Unternehmerische Kulturförderung - 15. April 2019

„Weil’s Spaß macht!“

Ein Blick in ein beliebiges Pro­gramm­heft von Theatern, Opern oder anderen Kul­tur­ins­ti­tu­tionen auf die häufigen Lo­go­wälder von för­dern­den Unter­neh­men und die ebenso obli­ga­ten Dank­sa­gun­gen an Spon­so­ren und Mäzene machen es sicht­bar: Kultur ist mehr denn je auch auf die Wirt­schaft an­ge­wiesen. Sie braucht die Wirt­schaft – denn sie braucht ihr Geld.

Ohne das unternehmerische Kulturengagement wäre das Kulturleben längst nicht so lebendig und reichhaltig!

Auch wenn nach wie vor der Löwenanteil zum Erhalt der hiesigen Kulturangebote durch die öffentliche Hand erbracht wird, stellt die private Kulturförderung – sei es durch Mäzenatentum, Sponsoring oder gemeinnütziges Wirken von Stiftungen – heute in der Bundesrepublik Deutschland eine wesentliche Säule dar, auf der die kulturelle Vielfalt und der Reichtum unserer Kulturlandschaft ruhen. Es ist evident: Ohne das Kulturengagement von Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten wäre das Kulturleben längst nicht so lebendig und reichhaltig!

Doch welche Beweggründe haben Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten, Kultur zu fördern? Warum ist unternehmerisches Kulturengagement wichtig, und was haben die Unter­nehmen davon, sich für die Kultur zu engagieren? Bei kunst- und kultur­in­te­res­sier­ten Unternehmerinnen und Unter­nehmern ist die Antwort manchmal ganz einfach und damit umso plastischer. Herr Dr. Arend Oetker, langjähriges Mitglied im Vorstand des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V., hat einmal bei einer Tagung darauf wunderbar ehrlich geantwortet: „Weil’s Spaß macht!“

Aber die Motivationen sind natürlich weit vielfältiger. Sie reichen von der Wahrnehmung gesell­schaft­licher Verantwortung, offensivem Marketing über subtiles Investment in Image und Marke, mäzenatischem Engagement aus ideellen Gründen bis hin zum Ziel, Kunst- und Kulturförderung als Bestandteil der Unternehmenskultur, als Teil des eigenen Werte­kor­setts und Bestandteil der Corporate-Social-Responsibilty-Strategie im Sinne von Good Corporate Citizenship zu verfolgen. Ein weitverbreiteter Ansatz ist dabei das auf Leistung und Gegenleistung ausgerichtete Kultur-Sponsoring. Hier verfolgen beide Partner bestimmte Ziele und wollen jeweils positive Impulse für ihre eigene Arbeit erhalten. Die Kultur benötigt das Geld für die Umsetzung der Kulturprojekte. Die Sponsoren versprechen sich in der Regel einen positiven Push für das Firmenimage, die Marke, die Kundenbindung, im besten Fall auch die zusätz­liche Motivation von Mitarbeitern und Impulse für die Unternehmenskultur. Das sind für alle Seiten legitime Ziele. Und das für alle dabei Erfreuliche ist: Die Allgemeinheit profitiert davon. Wir alle können auf diese Weise spannende Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen, neue, experimentelle Projekte und vieles mehr erleben, was den Horizont erweitert und das Leben ­bereichert.

Motivationen und Wirkweisen

Um aussagekräftige Statistiken zu den Motivationen und Wirkweisen der unternehmerischen Kultur­för­de­rung zu erhalten und deren Grundsätze und Regeln zu beleuchten, gab der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft bereits 2008 eine Studie zur unter­neh­me­rischen Kultur­för­de­rung in Auftrag. Demnächst wird eine Folgestudie des Kulturkreises, die Aspekte der früheren Be­fra­gun­gen mit neuen Fragestellungen ergänzt, in Kooperation mit dem Institut für Kultur und Medien­wirt­schaft (IKMW) zum aktuellen Stand der unter­nehmerischen Kultur­för­de­rung in Deutschland erscheinen. Neben einer Auswertung der repräsentativen Um­frage­er­geb­nisse analysiert sie erstmals die Bewerbungen um den Deutschen Kulturförderpreis der vergangenen 13 Jahre.

