Zukunft der Cloud - 15. Oktober 2019

Die digitale Dimension der Souveränität

Europäische Werte müssen auch in der Digital­öko­nomie gelten. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich für eine ge­mein­same ­Cloud-Struktur in Europa einzu­setzen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass viele Unternehmen skeptisch waren. Meine Daten – nicht bei mir abgespeichert? Ist das denn sicher? Kommt da nicht jeder dran? Und was genau ist das eigentlich, diese Cloud?

Cloud-Struktur im Unternehmensalltag

Inzwischen gehört das gemeinsame Arbeiten in digitalen Wolken zum betrieblichen Alltag. Große Datenmengen beispielsweise für Berechnungen oder das Bereitstellen von Diensten werden in der Cloud abgelegt. Der Vorteil für Unternehmen: Die Speicherkapazitäten müssen nicht mehr vor Ort bereitgehalten werden. Der Daten-Pool ermöglicht es, von überall und jederzeit auf die benötigten Daten zuzugreifen. Instrumente der künstlichen Intelligenz werden zudem künftig immer stärker dafür eingesetzt werden, das ökonomische Potenzial dieser Daten zu heben.
Der Markt wird gegenwärtig vor allem von großen US-Konzernen wie Google, Microsoft und Amazon beherrscht. In dem Moment, in dem Unternehmen ihre Daten auf US-Servern speichern, geben sie ihre Datensouveränität gleich mit ab – so die Befürchtung. Natürlich sind Staaten und das wirtschaftliche Handeln in den jeweiligen Ländern grundsätzlich miteinander verflochten, natürlich entstehen auf diese Weise auch Abhängigkeiten. Aber wer die Digitalökonomie kontrolliert, könnte dadurch zunehmend auch andere Entwicklungen beeinflussen.
Zwar gibt es Alternativen in Europa, sie verfügen aber nicht über die gleiche Anwendungsbreite wie die großen US-Cloud-Strukturen. Damit entsteht eine Abhängigkeit von nicht europäischen Akteuren, die nicht nur die betriebswirtschaftliche Handlungsfreiheit einschränkt, sondern letztlich dem digitalen Ökosystem, von dem alle profitieren, die Basis entziehen könnte.

Gaia-X als europäische Cloud der Zukunft?

Entscheidend mit Blick auf eine europäische Cloud- und Dateninfrastruktur ist jedoch, dass mit den Daten sicher und vertrauenswürdig umgegangen wird.

Die europäische Wirtschaft muss sich daher in eine eigene Wolke begeben, um dadurch eine eigene digitale Souveränität anzustreben. Das hat auch das Bundeswirtschaftsministerium erkannt und plant nun unter dem Namen Gaia-X einen virtuellen Hyperscaler. Viel mehr als ein Grobkonzept ist noch nicht vorhanden. Aber am Ende soll ein homogenes System für den Nutzer stehen.
Das Ergebnis dieser Pläne darf sich aber nicht nur an technologischen Eckpunkten orientieren. Natürlich ist es wichtig, innerhalb des Standorts Europa Daten verfügbar zu machen, auszutauschen und analysieren zu können – und damit auch innovative Anwendungen und Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Schließlich liegt die Stärke der deutschen und der europäischen Industrie im Domänenwissen und darauf aufbauenden B2B-Plattformen.
Fast noch wichtiger als die technologische Komponente einer erfolgreichen Datenpolitik ist es, einen Interessensausgleich zwischen Wirtschaft, Bürgern und Verwaltung zu schaffen. Entscheidend mit Blick auf eine europäische Cloud- und Dateninfrastruktur ist das Wissen darum, dass mit den Daten sicher und vertrauenswürdig umgegangen wird, dass vertrauensvoll geteilt wird und Transparenz darüber herrscht, was wer mit welchen Daten tut. Es schwingt eine pathetische Anmutung mit, wenn in diesem Zusammenhang von europäischen Werten gesprochen wird. Aber genau das ist es, was wir brauchen: ein Konzept für eine sichere, vielfältige und offene Digitalökonomie, die auf den freiheitlichen Prinzipien und Werten Europas beruht. Denn nur dann ist sichergestellt, dass die digitale Souveränität dort bleibt, wo sie sein soll.

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Foto: Fotos: Jose A. Bernat Bacete; tom-iurchenko / Getty Images

Zum Autor

Dr. Robert Mayr

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
CEO der DATEV eG; Die Genossenschaft gehört zu den größten Softwarehäusern und IT-Dienstleistern in Deutschland.
Seine Themen: #DigitaleTransformation, #DigitalLeadership, #Plattformökonomie und #BusinessDevelopment.
Seine These: „Die digitale Transformation ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens“

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