Kanzleigründung - 15. November 2019

Einfach loslegen

Viele Gründer setzen sich bereits während der Ausbildung oder während des Studiums mit dem Thema Unternehmensgründung auseinander. Und setzen ihren Plan dann konsequent um. So wie Kevin Dietz.

Wann hatten Sie die Idee, sich selbständig zu machen?
Bereits während meines Studiums. Allerdings entschied ich mich nach dem Studium zunächst, bei einer der Big 4-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften praktische Erfahrungen zu sammeln. Während dieser Zeit machte ich berufsbegleitend mein Steuerberater- und Wirtschaftsprüferexamen und fasste die Selbständigkeit wieder ins Auge.

Wie haben Sie angefangen, wo stehen Sie heute?
Nach dem Examen im Januar 2016 ging es relativ schnell. Im März 2016 nahm ich bereits an ersten Veranstaltungen des DATEV-Gründernetzwerks teil und erstellte meinen Businessplan. Außerdem besuchte ich einige DATEV-Anwenderseminare, um mich in die Software einzuarbeiten. Im Herbst 2016 fiel dann der Startschuss. Für den Anfang habe ich mir ein Büro in einem Business-Center gemietet. Das war für mich praktisch, denn ich konnte auf die vorhandene Infrastruktur zurückgreifen.

Zwischenzeitlich habe ich ein weiteres Büro angemietet. Denn inzwischen beschäftige ich zwei feste Mitarbeiter, einen Praktikanten und einen Werkstudenten.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?
Mein Ziel ist, meine rund 100 Mandanten als Experte deutschlandweit so umfassend zu betreuen, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Um das erreichen, steht bei mir digital über allem! Ich nutze das Cloud-Angebot der DATEV und habe gleich zu Anfang das DATEV Dokumentenmanagementsystem sowie Eigenorganisation comfort eingeführt. Außerdem habe ich alle Prozesse in DATEV ProCheck beschrieben. Die Belege der Mandanten werden ausnahmslos digital zur Verfügung gestellt. Die digitale Arbeitsweise ermöglicht es meinen Mitarbeitern, auch aus dem Home-Office heraus effektiv und effizient zu arbeiten.

Außerdem ist mir wichtig, meinen Mandanten Fixhonorare für alle Standardleistungen anzubieten. Diese enthalten – sozusagen eine Flatrate – auch telefonische Beratungs- und Serviceleistungen. Mandanten sollen Planungssicherheit haben und sich mit allen Fragen an mich wenden, denn nur so kann ich sie bestmöglich steuerlich und unternehmerisch beraten. Angenehmer Nebeneffekt: der Prozess der Rechnungsschreibung vereinfacht sich dadurch enorm.

Was würden Sie Gründern empfehlen, die jetzt starten?
Einfach loslegen. Die Anfangszeit, in der man noch nicht so stark ausgelastet ist, sollte man intensiv für die Kanzleientwicklung nutzen und dabei auch mal neue Dinge ausprobieren. Ich würde aber auch in der Folge empfehlen, mindestens einen Tag pro Woche an der Kanzlei und den Prozessen zu arbeiten.

Wir sind zwar in unserem Fachgebiet sehr gut ausgebildet, dennoch fehlt uns wichtiges Wissen und Erfahrung, beispielsweise in Disziplinen wie Marketing oder IT. Deshalb ist es wichtig, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Für genauso wichtig halte ich es, ein festes Investitionsbudget für IT- und Software-Services festzulegen und dieses ergebnisoffen zu verwenden. Diese Services sind wichtige Arbeitsmittel und helfen im Alltag, die Aufträge effizient abzuwickeln. Da fallen dann ein paar Euro im Monat nicht ins Gewicht.

Zum Autor

Thorsten Hesse

Thorsten Hesse ist nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium und ersten beruflichen Stationen im Marketing und der Beratung seit 1994 bei DATEV tätig. Als Kanzleiberater und Gründungscoach unterstützt er Steuerberatungskanzleien als Trainer, Vortragsredner und Autor bei den Themen Strategie, Marketing und Vertrieb. Herr Hesse ist zudem zertifizierter DISG-Trainer und Lehrbeauftragter an der Hochschule München.

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