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Kanzleipartnerschaften

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Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship – und auch Steuer­be­rater sind ungern allein: Knapp 13 Prozent aller Kanz­leien be­vor­zugen die Part­ner­schaft statt der Einzel­selbst­stän­dig­keit. Ge­mein­sam ist man stark. In einer Part­ner­schaft lassen sich die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben einer Kanzlei leichter lösen.

Steigende Mandantenanforderungen, flexiblere Aufgaben­verteilung, die Zukunftssicherheit der Kanzlei sowie die Stärkung der Marktposition oder neue Marktpotenziale optimal bearbeiten können: Die Gründe, eine Kanzleipartnerschaft einzugehen, sind vielfältig. Wer als Steuerberater allein bleibt, muss schon ein leidenschaftlicher Einzelkämpfer und echter Tausendsassa sein, um den heutigen Anforderungen umfassend gerecht zu werden. Längst reicht es nicht mehr, fachlich auf dem Laufenden zu bleiben. Die Mandanten erwarten ein möglichst breites Leistungs- sowie Beratungsportfolio, und auch intern kommen vermehrt Themen wie Personalführung, EDV, Marketing und Vertrieb sowie die steigenden Di­gi­ta­li­sie­rungs­an­for­de­rungen dazu.
Genau das waren auch die Überlegungen, die vor 20 Jahren in der Münsteraner Kanzlei Hennemann angestellt wurden, erinnert sich Steuerberater und Partner Ingo Henne­mann: „Keiner unserer Partner hätte ein Einzelunternehmen führen wollen, da dies aufgrund der gestiegenen Anforderungen an den Beruf des Steuerberaters sowie an die Abwicklung von Urlaubs- und Arbeitszeiten sowie Mit­ar­bei­ter­be­treu­ung zu umfangreich wäre,“ schildert der Sohn des Kanzleigründers, Ingo Henne­mann, weiter. „Das Partnerschaftsmodell in Form einer Steuer­be­ra­ter­so­zie­tät war daher perfekt für uns.“

Licht und Schatten

Die einzelnen Partner können sich ein breiteres Fachwissen aneignen und auf ihre Spezialgebiete konzentrieren.

Einer der Hauptgründe für das Miteinander: „Die einzelnen Partner können sich ein breiteres Fach­wissen aneignen und sich auf ihre Spezialgebiete konzentrieren“, erläutert Ingo Henne­mann. Denn von der Spezialisierung profitieren dann nicht nur die Mandanten durch ein breites Beratungsangebot und ein fundiertes Spezialwissen, sondern auch die Kanzleikollegen, die auf ein großes kollegiales Expertentum zurückgreifen und sich selbst gezielt zu bestimmten Themen weiterbilden können.
„Durch die Partnerschaft gewinnen wir mehr Mandate und decken ein breiteres Arbeits- und Wissensfeld ab. Durch junge Partner werden auch die Anbindung an die junge Generation und eventuell neue Fragen im technischen Bereich sichergestellt“, bestätigt er sein Kanzlei­modell. „Wir können viele or­ga­ni­sa­to­rische Aufgaben auf unterschiedliche Partner verteilen. In Urlaubszeiten ist eine Vertretung und steuerliche Beratung jederzeit uneingeschränkt für die Mandanten möglich.“ Dem einen Kollegen wurde die Leidenschaft für die fachliche Beratung in die Wiege gelegt, der andere ist eigentlich eher Unternehmer und interessiert sich für Kanzleiführung, Marketing oder Akquise. Das Partnerschaftsmodell ermöglicht den Beteiligten weitestgehend, sich auf das zu konzentrieren, was sie am liebsten machen und wofür sie auch die größten Kompetenzen mitbringen.
Die Kanzlei Hennemann begegnet einer weiteren Herausforderung des 21. Jahrhunderts in einem starken Verband: „Die Digitalisierung des Büros wird derzeit durch alle Partner gemeinsam betrieben.“ Neue technische Herausforderungen sowie das Wissen über den Umgang und deren Wartung gehören ebenfalls zu den Aufgaben, die für Kanzleien immer wichtiger werden. Das Gute an einer Partnerschaft ist, dass man sich nicht nur An­schaf­fungs­kosten, sondern auch das Wissen um den Umgang sowie die Weiterentwicklung teilen kann.
Wie in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist es auch in puncto Kanzleipartnerschaft ent­schei­dend, den Richtigen zu finden (und das ist bekanntermaßen gar nicht mal so einfach). Den Partner also, auf den man sich verlassen und dem man vertrauen kann. Die Chemie und die gemeinsamen Kanzleiziele sowie deren -strategie sollten stimmen. Schließlich muss man sich in essenziellen Punkten wie Führungsstil und -grundsätzen einig sein, um eine einheitliche Führungsspitze in der Kanzlei zu bilden. Auch die Kanzlei Hennemann geht gezielt vor: „Durch die langjährige Beschäftigung der Partner vor der Ernennung wusste jeder, worauf er sich einließ, denn man kannte sowohl die Struktur des Büros als auch die persönlichen Eigenarten. So war von Anfang an klar, mit welchen Persönlichkeiten und welchen Erwartungen man an die Partnerschaft herangeht.“
Haben alle den gleichen Veränderungswillen, verfolgen die gleichen Ziele und haben ein klares Bild der Aufgaben- und Rollenverteilung? Fragen, die es zu stellen und gemeinsam zu be­ant­wor­ten gilt.
Was aber, wenn doch mal einer geht? Scheiden tut weh, aber wenigstens sind die Rahmen­be­din­gungen klar: „Der Austritt von Partnern ist ge­sell­schafts­recht­lich geregelt. Die Kün­di­gungs­fristen betragen ein Jahr zum Jahresende“, erklärt Ingo Hennemann. Ein detaillierter Gesellschaftsvertrag sollte daher die Grundlage einer jeden geschäftlichen Partnerschaft sein. Im optimalen Fall beinhaltet dieser bereits eine Kanzleibewertung und den Umgang mit den Anteilen im Erbfall sowie bei freiwilligem Ausscheiden.

