsspielraum haben. Künstliche Intelligenz ist weder gut noch schlecht. Sie ist das, was wir aus ihr machen. Die Wertigkeit bestimmt am Ende der Mensch.

FOLGEN SIE MIR AUF TWITTER

twitter.com/Dr_Robert_Mayr

Fotos: Kurt Paulus / DATEV eG; SiberianArt / Getty Images

Zum Autor

Dr. Robert Mayr

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
CEO der DATEV eG; Die Genossenschaft gehört zu den größten Softwarehäusern und IT-Dienstleistern in Deutschland.
Seine Themen: #DigitaleTransformation, #DigitalLeadership, #Plattformökonomie und #BusinessDevelopment.
Seine These: „Die digitale Transformation ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens“

Weitere Artikel vom Autor