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Inte­rim­ma­nage­ment

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Im Unternehmen steht ein Change-Prozess an, oder ein neues Team muss rasch zu­sam­men­ge­stellt werden? Die Ge­schäfts­füh­rung kann darauf schnell und flexibel re­agie­ren und kurz­fristig kom­pe­tente Hilfe holen – dank der Idee des Inte­rim­ma­nage­ments.

Interimmanagement ist auf dem Vormarsch. Als Interimmanagement wird der befristete Einsatz externer, erfahrener Führungskräfte zur Übernahme von Managementaufgaben bezeichnet. Die Einsätze kommen in Betracht bei Kapazitätsengpässen, bei Fehlen be­son­de­rer Kompetenzen oder bei diffizilen, temporären Aufgabenstellungen. Interimmanager sind Selbstständige, die für ein bestimmtes Projekt oder bei einer drin­gen­den Vakanz eine Füh­rungs­auf­gabe auf Zeit wahr­neh­men. Sie werden in der Regel mit Führungspositionen der ersten oder zweiten Ebene betraut, in denen die Vorteile des Einsatzes eines externen Erfahrungsträgers zur Geltung kommen. Vergütet werden sie nach ver­ein­bar­ten Tages­sät­zen gegen Rechnungsstellung.
Interimmanagement ist im englischsprachigen Raum und in den Beneluxstaaten schon seit den 1970er-Jahren ein anerkanntes Instrument. In Deutschland entwickelte es sich deutlich später. Ab dem Jahr 2000 nahm es auch hier einen deutlichen Aufschwung; der Wachs­tums­markt hat heute bereits die Marke von zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr über­schrit­ten. Mittlerweile gibt es Agenturen, die sich auf die Vermittlung von In­terim­ma­nagern spezialisiert haben. Diese Agenturen verfügen teilweise über mehrere Tausend Kandidaten in ihren Daten-Pools. Darüber hinaus gibt es Sozietäten, Personalberatungen und Online-Portale. Als Branchenverband und In­te­res­sen­ver­tre­tung hat sich die Dachgesellschaft Deutsches Interimmanagement e. V. (DDIM) etabliert.
Vor dem Hintergrund der Globalisierung und Digitalisierung sowie dem daraus re­sul­tie­ren­den dynamischen Marktgeschehen in den meisten Branchen entstehen kurzfristig an­spruchs­volle Managementaufgaben, die oft mit traditionellen Mitteln nicht schnell genug und kompetent besetzt werden können. Im Zeit- und Innovationswettbewerb benötigen Unternehmen häufiger auf kurzem Wege geeignete strategische Kompetenzen und einen erfahrenen Manager mit einer unvoreingenommenen Sicht auf die Veränderungen. Dies können besondere Unter­nehmens­situationen sein wie Ge­schäfts­mo­dell­ent­wick­lung, Post-Merger-Integration oder Re­struk­tu­rie­rungen, ebenso wie Change-Management-Prozesse oder komplexe IT-Projekte.

Gutes Interimmanagement zeichnet sich durch folgende Stärken aus:

  • Schnelle Verfügbarkeit: Auswahl- und Be­set­zungs­pro­zesse dauern in der Regel nur ein bis zwei Wochen
  • Erfahrung: Branchen-, situations- und an­for­de­rungs­spe­zi­fische Umsetzungserfahrung, Fach- und Managementexpertise je nach Bedarf des Auf­trag­ge­bers werden im Kandidatenprofil abgebildet
  • Zielorientierung: Der Interimmanager verfolgt keine Partialinteressen oder persönliche Kar­riere­ziele beim Auftraggeber, sondern konzentriert sich auf eine erfolgreiche Auf­trags­er­fül­lung
  • Kostentransparenz: Die Kosten des extern bezogenen, temporären Einsatzes sind präzise kalkulierbar. Nebenkosten eines Ar­beits­ver­hält­nisses wie Sozialabgaben, Dienstwagen etc. fallen nicht an
  • Leadership: Ein Interimmanager kann Menschen motivieren, mit Stakeholdern auf Augenhöhe kommunizieren und Machbares in kurzer Zeit realisieren

Im Gegensatz zu Unternehmensberatern lassen sich Interimmanager am Umsetzungserfolg messen.

In Abhängigkeit von der Auf­ga­ben­stel­lung dauern Interimmandate zwischen sieben und 16 Monaten. In sehr kom­ple­xen Projekten werden Interimmanager auch mehr als zwei Jahre gebunden. In der Regel sind sie zwischen 40 und 60 Jahre alt und haben min­des­tens zehn Jahre Führungserfahrung in Unternehmen gesammelt, bevor sie in die Selbstständigkeit wechseln. Da sie an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Unternehmen unter hohem Erwartungsdruck arbeiten, müssen sie Flexibilität, Belastbarkeit und besondere soziale Fähigkeiten mitbringen. Meist verfügen sie über Erfahrungen in der Bewältigung nicht alltäglicher Probleme. Anders als Unter­neh­mens­berater, die strategische Konzepte entwickeln, aber nicht für die Umsetzung sorgen, lassen sich Interimmanager am Umsetzungserfolg messen.
Die Vertragsgestaltung und tatsächliche Gestaltung des Einsatzes eines Interimmanagers muss be­stimm­ten rechtlichen Anforderungen genügen. Rechtliche Risiken entstehen nur dann, wenn eine sogenannte Scheinselbstständigkeit angenommen werden kann oder wenn mit einem Dienst- beziehungsweise Werkvertrag eine Arbeitnehmerüberlassung im Sinne des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setzes (AÜG) verdeckt wird. Eine Schein­selbst­stän­dig­keit liegt vor, wenn eine erwerbstätige Person als selbstständiger Unternehmer auftritt, obwohl sie von der Art ihrer Tätigkeit her zu den abhängig Beschäftigten zählt. Weisungsabhängigkeit und Einbindung ins operative Tagesgeschäft können als Indizien für eine abhängige Beschäftigung gewertet werden. Für eine Selbst­stän­dig­keit spricht da­ge­gen, wenn die eingesetzte Person bereits für mehrere Auftraggeber tätig war und parallel zum gegenwärtigen Einsatz weiterhin werbend als Selbst­stän­di­ger am Markt auftritt. Es sollte sich um projekthafte Aufgaben handeln, für die das Spezialwissen eines In­te­rim­ma­nagers in einem überschaubaren Zeitraum benötigt wird. Die An­nah­me von Wei­sungs­ab­hän­gig­keit und Ein­bin­dung ins operative Tagesgeschäft ist bei dem Einsatz eines Interim­managers auf der ersten oder zweiten Führungsebene eines Unternehmens aus­zu­schließen. Vergleichbare Tätigkeiten wird es auf diesen Ebenen nicht geben. Auch scheidet hier die Annahme von Zeitarbeit im Sinne einer ANÜ aus.

Fazit

Werden beim Einsatz von Interimmanagern die von Gesetzgeber und Rechtsprechung auf­ge­stell­ten Abgrenzungskriterien beachtet und die dies­be­züg­lichen Gestaltungshinweise beherzigt, kommen die Vorteile des Instruments ohne Einschränkung zum Tragen. Dafür ist es ratsam, eine professionelle Vermittlungsagentur (Provider) zu nutzen. Aufgrund der zunehmend komplexeren und weniger planbaren Unternehmensrealität in volatilen Märkten sowie den Anforderungen der digitalen Transformation sind kurzfristig verfügbare Experten mit einem im Unter­nehmen nicht vorhandenen Erfahrungswissen eine effiziente Unterstützung des vor­han­de­nen Manage­ments

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