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Kredit für den Papst

Aufstieg und Fall der Banco Medici

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An wen wandte sich ein europäischer Herrscher in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wenn er Geld be­nö­tig­te? Am besten ging er zu einer der Bankiersfamilien aus Florenz.

Die norditalienische Stadt, dem Namen nach eine Republik, tatsächlich aber eine Oligarchie, war ein Bankenzentrum des Spätmittelalters. Dank der Textilproduktion reich geworden besaß sie mit dem goldenen Florin auch noch eine stabile Währung. Als sich aber Eduard III., König von England, 1345 weigerte, den florentinischen Banken seine mittlerweile nicht unerheblichen Schulden zurückzuzahlen, bedeutete dies für seine italienischen Kreditgeber den finanziellen Ruin. Der Kaufmann Vieri di Cambio de’ Medici ergriff dagegen die Chance und stieg ins Kreditgeschäft ein. Damit war der Grundstein für den Aufstieg der Medici zu einer der mächtigsten Dynastien der Renaissance gelegt.

Mangels Konkurrenz nach der Pleitewelle in Florenz lief das Geschäft für den 1323 geborenen Vieri entsprechend gut. Als er sich dann mit etwa 70 Jahren aus dem Geschäft zurückzog, verkaufte er die Anteile an seiner Bank. Einer der Käufer war Vieris Neffe Giovanni di Bicci de’ Medici, der für seinen Onkel die Niederlassung der Bank in Rom geleitet hatte und diese schließlich übernahm. Doch Giovanni hielt es nicht lange in Rom aus. 1397 verlegte er seine Bankgeschäfte von dort nach Florenz: Die Banco Medici war geboren.

Entscheidend für den Fortbestand der Bank war Giovannis Freundschaft zu Baldassare Cossa, dem späteren Papst Johannes XXIII., der heute als so­ge­nannter Gegenpapst geführt wird. Gerüchteweise soll die Banco Medici bereits die Kardinalswahl Cossas mit einem Kredit von 10.000 Florin unterstützt haben. Bald nachdem Cossa 1410 auf den Heiligen Stuhl kam, fungierten die Medici als Bankiers des Papsts – auch unter seinen Nachfolgern. Die Finanzgeschäfte der Kurie wickelte fortan die Niederlassung der Banco Medici in Rom ab. Daneben wurden Kredit- und Wechselgeschäfte getätigt – und in lukrative Ein­nahme­quellen investiert, wie zum Beispiel in das Textilgewerbe. So war die Bank bei etwaigen Zahlungsunfähigkeiten ihrer Kunden besser abgesichert. Als Giovanni 1429 mit 69 Jahren starb, hinterließ er nicht nur ein europaweites Bank­netz­werk, sondern auch Immobilien und ver­schie­de­ne pro­du­zie­rende Betriebe.

Nachfolger Giovannis wurde dessen Sohn Cosimo (il Vecchio/der Ältere). Cosimo hatte eine umfangreiche Bildung genossen und verfügte über enge Kontakte zur päpstlichen Kurie. Zudem mit guter Men­schen­kennt­nis versehen baute Cosimo die Banco Medici zu einer Art europäischem Handels- und Finanzkonzern aus. Neben den bereits existierenden Nieder­las­sungen in Florenz, Neapel, Rom und Venedig eröffnete er Filialen in Avignon, Brügge, London, Lyon, Mailand und Pisa. Ebenfalls neu: Jede Niederlassung funktionierte als eigenständige Gesellschaft. Sollte eine Niederlassung Verluste machen, war nur sie haftbar, jedoch nicht die Medici oder die Zentrale in Florenz. Die Filialleiter wurden an ihren Filialen beteiligt. So stellte Cosimo sicher, dass die jeweiligen Filialleiter im Sinne der Bank handelten. Sie mussten außerdem ihre Bilanzen regelmäßig nach Florenz in die Villa Medici übermitteln. Zusätzlich zu den Geschäftsbriefen schrieben sie Lettere private und informierten so Cosimo über private, wirt­schaft­liche und politische Vorgänge in ihrem Gebiet. Er selbst kümmerte sich weniger um das Tagesgeschäft als um strategische Entscheidungen, Kreditlimits und vor ­allem um den Kundenkontakt zu Adel und Kirche. Dabei konnte die ein oder andere Hinter­grund­in­for­ma­tion durchaus nützlich sein.
Cosimos Reichtum und der der Medici-Familie wuchsen parallel mit der Banco Medici, dem­ent­sprechend stiegen auch Macht und Einfluss. Das Geld floss in die Schatullen von Königen und Päpsten, Fürsten und Kardinälen, Bürgern und Künstlern – und gegebenenfalls in die der jewei­ligen Gegner. Die Medici waren dadurch unangreifbar in Florenz. Allerdings regte sich bei einigen alten florentinischen Adelsfamilien Widerstand gegen diese Vormachtstellung. 1433 gelang es ihnen dann tatsächlich, die Verbannung Cosimos nach Venedig durchzusetzen. Doch dieser konnte sein Vermögen retten und die Zentrale der Bank in die Lagunenstadt verlegen. Ohne die Medici-Bank kollabierte die Wirtschaft in Florenz und bereits nach einem Jahr kehrte Cosimo triumphierend in seine Heimatstadt zurück. Von da an blieb er bis zu seinem Tod 1464 der inoffizielle Machthaber von Florenz.

Cosimos Sohn Piero konnte Position und Macht des Vaters nicht erreichen – er starb bereits fünf Jahre nach ihm. Pieros 20-jähriger Sohn Lorenzo (il Magnifico/der Prächtige) übernahm daraufhin die Leitung des Kreditinstituts. Lorenzo war zwar gebildet, besaß jedoch keinerlei kaufmännische Ausbildung oder Erfahrung. Dafür trat er als äußerst freigiebiger Mäzen in Erscheinung. Doch nach einem Attentat auf ihn und seinen Bruder im Jahr 1478 fiel sein folgender Rachefeldzug dermaßen brutal aus, dass das Image der Banco Medici schwer beschädigt wurde und die Niederlassungen in Mailand und Brügge geschlossen werden mussten. Um seine astronomisch hohen Privatkosten zu decken, griff er außerdem in die Firmenkasse. Auch sonst waren die politischen Umstände ungünstig, die Bank und ihre Niederlassungen machten Verlust. Zusätzlich sorgten Streitigkeiten mit Papst Sixtus IV. dafür, dass dieser sich einen anderen Bankier suchte. Schon 1470 hatte König Eduard IV. seine Schulden nicht begleichen können, was zum Bankrott der Londoner Medici-Dependance beitrug. Als dann 13 Jahre später der französische König Ludwig XI. verstarb und seine Höflinge ihre Einlagen in der Medici-Bank zurück­for­der­ten, war der Ruin des Bankhauses nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Tod il Magnificos 1492 und der Vertreibung der Medici aus Florenz 1494 endete die Banco Medici endgültig.

Für die Medici bedeutete das Aus der Bank jedoch noch nicht das Ende. Sie verstanden es weiterhin, Geld, Macht und Einfluss geschickt für sich auszunutzen. Erst als 1737 der letzte männliche Vertreter kinderlos starb, endete die Dynastie.

Fotos: efired  / Getty Images

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