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Gemein­sam die digi­tale Welt ent­decken

Partnering bei DATEV

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Dass die Genossenschaft Part­ner­schaften eingeht, ist nicht neu, wie jeder weiß, der schon einmal die Dienste eines DATEV-System-Partners in An­spruch ge­nom­men hat. Dennoch geht DATEV mit in­no­va­ti­ven Kon­zep­ten hier neue Wege. Welche das sind, erklärt Vor­stands­mit­glied Eckhard Schwarzer.

DATEV magazin: Bislang verfolgte DATEV eine eher restriktive Politik, wenn es darum ging, Fremdanbietern einen Zugang zu unseren Systemen und dem Rechenzentrum zu gewähren. Von diesem Closed-Shop-Prinzip ver­ab­schie­den wir uns gerade. Warum tun wir das – und warum gerade jetzt?

ECKHARD SCHWARZER: Wir arbeiten schon immer mit Partnern zusammen und haben schon lange zertifizierte Partner-Schnittstellen für Softwarehäuser, die uns in dieser oder jener Form Daten zuliefern. Was wir aber jetzt erkannt haben, ist Folgendes: Wenn wir uns nicht noch wesentlich stärker öffnen als in der Ver­gan­gen­heit und die Möglichkeiten nicht ausbauen, Daten direkt aus dem einzelnen Unternehmen heraus medienbruchfrei abzurufen und in die Kanzlei des man­da­tierten Mitglieds zu transferieren, wenn es nicht gelingt, Daten be­zie­hungs­weise Ergeb­nisse, die das Mitglied mit unserer Software generiert, auf dem gleichen Weg zurück in das ERP-System des Unternehmens zu übertragen, dann wird sich um uns herum eine digitale Welt entwickeln, die ohne den Steuerberater – Daten, Informationen, Belege, Auswertungen austauscht – und unsere Mitglieder sitzen gemeinsam mit uns abgekoppelt mittendrin auf einer Insel und arbeiten immer noch mit den alten Medienbrüchen inmitten hoher Stapel Papier.
Um uns wächst rasant ein digitales Autobahnnetz; da können wir es uns nicht länger leisten, alle Güter, also Daten, die bei uns ankommen und von uns aus­gehen, erst einmal auf einem Verlade­bahnhof auf einen eigenen Schienen­ver­kehr um­zu­setzen und umgekehrt. Und das alles auf Papier. Wir müssen uns stärker bidirektional öffnen, die Wege auf und von der digitalen Autobahn gestalten. Man muss dazu wissen, dass hierzu Gespräche schon länger laufen. Das fing vor einigen Jahren an mit Lexware, SAP, Navision, später umbenannt in Microsoft Dynamics sowie EXACT und Scopevisio, die beide eine inter­net­ba­sierte Unter­neh­mens­software für Buchführung, Kontakt­ver­waltung und Vertrieb anbieten. Was allerdings neu ist: Wir sprechen offensiv von einem Para­dig­men­wechsel, laden ERP-Anbieter und andere Softwarehäuser aktiv ein, sich in das DATEV-Ökosystem zum Nutzen unserer Mitglieder zu integrieren. Was mich dabei überrascht hat, ist die enorme Resonanz, die das Thema im Markt auslöst, die hatten wir so nicht erwartet. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir schon über 60 Anfragen auf dem Tisch liegen von kleinen ERP-Anbietern bis hin zu großen international agierenden Soft­ware­häusern.

DATEV magazin: Und die technische Voraussetzung wäre DATEVconnect online?

ECKHARD SCHWARZER: Genau. Diese Schnittstelle ermöglicht die Anbindung von Cloud-Lösungen anderer Anbieter zum digitalen Belegaustausch via DATEV Unternehmen online. Über sie kommen die Daten via Rechenzentrum in das DATEV-System des jeweiligen Mitglieds, werden da ausgewertet, verarbeitet und das Ergebnis geht auf dem gleichen Weg zurück. Das Letztere ist besonders wichtig. Für beide Seiten, Steuerberater und Unternehmer.

