Erfolgsfaktor Belegschaft - 26. November 2015

Die Mischung macht’s

Zunehmend mehr Unter­nehmen erkennen mitt­ler­weile die Not­wen­dig­keit, auch in die Ge­sund­heit ihrer Mit­ar­beiter zu investieren.

Die Arbeitswelt verändert sich in einem rasanten Tempo: Arbeitsverdichtung, Digitalisierung, Beschleunigung, erhöhte Flexibilitätsansprüche. Gleichzeitig verändern sich auch die Arbeitnehmer: Sie werden im Schnitt älter – schon heute ist jeder dritte Arbeitnehmer über 50 Jahre – und auch anspruchsvoller was ihre Arbeit und Arbeitsbedingungen angeht: Führungsverhalten, Ergonomie, Arbeitsabläufe, Gestaltungsräume, Betriebsklima, Arbeitszeiten und viele weitere Aspekte gesunder Arbeit sind mehr denn je zentrale Themen, die Mitarbeiter beschäftigen. Diese Entwicklung ist mit vielen Herausforderungen für Unternehmen, aber auch für jeden Einzelnen verbunden. Manche Unternehmer klagen über die Anspruchshaltung ihrer Mitarbeiter, manche Mitarbeiter bejammern Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation oder gar ihren Chef. Aber immer mehr gehen diese Herausforderungen proaktiv mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement an. Damit dies zu messbaren Effekten für Unternehmen und Mitarbeiter führt, bedarf es einer strukturierten Vorgehensweise, die sorgfältig geplant und professionell durchgeführt sowie evaluiert werden sollte.

Gesundheit: ein Thema am Arbeitsplatz?

Gesundheit umfasst weit mehr als körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit.

Nicht selten begegnen wir zu Beginn der Projekte „Wozu soll das gut sein-Gesichtern“ auf Seiten der Arbeitgeber. Gesundheit sei doch Privatsache und man könne doch jetzt nicht noch Yoga am Arbeitsplatz machen, man habe schließlich schon mit den sehr verdichteten Arbeitsanforderungen genug am Hals. An dieser Stelle hilft es, das Gesundheitsverständnis kurz zu klären: Denn Gesundheit umfasst weit mehr als körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit. Während fast jeder die gängigen Gesundheitsempfehlungen bezüglich Bewegung, Ernährung und Entspannung kennt, sind sich nur wenige bewusst, wie wichtig Arbeit und soziale Beziehungen für eine stabile Gesundheit sind. Auch diese spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit. Arbeitsinhalte, -organisation, -abläufe und die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz sind enorm wichtig, um gesund und zufrieden älter zu werden. Ein wertschätzender Chef, freundliche Kollegen und gut organisierte Arbeit sind in der Gesundheitsförderung wichtiger als die Gymnastikübung oder der prallgefüllte Obstkorb. Wenn wir wirklich erfolgreich älter werden wollen, muss die Verbesserung der gesamten Arbeitssituation künftig viel mehr in den Fokus von Arbeitgebern und Arbeitnehmern rücken.

Den Begriffsnebel lichten

„Betriebliches Gesundheitsmanagement machen wir schon lange. Unser Rückenfitness-Kurs läuft immerhin schon seit fünf Jahren.“ Solche und ähnliche Aussagen zeigen, dass Begriffe wie betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) zwar in aller Munde sind, aber häufig nicht klar ist, was sie genau bedeuten. Eine inhaltlich saubere Trennung dieser und anderer themenbezogener Begriffe ist jedoch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektplanung und -durchführung. Zunächst müssen wir also den Begriffsnebel lichten. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist nach außen hin kaum sichtbar: Es ist die Entwicklung von Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozessen als Grundlage für die betriebliche Gesundheitsförderung. Zielgruppe des BGM sind in kleineren Organisationen die Unternehmer, in mittleren und großen Unternehmen sind in der Regel die Personalabteilungen maßgeblich verantwortlich. Zunächst werden mit Hilfe eines externen Experten verschiedene Fragen geklärt: Was genau wollen wir erreichen? Wie können wir analysieren, was in unserem Betrieb die Gesundheit und Leistung unserer Mitarbeiter potenziell beeinträchtigen könnte? Wie werden wir vorgehen? Was können wir investieren, zeitlich sowie finanziell? Woran werden wir unseren Erfolg messen? Wer wird wofür zuständig sein?
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist sichtbar: Sie umfasst alle Maßnahmen, die sich unmittelbar auf das Verhalten der Mitarbeiter und/oder die Verhältnisse am Arbeitsplatz beziehen. Zielgruppe der BGF sind alle Mitarbeiter eines Unternehmens. Beispiel: Aufgrund der Analyse stellt man fest, dass etliche Mitarbeiter immer wieder Nacken- und Rückenbeschwerden haben, die Ergonomie an den Büroarbeitsplätzen verbesserungsbedürftig ist, aber gleichzeitig in einer Abteilung auch immer wiederkehrende Konflikte den Mitarbeitern im Nacken sitzen.

Die gesundheitsfördernden Maßnahmen könnten jetzt folgendes beinhalten:

  1. eine ergonomische Optimierung einzelner Arbeitsplätze;
  2. ein Verhaltenstraining mit dem Ziel der Verbesserung des individuellen Bewegungsverhaltens am Arbeitsplatz und dem gesundheitsgerechten Verhaltens am PC-Arbeitsplatz;
  3. eine Teamveranstaltung zum Thema Konfliktbewältigung.

Abgrenzung private Gesundheitsmaßnahmen

Alle diese Maßnahmen haben einen konkreten Arbeitsplatzbezug und grenzen sich somit deutlich ab von der persönlichen Gesundheitsförderung (PGF): Sie beinhaltet Maßnahmen, die jeder Einzelne zum Schutz oder zur Verbesserung seiner Gesundheit privat ergreifen kann, wie etwa Bewegungsprogramme, Ernährungskurse oder ein Raucherentwöhnungskurs. Sollte also ein Mitarbeiter in seiner Freizeit eine Rückenschule besuchen, so gehört dies eindeutig nicht in die BGF. Ein Arbeitgeber kann sich allerdings entschließen, solche Programme finanziell zu fördern, um damit seinen Mitarbeiter zu motivieren, selbst aktiv zu werden. Das sollte aber ausdrücklich nicht unter dem Namen BGF geführt werden. Außerdem gibt es für die Förderung dieser PGF-Programme keinen Hinweis, dass sie zum Beispiel Krankenfehltage reduzieren, bei BGF-Programmen hingegen belegen viele Studien inzwischen die Wirksamkeit.

Fazit

Es gibt mittlerweile keinen Zweifel mehr, dass BGM sich rechnet. Aber es ist natürlich keine Anlage für den schnellen Gewinn, sondern eher eine für diejenigen, die bereit sind, in längeren zeitlichen Horizonten zu denken und zu handeln.

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Informationen zur Arbeitsweise und den Projekten der GGW Homburg finden Sie in den folgenden Büchern:
Schneider, Cornelia / Schneider, Lisa Juliane:

Reife Leistung • Erfolgreich älter werden im Beruf, Kreuz Verlag, 2014

Schneider, Cornelia. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, Hans Huber Verlag, 2012

Weitere Infos unter www.ggw-homburg.de

Zur Autorin

Cornelia Schneider

Diplom-Psychologin und Physiotherapeutin

Geschäftsführerin GGW Homburg

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