Unternehmens­bilanz - 15. Oktober 2019

Macht Digitales flüssig?

Die Digi­ta­li­sie­rung hat Aus­wir­kun­gen auf be­trieb­liche Ab­läufe und unter­neh­me­rische Geschäfts­­mo­delle. Welche Kon­se­quen­zen er­ge­ben sich daraus für die Bilanzen von Unter­neh­men? Mög­liche Ansätze zur betriebs­wirt­schaft­lichen Beratung.

Technologische Entwicklungen ermöglichen andere Fertigungstiefen oder Portfoliobreiten und schlagen sich seit jeher in Unternehmensbilanzen nieder. Edel­stahl­wasser­räder in Mühlen, Solarpaneele auf dem Hallendach – so werden zum Beispiel Handwerksbetriebe zu Ener­gie­er­zeu­gern und erzielen Erträge aus der Netzeinspeisung. Die Einzelpositionen einer Unter­neh­mens­bilanz sind meist branchenspezifisch, im Einzelfall aber vom Management geprägt. Technologische Entwicklungen bieten dabei aus kaufmännischer Sicht sowohl Heraus­for­de­run­gen als auch Handlungsoptionen.
Vermögens- und Finanzlage sollen dabei stets aus­ba­lan­ciert sein. Working-Capital-Manage­ment gleicht kurzfristige Schulden mit kurzfristigen Vermögenswerten aus. Liqui­di­täts­ma­nage­ment zielt auf jederzeit aus­rei­chen­de flüssige Mittel ab. Eine stabi­li­täts­orien­tierte Finanzpolitik balanciert Anlage­ver­mögen, Eigenkapital und langfristiges Fremd­ka­pi­tal aus.

Additive Fertigungsverfahren: weniger Vorräte

Wie bedeutsam beispielsweise die Bilanzposition der Vorräte im Umlaufvermögen ist, zeigt ein Blick in die jüngere Unternehmensgeschichte. In diesem Jahr jährt sich die Insolvenz der Firma Quelle zum zehnten Mal. Für viele Arbeitnehmer in der Region hatte dieses Ereignis enorme Konsequenzen. Und nicht nur in Form der – nach dem Berliner Flughafen Tempelhof – zweitgrößten leer ste­hen­den Gewerbe­im­mo­bi­lie Deutschlands wirkt es bis heute nach. Während der Insolvenz bedurfte es eines eigenen Massekredits, um den Druck des letzten Waren­ka­ta­logs zu bezahlen, denn die Lager von Quelle standen voll un­ver­kauf­ter Ware. Der Abverkauf blieb dennoch weit unter den Er­war­tun­gen.
Herkömmliche Produktionsmethoden erfordern viele Zwischen-, Endprodukte- und Abfall­lager. Bei additiven Verfahren entsteht das Endprodukt direkt aus dem Roh­ma­te­rial. Darüber hinaus wird auf Bestellung und indi­vi­duell pro­du­ziert. Vorratshaltung entfällt weit­ge­hend. Dadurch vermindert sich die Position der Vorräte.

Sharing Economy: weniger Anlagevermögen

Produzierende Unternehmen müssen digital gesteuerte Maschinen wie 3-D-Drucker nicht einmal mehr besitzen. In Zeiten von Sharing Economy genügt der Zugang zu diesen Geräten über digitalen Datenaustausch, um derartige Anlagen zu nutzen. Der Druckauftrag wird an den 3-D-Drucker gesendet, der über freie Kapazitäten verfügt und sich geografisch in der Nähe des Kunden befindet.
Da­durch reduzieren sich nicht nur Transportkosten, sondern auch ein weiterer wesentlicher Bilanzbestandteil: das Anlagevermögen. Statt in neue Anlagen zu investieren, wird notwendige Hardware geteilt. Digitale Geschäfts­mo­delle kommen daher ohne bedeutendes Anlage­ver­mö­gen aus.

