EU-Steuern - 7. Juli 2025

EU-Kommission veröffentlicht Jahresbericht zur Steuerpolitik in der EU 2025

DATEV Informationsbüro Brüssel, Mitteilung vom 07.07.2025

Die Generaldirektion für Steuern und Zollunion (TAXUD) der EU-Kommission hat am 24.06.2025 ihren aktuellen Jahresbericht zur Steuerpolitik in der EU vorgelegt. Der Bericht analysiert umfassend die Steuer- und Abgabenstruktur der EU-Mitgliedstaaten, aktuelle Reformbestrebungen sowie steuerpolitische Herausforderungen auf europäischer Ebene.

Körperschaftsteuerlücke: Deutschland unter dem EU-Durchschnitt.

Der Bericht führt erstmals eine EU-weite Quantifizierung der sogenannten Körperschaftsteuerlücke auf Basis eines neuen Schätzverfahrens ein. Diese sog. CIT gap erfasst die Differenz zwischen dem steuerlich relevanten Unternehmensgewinn, der deklariert wird, und dem potenziellen Gesamtniveau, das sich aus wirtschaftlicher Aktivität ableiten lässt. Im EU-Durchschnitt beläuft sich die CIT-Lücke laut Bericht auf rund 10,9 % des steuerlich relevanten Gewinns. Deutschland liegt mit einem geschätzten Wert von 7,9 % unter dem Durchschnitt, was auf eine höhere Steuercompliance schließen lässt. Die Lücke sei laut EU-Kommission eng mit der Schattenwirtschaft verknüpft und betrifft vor allem Nichtregistrierung und fehlende Meldung wirtschaftlicher Aktivitäten – Branchen mit erhöhtem Risiko seien insbesondere Bauwirtschaft und Gastgewerbe.

Gewinnverlagerung und aggressive Steuerplanung

Schätzungen des European Tax Observatory zufolge wurden im Jahr 2022 weltweit etwa 1 Billion US-Dollar an Gewinnen multinationaler Konzerne in Steueroasen verschoben. Für die EU werden daraus resultierende Steuerausfälle von 36 Milliarden bis 100 Milliarden Euro – je nach Modellansatz – jährlich abgeleitet. Jedoch ist eine klare Abgrenzung zwischen legaler Steuervermeidung und missbräuchlicher Steuerumgehung oftmals nicht möglich. Hinzu kommt, dass politisch gewollte Steuerinstrumente fälschlich als „Lücke“ erscheinen können.

Die EU-Kommission betont darüber hinaus, dass viele der bestehenden Steuerlücken nicht durch bessere Steuerverwaltung allein geschlossen werden können, sondern strukturelle und koordinierte Maßnahmen erforderlich sind. Konkrete Impulse seien daher weiterhin:

  • Umsetzung der globalen Mindestbesteuerung (Pillar Two) mit einem effektiven Mindeststeuersatz von 15 %.
  • Weiterentwicklung des geplanten BEFIT-Rahmens zur gemeinsamen Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer in der EU.

Quelle: DATEV eG Informationsbüro Brüssel