Chancen im Wettbewerb steigern - 11. September 2013

Das klingt wertvoll

Das Beratungsangebot mittelständischer Kanzleien muss heute breit gefächert sein und zunehmend auch internationale Aspekte berücksichtigen. Das sagen die beiden Wirtschaftsprüfer Prof. Dr. Hanns Skopp und Dr. Peter Leidel.

DATEV magazin: Wenn Sie zurückblicken, wie hat Ihre berufliche Laufbahn seinerzeit begonnen?

Dr. Peter Leidel: Ich wurde in meine Kanzlei hineingeboren. Meine Eltern waren Steuerberater und Steuerbevollmächtigte. Mein Vater war seit 1932 selbstständig. Nach dem Tod meiner Mutter 1980 konnte ich die Kanzlei mithilfe eines Treuhänders erhalten. Danach war ich 20 Jahre als Einzelkämpfer selbstständig und gründete im Jahr 2000 zunächst eine Sozietät mit Christoph Puchinger, die wir dann mit Günther Kaufmann und Rolf Stettmer zur Partnerschaftsgesellschaft erweiterten.

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Ich bin 1991 in die von meinem Großvater gegründete und von meinen Eltern weitergeführte Kanzlei eingestiegen. Ich wollte immer schon Wirtschaftsprüfer werden. Ich wurde auch noch Steuerberater, damit mein eigentliches Beraterprofil damals von den Mandanten wahrgenommen wurde.

DATEV magazin: Wohin hat sich Ihr berufliches Wirken mittlerweile entwickelt?

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Meine beruflichen Aktivitäten wendeten sich mehr und mehr der ausschließlichen Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer zu. Langfristig sehe ich auch bei den mittelständischen Mandanten eine Trennung der Betätigungsfelder, wobei der Wirtschaftsprüfer zunehmend hochwertige steuerliche Gestaltungsaufgaben übernehmen wird.

Dr. Peter Leidel: Das kann ich bestätigen. Viele Branchen erfordern ganz spezielles Know-how. Deshalb haben wir uns in der Kanzlei auf die Beratung bestimmter Branchen bzw. Fachgebiete, wie etwa Unternehmensnachfolge, Existenzgründungen, Internationales Steuerrecht, Umwandlungsrecht, die Heilberufe sowie das Hotelgewerbe spezialisiert.

DATEV magazin: Wie ist Ihre Kanzlei hinsichtlich Rechtsform, Mitarbeiter sowie der Aufgabenverteilung organisiert?

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Wir sind eine sogenannte gemischte Sozietät, bestehend aus Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und einer Anwältin mit derzeit zehn Mitarbeitern. Im Wesentlichen sind die Aufgaben entsprechend den Tätigkeiten der jeweiligen Berufsträger verteilt. Darüber hinaus haben wir für Großaufträge spezielle Kontakte geknüpft, die ich als strategische Allianzen bezeichnen möchte.

Dr. Peter Leidel: Wir haben uns in einer Partnerschaftsgesellschaft zusammengeschlossen. Zum einen wollen wir zeigen, dass wir als Freiberufler persönlich beraten, und zum anderen die Haftung der nicht handelnden Partner reduzieren. Eine gewerbliche Rechtsform war uns zu anonym und unpersönlich. Wir sind vier Partner und beschäftigen derzeit noch drei weitere Berufsträger sowohl im Anstellungsverhältnis als auch in freier Mitarbeit. Ab September wird uns ein Rechtsanwalt zusätzlich unterstützen. Daneben arbeiten in unserer Kanzlei Steuerfachwirte, Bilanzbuchhalter, Steuerfachange­stellte, Steuer- und Prüfungsassistenten, Buchhaltungsfachkräfte und Sekretärinnen sowie derzeit zwei Auszubildende. Insgesamt sind wir 33 Personen in unseren zwei Bürogebäuden.

DATEV magazin: Wie schaffen Sie es als mittelständische Kanzlei so ein relativ breit gefächertes Spektrum an Beratungsfeldern abzudecken?

Als Berater mittelständischer Unternehmen können wir es uns nicht leisten, ein zu enges Angebot zu schnüren.

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Als Berater mittelständischer Unternehmen dürfen wir kein zu enges Dienstleistungsangebot schnüren. Daher müssen wir das von uns erwartete Know-how nicht nur auf aktuellem Stand halten, sondern von Zeit zu Zeit auch Spezialkenntnisse durch Konsultationen einholen oder sogar externes Fachwissen hinzukaufen. Und zunehmend erwarten die Mandanten auch unternehmerisches Denken von uns.

Dr. Peter Leidel: Wir verstehen uns als engster Berater und Kümmerer für unsere Mandanten. Wir versuchen, auf kurzem Weg zu helfen. Betreffen die Fragen Geschäftsfelder, die wir nicht abdecken, arbeiten auch wir mit spezialisierten Kollegen, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern zusammen. Wir stimmen uns intern ab und präsentieren unseren Mandanten – gegebenenfalls auch gemeinsam – Lösungsvorschläge.

DATEV magazin: Sie arbeiten zudem auch als Dozenten an Fachhochschulen. Inwiefern profitieren angehende junge Kollegen von dieser Tätigkeit?

Dr. Peter Leidel: Da ich versuche, möglichst praxisnahes Wissen in meinen Vorlesungen zu vermitteln, profitieren wir durch sehr frühen Kontakt mit potentiellen Mitarbeitern. Meinen Partner, Herrn Rolf Stettmer, konnte ich auch an der Hochschule als Student kennenlernen und für unsere Kanzlei begeistern.

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Ich bin derzeit hauptamtlich als Professor tätig. Ich gebe den an meiner Hochschule studierenden angehenden Kollegen vor allem den Rat, angesichts des zunehmend härteren Konkurrenzdrucks schon heute die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

DATEV magazin: Die da wären?

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Für meine angehenden Wirtschaftsprüferkollegen sehe ich lukrative Berufschancen künftig nur in größeren Einheiten, denn für die mittelständischen Kanzleien wird es zusehends schwerer. Und in den großen Wirtschaftsprüfergesellschaften erhält man in der Regel auch eine immens gute Grundausbildung für eine Vielzahl kaufmännischer Tätigkeiten.

DATEV magazin: Wollen Sie mit Ihrer Kanzlei künftig noch weiter expandieren, auch hinsichtlich der Beratungsfelder?

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp: Als Partner einer überregional, teils international tätigen Sozietät gebe ich mich nicht der Illusion hin, langfristig in der aktuellen Größe überleben zu können. Daher sind wir bestrebt, noch weiter zu expandieren – auch hinsichtlich des Dienstleistungsangebots und der Kapazität. Wir wollen deshalb auch neue Berufsträger integrieren, da unsere Aufmerksamkeit zunehmend der Beratung internationaler Sachverhalte bei mittelständischen Unternehmen gilt.

Dr. Peter Leidel: Viele unserer Mandanten haben mittlerweile Rechtsbeziehungen ins Ausland, sodass auch wir uns mit Fragen des Internationalen Steuerrechts befassen müssen. Dies ist aber weniger der Grenznähe zu Tschechien oder Österreich geschuldet, sondern vielmehr der starken Exportorientierung mancher unserer Mandanten. Die Fragen reichen von umsatzsteuerlichen Sachverhalten bis zur Betriebsstätte oder Tochtergesellschaft im Ausland. Hierfür kooperieren wir fallbezogen mit Kollegen im Ausland. Einen Standort im benachbarten Ausland streben wir derzeit aber nicht an.

Zu den Autoren

Prof. Dr. Hanns Robby Skopp

Wirtschaftsprüfer und Seniorpartner der Sozietät Prof. Skopp & Collegen. Er ist zudem ordentlicher Professor an der Fachhochschule Landshut mit Schwerpunkt Steuern und Wirtschaftsprüfung sowie langjähriger Redaktionsbeirat bei den Printmedien der DATEV, seit 2006 beim DATEV magazin.

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Dr. Peter Leidel

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsbeistand in der Partnerschaftsgesellschaft Leidel Puchinger & Partner in Regen sowie Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Deggendorf für Betriebliche Steuern. Die Partnerschaft besteht aus drei Steuerberatern und einem Wirtschaftsprüfer/ Steuerberater und beschäftigt rund 30 Mitarbeiter.

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Robert Brütting

Rechtsanwalt in Nürnberg und Fachjournalist Recht sowie Redakteur beim DATEV magazin

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