Blockchain: Cash sofort

Die Blockchain ermöglicht vielfältige Nutzungen. Hier ist von Interesse, dass sie fäl­schungs­sichere, nicht revidierbare Transaktionsabfolgen erlaubt. Damit hat sie das Potenzial, den Zahlungsverkehr selbst zu revolutionieren. Wird dieser technisch auf der Basis der Blockchain abgewickelt, handelt es sich kaufmännisch gesehen um Zug-um-Zug-Geschäfte.
Das bedeutet: Wird die Zahlung über die Blockchain-Technologie abgewickelt, zahlt der Kunde effektiv sofort. Auch das Unternehmen selbst bezahlt dann seine Lieferanten sofort. Lange Cash-2-Cash-Laufzeiten in der Lieferkette aufgrund von sogenannten Zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen auf Ziel entfallen. Somit reduzieren sich für das Unternehmen die Bilanzpositionen der Forderungen und Ver­bind­lich­keiten jeweils aus Lieferungen und Leistungen. Das wiede­rum hat Auswirkungen auf die Finanzlage, denn Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind Teil des Fremd­ka­pi­tals des Unter­neh­mens. Reduzieren sich nun Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. aufgrund der Zah­lungs­ver­kehrs­tech­no­logie, sinken Vermögenswerte und Schulden gleichermaßen – die Bilanz wird quasi kürzer.

Bedarf an Fremdkapital schwindet

Das Programm DATEV Unternehmensanalyse ist geeignet, Bilanzstrukturen und ihre Veränderungen zu untersuchen.

Die Reduzierung der anderen Vermögenswerte – aufgrund von additiven Herstellungsverfahren und sharing eco­no­my – wirkt sich ebenfalls auf den Finanzbedarf des Unter­neh­mens aus. Denn die Positionen der Vorräte und des An­la­ge­ver­mögens sind wesentliche Treiber für die Auf­nah­me von kurzfristigen und langfristigen Bank­kre­di­ten, also Verbindlichkeiten gegenüber Kredit­ins­ti­tu­ten.
Es liegt auf der Hand, dass in dem Maße, in dem Vorräte und Anlagevermögen reduziert oder obsolet werden, der Bedarf an Fremdkapital schwindet. Deshalb ist hier eine weitere Bilanz­ver­kür­zung zu erwarten: Die Ver­bind­lich­keiten gegenüber Kreditinstituten sinken so, wie Anlage- und Umlauf­ver­mögen abschmelzen.
Besteht am Ende die Bilanz eines digitalisierten Unter­neh­mens nur noch aus flüssigen Mitteln auf der Aktivseite und Eigenkapital auf der Passivseite? Falls ja, fragt sich, inwieweit eine derart leere Bilanz noch aus­sage­kräf­tig im Sinne der einschlägigen Rechts­vor­schrif­ten ist.
Kompetente betriebswirtschaftliche Beratung wird jedoch stets darauf achten, das beratene Unter­neh­men kauf­män­nisch zu optimieren und dabei technologische Trends aktiv auf­zu­grei­fen. Das Programm DATEV Unternehmensanalyse im Paket Wirtschaftsberatung classic ist geeignet, Bilanz­struk­tu­ren und ihre Veränderungen zu untersuchen. Das im Programm ent­hal­te­ne Analysecockpit bietet auch Bran­chen­werte für den Benchmark-Vergleich. Das beratene Unternehmen kann sich so hinsichtlich des Einsatzes neuer Technologien posi­tio­nie­ren. Unternehmen sollten vor allem für ausreichend flüssige Mittel sorgen, denn eine vom Lie­fe­ran­ten erzwungene Umstellung des Zah­lungs­ver­kehrs auf Block­chain-Basis führt zunächst zu einer sofortigen außer­plan­mäßigen Be­an­spru­chung der Liquidität. Hier helfen der DATEV Controllingreport comfort und das DATEV Tool Liquiditätsvorschau.

Fotos: GaryTalton; Okea; ugurhan / Getty Images

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