Wer kriegt wie viel?

Geld: alles schön und gut; aber am Ende hat sich auch die harmonischste und beste Kanzlei­part­ner­schaft einem gemeinsamen, zentralen Ziel ver­schrie­ben, nämlich der Er­wirt­schaf­tung von Gewinn und dessen fairer Verteilung. Klassischerweise ­werden die Umsätze der Partner diesen jeweils zugeordnet und nur die Gemeinkosten aufgeteilt. In Profitcenter-Gesellschaften erfolgt die Verteilung überwiegend nach dem Gewinn, den der einzelne Partner in seinem Profitcenter erzielt hat.
Kleinere Partnerschaften verteilen den Gesamtgewinn in der Regel gleichmäßig auf die Zahl der Mitarbeiter. Arbeitszeit- und Urlaub: Willst du gelten, mach dich selten – das Gegenteil ist der Fall, denn bis heute zählt in zahlreichen Kanzleien die Jahresarbeitszeit als wichtiger Erfolgsfaktor für den erzielten Umsatz. Häufig wird er sogar in der Gewinnverteilung be­rück­sich­tigt. Viel hilft viel, lautet die Devise. Umso ent­schei­den­der ist es also, sich auf eine gemeinsame Arbeitszeiten- und Urlaubsregelung zu einigen und auch langfristige Ausfälle durch Krankheiten oder beispielsweise Elternzeit zu berücksichtigen.

PARTNERSCHAFTSKONZEPTE

  1. Das Profitcenter

    Hier werden Arbeitsmittel, Räum­lich­keiten oder Technik gemeinsam genutzt – aber jeder Partner ist eigenständig und erzielt seinen eigenen Umsatz. Die di­rek­ten Kosten trägt jeder Partner selbst und die Gemeinkosten werden aufgeteilt.
  2. One-Firm-Konzept

    Die Kanzlei ist ein Wirt­schafts­unter­nehmen, dessen Bemessungsgrundlage für die Gewinnverteilung der Ge­samt­ge­winn ist. Dadurch stehen in den meisten Fällen eine gemeinsame Vision und das gemeinsame Wachsen im Mittelpunkt. Über­durch­schnitt­liche Leistungen er­hö­hen den Gewinnanteil aller Partner – und umgekehrt.

DIE KANZLEI

Vor 33 Jahren wurde das Steuerbüro Hennemann von Udo Henne­mann gegründet. In November 1998 wurde die Kanzlei umfirmiert in Kanzlei Hennemann Steuer­be­ra­ter­so­zie­tät GbR und Ingo Henne­mann sowie Frank Buchterkirche sind als Partner mit ein­ge­stie­gen. 2007 stieg Astrid Müller als Partnerin mit ein. Sie hatte während ihres Studiums als Aus­hilfe und später als Angestellte bis zum Bestehen der Steuer­be­ra­ter­prü­fung im Büro gearbeitet.

www.stb-hennemann.de

Fotos: stockcam; E+, kamon_saejueng / Getty Images

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