Es gibt viele Möglichkeiten der Mitarbeiterbindung. Der soziale Aspekt ist dabei nicht zu unterschätzen. Das weiß auch die Dornbach Gruppe. Ein Besuch bei Steuerberatern, die viel Engagement daransetzen, ihre Mitarbeiter neben dem Beruf entspannt zu halten.
Früher hat sich Mathias Wohlgemuth morgens, wenn er ins Büro kam, erst mal einen Kaffee geholt. Nach ein paar Stunden Arbeit verbrachte er mit den Kollegen gemeinsam seine Mittagspause. Abends ging es dann nach Hause. Die Stimmung im Büro war gut, doch es war ganz klar: Hier wird gearbeitet – und sonst nichts.
Diese Zeiten sind vorbei. Seit einem Jahr steht Wohlgemuths Schreibtisch in einem neuen Büro. Nein, den Arbeitgeber gewechselt hat er nicht. Er ist immer noch Steuerberater bei der Dornbach Gruppe in Bad Homburg. Morgens holt er sich noch immer zuerst seinen Kaffee, aber die Maschine steht jetzt in einem geschmackvoll eingerichteten Sozialraum. Neben rustikalen Holztischen und -sitzbänken steht hier auch ein Kickerautomat. „Der ist regelmäßig in Gebrauch“, berichtet der 37-Jährige. Denn immer wieder kommt es während der Arbeitszeit und auch nach Feierabend zu einem kleinen Wettkickern unter Kollegen. Ein Mehrwert, den Wohlgemuth sehr zu schätzen weiß. Ärger mit seinen Vorgesetzten hat er deswegen noch nie bekommen. Ganz im Gegenteil.
„Wir freuen uns, wenn mal wieder das Kickerklicken zu hören ist. Eine tolle Idee unserer Mitarbeiter im Übrigen“, sagt Dipl.-Kaufmann Jochen Ball, geschäftsführender Gesellschafter des Bad Homburger Standortes. „Uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter hier wohlfühlen“, erklärt er schlicht. Damit fasst er eine Vielzahl an Aktionen zusammen, die eigentlich schon eine komplette „Mitarbeiterbindungskampagne“ darstellt: Neben dem Sozialraum mit Kicker gibt es auch einen Sportraum mit Spinning-Rad, in dem auch nachmittags Yogakurse angeboten werden. „Und einen Billardtisch haben wir auch“, freut sich Ball. Der orange bespannte Tisch steht im kanzleieigenen Kaminzimmer, in dem schon mal Mandanten empfangen und bewirtet werden. Dass diese Loungelandschaft direkt neben dem Konferenzraum liegt, ist ebenfalls Teil eines großen Plans.
Der hat seinen Ursprung bereits vor einigen Jahren genommen, um das Jahr 2010. Damals haben die führenden Köpfe der bundesweit agierenden Dornbach Gruppe, die in fünf regionale Gesellschaften aufgeteilt ist, beschlossen, dem Unternehmen ein neues Gesicht zu geben. Das Ergebnis war die Entscheidung für einen Umzug, nicht nur in Bad Homburg. „Unsere Kollegen in Saarbrücken sind in einen Lokschuppen gezogen. Der Standort Koblenz wird komplett neu gebaut – und weitere werden folgen“, fasst Dornbachs Marketingexpertin Lydia Schmitz zusammen. Auch in Bad Homburg siedelte die Kanzlei in einen ehemaligen Lokschuppen um. Die Bauphase dauerte rund eineinhalb Jahre.
Tradition bewahren, Innovationen ergänzen
Gegründet wurde die Dornbach Gruppe 1954 in Koblenz. Die überregional tätige Unternehmensgruppe in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung ist national an derzeit 17 Standorten in Deutschland vertreten. Zu dem Gesellschaftsbereich Bad Homburg, den die Dornbach Gruppe seit mehr 60 Jahren betreibt, gehören die in der Rhein-Main-Region gelegenen Niederlassungen Mainz und Darmstadt. Dornbach betreut dabei vorwiegend mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Unternehmen der öffentlichen Hand sowie gemeinnützige Einrichtungen. Um hier alle „unter einen Hut“ zu bekommen, gibt es ein Steuerungsboard, das aus Vertretern aller Standorte besteht, sowie Arbeitskreise zu unterschiedlichen Themen, wie zum Beispiel Marketing, IT, Personal und fachspezifischen Themen. Diese Gremien treffen sich mindestens zweimal pro Jahr.
Aber im Dezember 2013 war es endlich so weit: Die Umzugswagen konnten in Bad Homburg anrollen. Von den Wurzeln des Gebäudes zeugen heute noch historische Bahngleise, die quer durch die Empfangshalle laufen. Eine Auflage der Denkmalschutzbehörde. „Es war nicht die erste und sollte nicht die letzte sein“, erinnert sich Ball. Die Vorgaben gingen so sehr ins Detail, dass selbst Isolatoren, die früher eine Überspannung verhindert und dauerhaften Betrieb gewährleistet hatten, an den tragenden Stahlstreben belassen werden mussten. „Das war schon recht abstrus: Die Kabel durften wir abklemmen, die Isolatoren aber nicht. Also blieben sie dran.“ Eine Anekdote, die zum Charme des historischen Lokschuppens beiträgt. Damit die Mitarbeiter aber nicht in „altem Gemäuer“ arbeiten müssen, wurden zusätzliche Wände, neue Fenster samt Rollladenanlage und geräuschdämmende Decken eingesetzt. „So freut sich der Mandant über das interessante Ambiente. Hinter den Kulissen können unsere Kollegen aber in Räumen arbeiten, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen.“ „Hinter den Kulissen“ trifft es bei der Dornbach Gruppe aber nicht ganz. Denn Wände gibt es auf den beiden Stockwerken der Kanzlei kaum: Jedes Büro hat ein Fenster, die Türen sind teils aus Milch-, teils aus durchsichtigem Echtglas „und sind sowieso möglichst immer offen zu halten“ – so die Hausphilosophie –, schwebende Treppen verbinden den Empfangsbereich und die „Arbeitsebene“. So wird der offene Eindruck, den die Kanzlei ihren Mandanten gegenüber vermitteln will, auch in den Arbeitsalltag der 45 Angestellten am Standort übertragen. Dass der Dornbach Campus gerne auch von externen Firmen für Vortragsabende und Events gebucht wird, freut Geschäftsführer Ball und Marketingfachfrau Schmitz gleichermaßen. Der Imagegewinn durch solche Veranstaltungen und die entsprechende Berichterstattung sind Motiv für die Raumgestaltung als Auditorium. Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Im hart umkämpften Raum Frankfurt am Main erzielt Dornbach derzeit immer wieder Akquiseerfolge, auch gegenüber den Big Four.