Gesundheit - 29. Januar 2020

Stress 4.0

Die rasante technologische Veränderung unserer Arbeitswelt bringt nicht nur Vorteile und Entwicklungspotenziale mit sich. Die Digitalisierung führt auch zu Arbeitsverdichtung und Omnipräsenz, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können.

Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant. Besonders die Digitalisierung bestimmt inzwischen unseren Berufsalltag. Dieser Fortschritt birgt viele Chancen, bringt aber auch bedeutende Risiken und Nachteile mit sich. Arbeitnehmer sind heute völlig anders belastet und beansprucht und wissen damit oft nicht umzugehen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und die ständige Erreichbarkeit sind nur einige Veränderungen in einer modernen, immer digitaler werdenden Arbeitswelt.

Arbeitsverdichtung

Ein immer größer werdender Leistungsdruck in unserer Gesellschaft hat dazu geführt, dass die Arbeitswelt deutlich anspruchsvoller, schneller und veränderlicher geworden ist. Wir sind gezwungen, uns ständig neu auszurichten und neu zu organisieren. Durch die Digitalisierung hat auch die Arbeitsverdichtung zugenommen, sodass sich Führungs­kräfte und Mitarbeiter deutlich mehr belastet fühlen. Change-Prozesse im Unternehmen gehören mittlerweile zum Berufsalltag, und das bedeutet auf Dauer Stress und schlägt auf die Gesundheit!

Digitaler Stress

Hierzu liefert die Studie der Hans-Böckler-Stiftung Digitaler Stress in Deutschland 2018, interessante Analysen und Ansatzpunkte. Digitaler Stress von Arbeitnehmern verringert deren berufliche Leistung und geht mit einer deutlichen Zunahme ihrer gesundheitlichen Beschwerden einher. Auch Konflikte zwischen Arbeits- und Privatleben (Work-Life-Conflict) nehmen durch den digitalen Stress weiter zu. Er entsteht dort, wo die Digitalisierung nicht zu den Kompetenzen der Arbeitnehmer passt oder ein Ungleichgewicht zwischen ihren Fähigkeiten im Umgang mit den eingesetzten Techno­logien und den sich daraus ableitenden Anforderungen herrscht. Größte Stressfaktoren sind dabei die Unsicherheit hinsichtlich der Nutzung digitaler Technologien, die Komplexität der Anforderungen und eine geforderte Omni- und Dauerpräsenz, aber auch die persönliche Unzuverlässigkeit.

Die Digitalisierung der Arbeit sollte deshalb durch Präventions­angebote sinnvoll ergänzt werden.

Gegenmaßnahmen

Geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlbelastungen können das zentrale Thema in einem betrieblichen Gesundheitsmanagement darstellen. Hier können die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter (Verhaltensprävention), aber auch die beruflichen Rahmenbedingungen sowie die Anwenderfreundlichkeit und der Support bei digitalen Lösungen (Verhältnisprävention) verbessert werden. Präventionsangebote zur Vermeidung von digitalem Stress sind daher:

  • die Vermittlung und der Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien
  • die Vermittlung und der Erwerb von Kompetenzen in der Bewältigung von digitalem Stress, wie zum Beispiel Stressbewältigung und Resilienz
  • der individuell optimierte Einsatz digitaler Technologien 
  • die Bereitstellung von Support
  • das Design und der Einsatz verlässlicher Technologien

Auch Freiberufler sind betroffen

Mittlerweile ist die Digitalisierung auch in den Kanzleien der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte das zentrale ­Thema. Nicht nur die Arbeit, sondern auch die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und den Mandanten wird zunehmend digitalisiert. Das bietet nicht nur in positiver Hinsicht Potenziale, sondern führt leider auch zu weiterem digitalen Stress. Bereits jetzt haben psychische Krankheitsbilder den zweitgrößten Anteil am Gesamtkrankenstand (Quelle: DAK Branchenkurzprofil Wirtschaftsprüfer und Steuerberater 2018). Aufgrund dieser Tatsache muss auch das Thema Mitarbeiterführung neu betrachtet werden. Interessante Formate für die Personalentwicklung sowie die Qualifizierung von Führungskräften könnten das Führen auf Distanz beziehungsweise das Führen im digitalen Wandel sein. 

Fazit und Ausblick

Die Themen digitaler Stress und psychische Gesundheit werden die Digitalisierung der Arbeit auch weiterhin begleiten und in Zukunft einen noch größeren Stellenwert für Arbeitgeber bekommen, so meine Erfahrungen, die bei meiner Teilnahme an einer Podiumsdiskussion auf dem Deutschen Steuerberatertag 2019 in Berlin von vielen Berufsträgen bestätigt wurden. Die Digitalisierung der Arbeit sollte deshalb durch Präventionsangebote sinnvoll ergänzt werden. Krankenkassen, Rentenversicherungsträger und Berufsgenossenschaften stehen Arbeitgebern als Ansprechpartner beratend zur Verfügung. Es ist daher an den Kanzleiinhabern, für eine gesunde Digitalisierung im Unternehmen oder in der Steuer-, Anwalts- oder Wirtschaftsprüferkanzlei zu sorgen. 

Mehr dazu

In Folge 8 des DATEV-Podcasts Hörbar Steuern geht es um das Thema Stress 4.0: Die andere Dimension der Digitalisierung.

Zum Autor

SD
Stefan Dopheide

Referent für betriebliches Gesundheitsmanagement und 
Resilienz-Coach bei der DAK-Gesundheit

Weitere Artikel vom Autor