Hybridstiftungen - 29. Juli 2021

Doppelt stark

Einen besonders flexiblen Gestaltungsspielraum im Stiftungswesen bietet das Modell der Hybridstiftung. Die DATEV-Stiftung Zukunft ist ein gutes Beispiel dafür, warum es nicht nur Schwarz und Weiß geben sollte.

Die im Dezember 2014 gegründete DATEV-Stiftung Zukunft setzt laut eigenem Claim den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung. Konkret engagiert sie sich für die Anforderungen in einer digitalen Berufs- und Arbeitswelt, für IT-Sicherheit und Datenschutz sowie für digitale Vernetzung und Formen der Zusammenarbeit. Gegründet wurde die DATEV-Stiftung Zukunft als sogenannte Hybridstiftung (manchmal auch Teilverbrauchsstiftung genannt), einer Sonderform zur gängigen Ewigkeitsstiftung. Gemeinhin steht diese für Zukunftsorientierung und Dynamik und daher genau für die Begriffe, die auch der Idee der DATEV-Stiftung Zukunft entsprechen.

Konkrete Ausgestaltung des Hybridmodells

Hybridstiftungen zeichnen sich im Kern dadurch aus, dass klar zwischen einem stets zu erhaltenden Grundstockvermögen und einem ausschließlich für die Zweckverfolgung zu verbrauchenden Vermögen getrennt wird. Das Grundstockvermögen muss dementsprechend in seiner Substanz dauerhaft erhalten bleiben und in Vermögenswerte investiert werden, die laufende Erträge abwerfen. Typischerweise handelt es sich hierbei um Kapitalinvestitionen in diversen Anlageklassen. Das Verbrauchsvermögen wiederum wird über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren ausgegeben und darf nur für die in der Satzung der Stiftung bestimmten Zwecke verbraucht werden. Diesem Zeitraum von mindestens zehn Jahren liegt zugrunde, dass zur Anerkennung einer Hybridstiftung nach § 80 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sichergestellt werden muss, dass das Vermögen zur andauernden und nachhaltigen Erfüllung der Stiftungszwecke ausreicht. Dieser Vermögensteil dient nicht der dauerhaften Erzielung von Erträgen. Daher sollte hier in Vermögenswerte investiert werden, die bezogen auf die Wertentwicklung keinen größeren Schwankungen unterliegen und jederzeit veräußerbar sind. Zudem ist bei der Anlage des Verbrauchsvermögens zu beachten, dass der für die Zweckverwirklichung notwendige Liquiditätsbedarf stets gesichert ist.

Die Hybridstiftung als Stiftungsform ist erst seit wenigen Jahren rechtlich anerkannt, wird aber ständig beliebter. Durch die Verbindung der Vorteile der Ewigkeitsstiftung mit denen einer Verbrauchsstiftung ist im Ergebnis eine erleichterte Zweckverwirklichung und Flexibilisierung im Spendenabzug zu erwarten. Nach der Reform regelt das neue Gesetz auch die Hybridstiftung (§ 83b, Abs. 3 BGB). Nach über sechs Jahren aktiver Stiftungsarbeit hat die DATEV-Stiftung inzwischen circa 1,4 Millionen Euro in gemeinnützige Förderkooperationen investiert. Die verfügbaren Mittel stammen praktisch ausschließlich von der DATEV eG. Zu den Förderempfängern gehören gemeinnützige Organisationen, Hochschulen und Verbände, die gemeinnützige Projekte im Sinne der Stiftungssatzung verfolgen.

Die Förderbereiche der DATEV-Stiftung Zukunft

Im Zuge der Digitalisierung entstehen neue Berufsfelder, Prozesse und Produkte, die moderne Skills sowie tagesaktuelles Knowhow erfordern. Ziel der DATEV-Stiftung Zukunft ist es, Menschen und damit auch Unternehmen für diesen Wandel zu rüsten und ihn mitzugestalten. Etwa 250.000 Euro pro Jahr stellt die DATEVStiftung Zukunft derzeit zur Verwirklichung der gemeinnützigen Satzungszwecke in Form von Fördermitteln bereit. Der Stiftungsvorstand entscheidet jährlich über etwa 30 eingehende Förderanträge und unterstützt aktuell mehr als zwei Dutzend Initiativen. „Mit der Arbeit der DATEV-Stiftung stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung und fragen uns, welche Kompetenzen wir heute lehren und lernen müssen, damit wir als Gesellschaft für die künftigen Herausforderungen gerüstet sind. Wie funktionieren datenbasierte Geschäftsmodelle insgesamt und warum ist es wichtig, dies auch als Privatperson zu verstehen? Und kann das Genossenschaftswesen als kooperative Rechtsform womöglich eine Renaissance in solchen Umgebungen erleben?“, erklärt Prof. Peter Krug, Vorstandsvorsitzender der DATEV-Stiftung Zukunft.

Neuer Vorstand für die DATEV-Stiftung Zukunft

2014 hat Eckhard Schwarzer maßgeblich die Gründung der DATEV-Stiftung vorangetrieben. „Zu Beginn galt es, ein kleines Pflänzchen zu pflegen – damals auch nicht ganz ohne Widerstände aus dem Kreis der Mitglieder. Inzwischen ist die DATEV-Stiftung zu einem gesunden jungen Baum herangewachsen, fest verwurzelt im Berufsstand und in der Gesellschaft“, fasst Eckhard Schwarzer seine Erfahrung in sieben Jahren als Vorstandsvorsitzender der DATEV-Stiftung zusammen. Zum 1. Juli 2021 übergab er den Vorsitz an seinen Nachfolger, Prof. Dr. Peter Krug.

Data Literacy Education ist ein Projekt in Kooperation mit dem Stifterverband e.V. zur Vermittlung grundlegender Kompetenz, um in der digitalen Welt in Wissenschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft bestehen und teilhaben zu können. Data Literacy ist die Fähigkeit, planvoll mit Daten umzugehen und sie im jeweiligen Kontext bewusst einzusetzen und zu hinterfragen. Ziel des Projekts ist es, an möglichst vielen Hochschulen Konzepte für eine sogenannte Data Literacy Education zu etablieren. Durch die Vernetzung sollen diese Hochschulen von Projekten und anderen Hochschulen, bei denen solche Konzepte schon umgesetzt werden, sowie von nationalen und internationalen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft lernen.

Zur Autorin

Astrid Schmitt

Redaktion DATEV magazin

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