DATEV magazin: Aber bleibt es immer der Entscheidung des Steuerberaters vorbehalten, das Aufarbeitungs- oder Aggregierungsniveau der Daten fest­zu­legen, die DATEV an die Mandanten zurückspielt?

ECKHARD SCHWARZER: Selbstverständlich! Diese Entscheidung verbleibt immer in seinem Hoheitsbereich, und wenn er sagt: „Ich möchte …“, dann müssen wir es ermöglichen. So sehe ich unsere Aufgabe.

DATEV magazin: Ändert dies nicht das bisherige Rollenverständnis in grund­sätzlicher Weise? Das Dreieck Steuerberater, Mandant, DATEV wird abgelöst durch ein Viereck, wenn nun der ERP-Anbieter als Vierter im Bunde hinzutritt.

ECKHARD SCHWARZER: Ja, durchaus. Ich bevorzuge allerdings das Bild von vier einander teilweise über­lagern­den Kreisen, die auf diese Weise alle miteinander Schnittmengen bilden. Jeder mit jedem der anderen Beteiligten. Das ist zum Glück einfacher als es klingt, denn wir dürfen eines ja nie aus dem Blick verlieren: Es muss dem Mandanten Spaß machen, mit der bei ihm eingesetzten ERP- oder Produktionssoftware, sowohl mit seinem Steuerberater und dessen DATEV eng zusammenzuarbeiten und kontinuierlich Daten auszutauschen. Der Erfolg, die Leichtigkeit des Vorgangs, muss für ihn erlebbar sein. Gleichzeitig braucht – und erhält – aber auch der Steuer­berater etwas, womit er seinen Mandanten langfristig an sich binden kann! Denn wenn wir eines sicher wissen, dann das: Die beste Form der Mandantenbindung ist heute eine gut funk­tio­nie­rende Software-Anbindung, ja, besser noch, die funktionale Verflechtung der Software beim Mandanten und der in der Kanzlei. Früher wurden Weih­nachts­karten verschickt, um Man­dan­ten­bindung zu praktizieren, heute muss ich die kaufmännischen Prozesse bei meinen Man­dan­ten digital mit den Prozessen meiner Kanzlei vernetzen. Das ist die wirksamste und nachhaltigste Form der Mandantenbindung. Darum kann ich mit Sicher­heit sagen: Der Berufs­stand kann davon nur profitieren.

DATEV magazin: Die neue Art zu arbeiten muss „Spaß machen“. Können wir denn sicherstellen, dass durch diese Öffnung für Fremdsoftware das Hand­ling des Ganzen trotz der Vermehrung der Player tatsächlich einfacher und nicht unterm Strich eher komplizierter wird?

ECKHARD SCHWARZER: Heute, das muss man ganz offen sagen, sind wir noch nicht ganz so weit. Die erste Inbetriebnahme unserer Online-Applikation ist ver­gleichs­weise kompliziert. Aber natürlich muss es letztlich laufen wie beim He­runter­laden einer App auf dem Tablet oder Smart­phone. Ich klicke die Anwendung an und bin ein­ge­bunden in die DATEV-Partnerwelt. Das Partner­haus liefert umgekehrt die Software bereits mit vorinstalliertem DATEV-Button aus, und dann muss es ganz leicht sein, ohne jeden Aufwand, diese Verbindung auch tatsächlich herzustellen und zu nutzen. Es gibt da schon sehr gute Ansätze wie das Authen­ti­fi­zie­rungs­verfahren DATEV SmartLogin für Online-Anwendungen wie den DATEV-Shop und die DATEV-Apps; das hat uns schon einen gewaltigen Schritt nach vorne gebracht, ohne dass wir Zugeständnisse in puncto Sicherheit machen mussten. Aber was die erste Inbetriebnahme anbelangt, da haben wir noch einiges zu tun, wir arbeiten daran.

Foto: ojogabonitoo/Getty Images

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