Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Zukunft der Steuerberatung intelligenter, effizienter und kundenorientierter zu gestalten.
Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) revolutioniert zahlreiche Branchen, einschließlich der Steuerberatung. Mit ihrer Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren und Muster zu erkennen, kann KI Steuerberaterinnen und Steuerberater unterstützen, indem sie bislang zeitaufwendige Aufgaben automatisiert und präzise Prognosen erstellt. Durch die Automatisierung repetitiver, zeitintensiver Tätigkeiten können sich Steuerberater stärker auf strategische Beratung und personalisierte Dienstleistungen konzentrieren.
Der Einsatz von generativer KI, die in der Lage ist, mehr oder weniger eigenständig Inhalte zu erstellen, eröffnet darüber hinaus die Möglichkeit, völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dazu zählen beispielsweise neue Analyseprodukte für Prognosen oder Prüfungswahrscheinlichkeiten oder automatisiert generierte Beratungsempfehlungen und -inhalte, die ohne KI nicht oder nur schwer realisierbar wären. So können KI-Systeme beispielsweise dabei helfen, Steuerrisiken zu minimieren und Einsparpotenziale aufzudecken, indem sie die neuesten Steuergesetze und -vorschriften analysieren.
Gemeinsam die Entwicklungen gestalten
Da sich Steuergesetze ständig ändern, bietet KI den Steuerberatern ein leistungsstarkes Werkzeug, um den Mandanten vorausschauende und maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. „Hier werden wir in den nächsten Jahren weitere Entwicklungen sehen, die wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern aktiv mitgestalten wollen“, so Stephan Greulich, verantwortlich für das Geschäftsfeld Steuern bei DATEV.
Wesentliche Einsatzszenarien für künstliche Intelligenz sind in diesem Zusammenhang auch im Steuererklärungsprozess denkbar. „Das beginnt bei der automatisierten Vorsortierung und Benennung von Dokumenten und Steuerbelegen und reicht bis zur automatischen Erstellung von Einsprüchen“, sagt Stephan Greulich. So ist beispielsweise ein Prototyp eines automatischen Einspruchsgenerators bereits in der neu gegründeten DATEV KI-Werkstatt im Einsatz. Der Einspruchsgenerator erstellt KI-gestützt auf Knopfdruck einen Einspruchsvorschlag gegen einen Steuerbescheid unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Rechtsquellen.
Mit KI dem Fachkräftemangel begegnen
Für den steuerberatenden Beruf ist KI aber nicht nur ein Produktivitätsfaktor, sondern kann durch die in der Technologie liegenden Potenziale eine Antwort auf die Frage geben, wie sich dem Fachkräftemangel begegnen lässt. Dr. Robert Helbig, bei DATEV verantwortlich für technologische Innovation & Forschung sowie generative KI, schränkt allerdings ein: „Durch KI werden sich auch Berufsbilder verändern. Gerade bei einfacheren, repetitiven Tätigkeiten wird eine zunehmende Automatisierung Einzug halten. Umso wichtiger ist es, die Chancen und Risiken von KI sauber abzuwägen, um durch einen verantwortungsvollen Umgang die Potenziale zu nutzen und gleichzeitig negative Auswirkungen zu minimieren.“
Schutz sensibler Daten
Denn neben den Chancen gibt es durchaus auch Risiken. So kann der Einsatz von generativer KI möglicherweise zur Erzeugung von Viren oder für Hacker-Angriffe genutzt werden. Der Schutz sensibler Daten wird damit zu einer zentralen Herausforderung. Dr. Robert Helbig erläutert: „Zudem dürfen wir in der Goldgräberstimmung des Markts die rechtlichen Standards und den Datenschutz nicht aus den Augen verlieren. Es gilt, leistungsfähige Anwendungen zu fördern, die sicher und rechtskonform funktionieren. Skalierbarkeit und ein durchdachtes Produkt sind wichtiger als übereilter Aktionismus.“
Kontinuierlich lernen
Um mit künstlicher Intelligenz effektiv zu arbeiten, müssen Steuerberater die Bereitschaft und Offenheit mitbringen, sich ständig über neue Entwicklungen in der Steuerberatung und der Technologie auf dem Laufenden zu halten. Dies ist ein wichtiger Paradigmenwechsel, den die Anwender im Auge behalten müssen und auf den auch DATEV immer wieder hinweist. Mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz entwickeln sich Software-Funktionen von einem regelbasierten zu einem wahrscheinlichkeitsbasierten Ansatz, der die Möglichkeit des kontinuierlichen Lernens einschließt.
Das macht deutlich: Durch die Kombination von Fachwissen, technologischer Kompetenz und sozialen Fähigkeiten können Steuerberater den neuen Herausforderungen und Chancen des digitalen Zeitalters erfolgreich begegnen.
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