Ohne einer umfassenden Interpretation des neuen Datenmaterials vorgreifen zu wollen, lassen sich jedoch schon erste Tendenzen ablesen. Die über­wäl­ti­gende Mehrheit der kulturfördernden Unternehmen möchte gesellschaftliche Verantwortung über­nehmen. Insbesondere bei kleinen Unternehmen spielt aber auch der Faktor des „persönlichen Interesses“ eine wichtige Rolle. Neben individueller Affinität zur Kultur und dem Wunsch, der Gesellschaft als Unternehmen etwas zurückzugeben, achten die meisten Unternehmen heute darauf, dass ihr Engagement auch zum Unternehmen passt. Darüber ­hinaus sind viele Unternehmen auch in ihrer Kulturförderung zukunftsorientiert und haben keine Scheu vor Experimenten. Ein gutes Beispiel ist hier die DATEV eG. Mit großer Offenheit entwickelt das Unternehmen die Partnerschaft mit dem Nürnberger Staatstheater weiter und begibt sich dabei auf neue Wege, von denen auch die Mitarbeiter profitieren.

Generell wird der Trend deutlich, unternehmerische Kunst- und Kulturförderaktivitäten mit anderen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens zu ver­schrän­ken und so einen Mehrfachnutzen für die Ge­sell­schaft, aber auch die Unternehmen anzustreben. Aus Sicht des Kulturkreises wider­spiegeln diese Ent­wick­lungen das Aktiv-sein-Wollen bei wichtigen Themen unserer Zeit, wie unter anderem Migration, Nach­bar­schaft, Communitybuilding.

„Nicht zuletzt an den Bewerbungen um den Deutschen Kulturförderpreis wird deutlich, dass Unternehmen mit ihren Kulturförderprojekten zunehmend gesamtgesellschaftliche Frage­stel­lun­gen in den Blick nehmen“, so die Geschäftsführerin des Kulturkreises, Frau Dr. Franziska Nentwig. Der Deutsche Kulturförderpreis wird seit 2006 vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft in Kooperation mit dem Handelsblatt und dem ZDF verliehen. Die Auszeichnung würdigt die unverzichtbare Rolle der Wirtschaft für ein lebendiges, sich kreativ weiter­ent­wickel­ndes Kunst- und Kulturleben in unserem Land und lenkt den Blick auf besonders beispielhafte Projekte.

Zu den Kulturförderern von heute gehören Firmen, die in ihrer wirtschaftlichen Leistung vom Ein­mann­betrieb bis zum weltweit agierenden Konzern reichen. Und entsprechend vielfältig sind die Heran­ge­hens­weisen bei Kulturengagements. Unternehmerische Kulturförderung wird heute mit beeindruckender Kreativität, sehr oft hohem persönlichen Einsatz und darüber hinaus in ihrer Gesamtheit mit erheblichen materiellen Mitteln betrieben. Oft wird deshalb vor allem innerhalb von Unternehmen die Notwendigkeit unternehmerischer Kulturförderung hinterfragt. Aber allein durch die Brille der Sparsamkeit kann man – sei es in Unternehmen oder auch in der öffentlichen Kulturförderung – nicht alles sehen: „Wo Kultur wegbricht, wird Platz frei für Gewalt!“, so hat es einst August Everding zusammengefasst.

„Das Engagement für Kunst und Kultur ist keine Pflichtleistung. Unternehmer und Unternehmen haben eigentlich ihre Aufgaben bereits bewältigt, wenn sie ihre Firmen erfolgreich führen und damit Arbeit und Lebensunterhalt für andere Menschen schaffen. Dennoch entscheiden sie sich dafür, Kunst und Kultur zu fördern, weil sie an ihre Ge­stal­tungs­kraft und ihre aktive Rolle im gesellschaftlichen Geschehen glauben“, so Frau Dr. Franziska Nentwig. Kunst und Wirtschaft basieren beide auf der Res­sour­ce Kreativität, die ihrerseits die Voraussetzung für erfolgreiches Handeln und Innovation in allen gesellschaftlichen Feldern darstellt. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft ermutigt deshalb die Akteure auf beiden Seiten zur offenen, fairen und einander inspirierenden Zusammenarbeit.

Fotos: beronb; skodonnell / Getty Images

MEHR DAZU

DATEV ist Mitglied im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI und fördert kulturelle Projekte in der Region.

Die Ausschreibung um den Deutschen Kulturförderpreis 2019 läuft aktuell. Bewerbungen sind bis 15. Juni 2019 möglich.

Weitere Informationen unter: www.kulturkreis.eu/kulturfoerderpreis

Zu den Autoren

Sabrina Schleicher

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.

Weitere Artikel von der Autorin
Dorine Wolf

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.

Weitere Artikel von der Autorin