EU-Recht - 4. Februar 2026

EU-Kommission legt Single Market Report 2026 vor

DATEV Informationsbüro Brüssel, Mitteilung vom 03.02.2026

Der am 30.01.2026 veröffentlichte Single Market Report 2026 zeigt, dass der europäische Binnenmarkt in einer Phase struktureller Stagnation angekommen ist. Während einzelne Kennzahlen Verbesserungen anzeigen, bleibt der Gesamttrend verhalten: Die Integration im Binnenmarkt hat ein Plateau erreicht, Produktivitäts- und Investitionslücken bestehen fort, und insbesondere im Dienstleistungssektor wirken nationale Regulierungsunterschiede weiterhin als strukturelle Barriere.

Dienstleistungen: Integration kommt nur langsam voran

Die grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen innerhalb des Binnenmarkts wachse zwar weiter, allerdings deutlich langsamer als noch vor einigen Jahren. Die regulatorische Restriktivität in vielen Dienstleistungssektoren bleibe hoch und habe sich in den letzten Jahren kaum verringert. Der Bericht stellt fest, dass Dienstleistungen in den Mitgliedstaaten nach wie vor sehr unterschiedlich, teilweise mit nationalen Sonderregelungen, reguliert sind. Die grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen bleibe kompliziert.

Auch die Entsendung von Arbeitnehmern sei weiterhin mit erheblichem administrativem Aufwand verbunden. Zwar seien Meldepflichten und Kontrollen unionsrechtlich zulässig, sie würden in der Praxis jedoch häufig sehr komplex ausgestaltet. Auch dort, wo die tatsächlichen Risiken gering sind, etwa bei hochqualifizierten Fachkräften. Die EU-Kommission verweist hierbei auf bestehende Best Practices, sieht deren Umsetzung aber primär in der Verantwortung der Mitgliedstaaten.

Anerkennung von Berufsqualifikationen bleibt Engpass

Ein zentrales Hindernis für einen funktionierenden (Dienstleistungs-)Binnenmarkt bleibe die Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Trotz einzelner Verbesserungen stagniert die Quote positiver Anerkennungsentscheidungen seit Jahren. Verfahren seien oft langwierig, papierbasiert und wenig transparent. Das hemme die Mobilität von Fachkräften, verschärfe Fachkräftemangel und wirke sich negativ auf wissensintensive Dienstleistungen aus. Der Bericht unterstreicht, dass eine konsequente Digitalisierung der Anerkennungsverfahren erhebliche Effizienzgewinne bringen könnte, Fortschritte sind hier bislang jedoch begrenzt.

Nationale Fragmentierung belastet Unternehmen weiterhin

Darüber hinaus zeigt der Report, dass die regulatorische Fragmentierung im Binnenmarkt ein strukturelles Problem bleibt. Die fehlerhafte oder uneinheitliche Umsetzung von EU-Recht durch die Mitgliedstaaten nehme sogar wieder zu. Für Unternehmen bedeute dies konkret Rechtsunsicherheit und zusätzliche Kosten, insbesondere bei grenzüberschreitender Tätigkeit. Auch die wahrgenommene Einfachheit der regulatorischen Compliance habe sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert – die Gründung und der Betrieb von Niederlassungen in anderen Mitgliedstaaten bleibe komplex.

Digitalisierung, Produktivität und Fachkräfte

Der Bericht bestätigt zudem bekannte Schwächen: Die Produktivitätslücke zu den USA bleibt erheblich und ist eng mit der vergleichsweise langsamen Verbreitung digitaler Technologien verbunden. Gerade KMU würden Cloud-Dienste, Datenanalyse oder KI deutlich seltener als in anderen Wirtschaftsräumen nutzen. Gleichzeitig verschärfen Fachkräfte- und Kompetenzengpässe die Situation, insbesondere bei digitalen und spezialisierten Qualifikationen.

Entlastung durch Vereinfachung

Zugleich verweist die EU-Kommission auf eine Vielzahl laufender oder geplanter Vereinfachungsinitiativen, insbesondere die Omnibus-Vorschläge und die European Business Wallet. Deren Wirkung wird bislang jedoch ausschließlich auf Grundlage von Projektionen eingeschätzt; belastbare Zahlen liegen noch nicht vor. So sollen dank der Omnibus-Pakete Einsparungen von jährlich bis zu 11,9 Milliarden Euro erzielt werden, und durch den European Business Wallet könnten sogar bis zu 13,5 Milliarden Euro zusätzlich an Entlastungen möglich sein.

Quelle: DATEV eG Informationsbüro Brüssel