KLARTEXT - 24. Oktober 2024

Ehrgeizige Menschen kennen nur zwei Motivationsfaktoren

Neulich Abend lernte ich zufällig bei einer Veranstaltung zunächst einen Radiomoderator und dann eine Radiomoderatorin kennen, die beide bereits seit Jahren erfolgreich sind.

Er offenbarte nach einer Weile, dass er nach vielen Jahren jetzt damit aufhöre und etwas Neues machen werde. Als seine Kollegin dazukam, dachte ich zunächst, sie sei seine Nachfolgerin. Es stellte sich aber heraus, dass sie sich bereits vor Monaten entschieden hatte, den Sender zu wechseln, und er ihr Kollege und Förderer war.
35 Jahre als Führungskraft – welch unzeitgemäßer Begriff heute – machten mich neugierig. Was lief falsch, dass ein seit Jahren erfolgreiches Team nahezu gleichzeitig das Unternehmen verlässt? Die Antwort war nach etwas Nachbohren einfach wie immer: Mindestens einer der beiden einzigen echten Motivationsfaktoren für ehrgeizige Menschen war nicht erfüllt. Ja, es gibt nur zwei! Glauben Sie nicht? Ist aber so. 35 Jahre Erfahrung haben mir das immer bestätigt. Geld gehört übrigens nicht dazu, denn das ist nur ein Hygienefaktor oder wird zum negativen Motivationsfaktor, wenn die Kohle nicht stimmt.

Was sind die einzigen beiden Motivationsfaktoren?
Anerkennung beziehungsweise Wertschätzung ist ein Faktor, der motiviert. Er kostet kein Geld und wird so häufig vernachlässigt. So wie auch im Fall des Moderationsteams. Er wollte nach 16 Jahren als erfolgreicher Frühmoderator einfach mal etwas verändern, weil er als junger Vater auch über seine Work-Life-Balance nachdachte. Die Bitte um ein Gespräch lehnte sein Chef aus Zeitgründen zunächst ab. Das war der erste und gravierendste Fehler. Menschen Zeit einzuräumen, wenn sie etwas bedrückt, ist eine sehr wertschätzende Form der Anerkennung. Trotzdem passiert dieser Fehler immer wieder. In diesem Fall war es der Auslöser für ihn, sich auf etwas völlig Neues zu stürzen. Als das Gespräch nach einer Woche stattfand, waren die Würfel längst gefallen. Seine Kollegin hatte Wochen zuvor dasselbe erlebt und sich daraufhin bei einem anderen Sender beworben, der sie sofort einstellte.
Der zweite Motivationsfaktor ist, Aufgaben eigenverantwortlich bearbeiten zu dürfen – die Fähigkeit dazu natürlich vorausgesetzt. Sag mir das Was, aber nicht das Wie – so könnte man es auch plakativ beschreiben. Leider werden auch hier oft ähnliche Fehler gemacht, indem man jemandem eine Aufgabe gibt, klar definiert und auch mit Zieltermin versieht, dann aber bei der Lösung dauernd reinredet, wie es gemacht werden soll. Das demotiviert und vermutlich kennen Sie den Moment, in dem man innerlich „Na, dann mach es doch selbst!“ denkt.
Ich habe solche Fehler sicherlich auch gemacht, mir aber eine wunderschöne Kontrollfrage in meinem Berufsleben immer wieder selbst gestellt: Möchte ich bei mir arbeiten, wenn ich so geführt werde, wie ich führe? Probieren Sie das mal aus – aber erschrecken Sie nicht, wenn Sie sich die Antwort geben.

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Zum Autor

Prof. Dr. Peter Krug

Chief Markets Officer (CMO) und stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

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