Digitaler Nachlass - 17. Juli 2018

Rechtsnachfolge in der virtuellen Welt

Digitale Konten, aber auch E-Mails gehören zum Nachlass, ebenso wie etwa Briefe oder Tagebücher aus unserem analogen Leben. Das gilt nach einem richtungsweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12. Juli 2018. Vollkommene Rechtssicherheit bringt aber auch diese Entscheidung nicht.

Nach dem Grundsatz der Gesamtrechtsnachfolge tritt der Erbe an die Stelle des Verstorbenen. Unstreitig gehören zum Nachlass auch Fotoalben, Tagebücher oder persönliche Briefe, die der Erblasser einst erhalten hat. Daher kann nach Ansicht des Bundesgerichtshofs (BGH) auch nichts anderes für digitale Konten oder Accounts gelten, so dass auch ein Nutzungsvertrag bei einem sozialen Netzwerk, wie etwa Facebook, auf die Erben übergeht.

Digitalen Nachlass regeln

Waren es bis vor kurzem also nur Geld oder Gegenstände, in vielen Fällen auch Immobilien, die wir als Erben erhielten, so gehören inzwischen auch Hinterlassenschaften aus der digitalen Welt zur Erbmasse. Wir kommunizieren per E-Mail, schließen über das Internet Verträge ab, erledigen dort Bankgeschäfte oder buchen Reisen. Und wir halten uns in sozialen Netzwerken auf, wie etwa Instagram, Facebook oder YouTube. Da empfiehlt es sich, den letzten Willen auch für die virtuelle Welt zu regeln.
Für viele aber ist der digitale Nachlass immer noch ein unangenehmes Thema, dem man sich nur ungern widmet. Vor allem jüngere Menschen denken kaum darüber nach, was mit ihrem digitalen Echo, das sie hinterlassen, einmal geschieht. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben acht von zehn Internetnutzern ihren digitalen Nachlass noch nicht geregelt.
Wozu das führen kann, zeigt der Fall eines Krypto-Millionärs, der in 2018 verstarb und ein Vermögen von 250 Mio. US-Dollar in einer Kryptowährung hinterließ. Da er keine Regelung hinsichtlich der Zugangsdaten oder Passwörter für die diversen Online-Konten traf, hat die Familie des Verstorbenen bis heute keinen Zugriff auf sein Vermögen und schaut in die Röhre.

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Robert Brütting

Rechtsanwalt in Nürnberg und Fachjournalist Recht sowie Redakteur beim DATEV magazin

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