Inflation - 23. Januar 2026

Inflation 2025 für 8 von 9 Haushaltstypen bei oder unter 2 Prozent, aber Preisniveau bei Lebensmitteln und Energie weiter hoch

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 23.01.2026

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember 2025 mit 1,8 Prozent unter das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent gesunken. Im Gesamtjahr 2025 lag sie mit 2,2 Prozent noch leicht darüber. Ähnlich ist das Muster, wenn man auf die Inflationsraten von neun exemplarischen Haushaltstypen blickt, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden: Im Dezember wiesen alle von ihnen Inflationsraten an oder unter dem Inflationsziel auf. Im Gesamtjahr hatte nur ein Haushaltstyp eine Inflationsrate oberhalb des EZB-Ziels. Das zeigt der neue monatliche IMK Inflationsmonitor. Im neuen Jahr weist der zu erwartende Trend bei der Teuerung weiter leicht nach unten, so Dr. Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und Autorin des Inflationsmonitors. Während der Inflations-Ausblick für die nächste Zukunft damit unproblematisch ist, offenbart Tobers Auswertung im Vergleich der vergangenen Jahre ein weiterhin deutlich erhöhtes Preisniveau: Seit 2019, dem Jahr vor Coronapandemie und Ukrainekrieg, ist der Verbraucherpreisindex um 22,5 Prozent gestiegen und damit knapp zehn Prozentpunkte stärker als im Einklang mit dem EZB-Ziel gewesen wäre (kumuliert 12,6 Prozent). Besonders deutlich ist längerfristig zwischen 2019 und 2025 das Preisniveau bei Nahrungsmitteln (39,1 Prozent) und, trotz Preisrückgängen in letzter Zeit, bei Energie (36,8 Prozent) angestiegen.

Für die Geldpolitik der Zentralbank sind indes die mittlerweile wieder entspannte Preisentwicklung und die normalisierte mittelfristige Perspektive maßgeblich, betont Ökonomin Tober. Zumal die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum und insbesondere in Deutschland 2025 wieder schwach war. Daher hält die Autorin des IMK Inflationsmonitors weitere Zinsschritte für erforderlich. „Die ruhige Inflationslage liefert der EZB bereits seit geraumer Zeit den geldpolitischen Spielraum, um die Konjunktur zu stützen und insbesondere die kriselnde Industrie zu entlasten, die unter hohen Energiepreisen, den US-Zöllen und der starken Euro-Aufwertung leidet“, schreibt Tober. „Diesen Spielraum sollte sie zeitnah nutzen.“

Das IMK berechnet seit Anfang 2022 monatlich spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden (mehr zu den Typen und zur Methode unten). In einer Datenbank liefert der Inflationsmonitor zudem ein erweitertes Datenangebot: Online lassen sich Trends der Inflation für alle sowie für ausgewählte einzelne Haushalte im Zeitverlauf in interaktiven Grafiken abrufen (Link unten).

Die längerfristige Betrachtung illustriert, dass Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen von der starken Teuerung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine besonders stark betroffen waren, weil Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Energie in ihrem Budget eine größere Rolle spielen. Diese wirkten lange als die stärksten Preistreiber. So betrug auf dem Höhepunkt der Inflationswelle im Oktober 2022 die Teuerungsrate für Familien mit niedrigen Einkommen 11 Prozent, die für ärmere Alleinlebende 10,5 Prozent. Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen hatten damals mit 7,9 Prozent die mit Abstand niedrigste Inflationsrate.

Zuletzt waren die Abstände weit weniger groß und das Muster anders, weil sich vor allem noch Dienstleistungen deutlich verteuert haben, die Haushalte mit höheren Einkommen stärker nachfragen als Ärmere. So hatten Familien mit niedrigen Einkommen im Dezember 2025 und im Gesamtjahr mit 1,5 bzw. 1,6 Prozent im Haushaltsvergleich die niedrigste Inflationsrate, bei Alleinstehenden mit niedrigen Einkommen betrug sie 1,6 bzw. 1,7 Prozent. Am anderen Ende des Haushaltsvergleichs standen Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen, allerdings mit recht geringem Abstand. Im Dezember lag auch deren Inflationsrate mit 2,0 Prozent nicht über dem EZB-Ziel, im Gesamtjahr mit 2,2 Prozent leicht darüber. Die Inflationsraten der übrigen sechs Haushaltstypen lagen dazwischen und überschritten auch im Gesamtjahr nicht die 2-Prozent-Marke. Im Sechs-Jahres-Vergleich seit 2019 tragen einkommensstarke Alleinlebende mit kumuliert 20,8 Prozent nach wie vor die niedrigste Inflationsbelastung unter allen untersuchten Haushalten.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung