Kanzleimanagement |

Netzwerk für den Berufsstand

Social Media

0Kommentare

Seit neun Jahren ver­netzen sich DATEV-Mit­glieder in der XING-Gruppe DATEV ver­bindet. Von diesem Er­fah­rungs­aus­tausch unter Kol­le­gen pro­fi­tie­ren alle Grup­pen­mit­glieder. Bei einem Gespräch erklären die drei Mo­de­ra­toren der Gruppe, welche Themen den Mit­gliedern unter den Nägeln brennen, und ver­raten, was sie so richtig nervt.

DATEV magazin: Seit vier Jahren moderieren Sie die XING-Gruppe DATEV verbindet. Wie sieht der Job als Moderator aus?

WOLFRAM JASCHKE: Unser Job ist es, neue Themen einzubringen und Diskussionen aus der Community zu moderieren. Manchmal müssen wir eingreifen, wenn einzelne Teilnehmer bei Mei­nungs­ver­schie­den­heiten die sachliche Ebene verlassen und persönlich werden. Aber klar ist auch: Unsere Hauptaufgabe ist es, die Gruppe am Laufen zu halten. Das gelingt uns übrigens dann am besten, wenn wir den Gruppen­mit­gliedern Mehrwerte liefern, sei es durch gegen­sei­tige Hilfe oder den Austausch von Know-how.

Die Diskussionen zur Plattformstrategie und Satzungsänderung der DATEV ab Ende 2017 sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Warum?

SVEN OTT: Zuerst einmal war diese Diskussion mit über 300 Kommentaren und einer Reichweite von 15.000 Aufrufen eine der größten, die wir in der Gruppe hatten. Zudem sind bei dem Thema die Emotionen hochgekocht. Hier wurden Ent­täu­schun­gen genauso diskutiert wie die Erwartungen der Mitglieder an die Genossenschaft. Sehr kontrovers, sehr ausführlich, sehr kenntnisreich und sehr leidenschaftlich – das hat Spaß gemacht.

Welche Themen werden in der Gruppe am besten wahrgenommen und welche nicht so gut?

SVEN OTT: Abstrakte Themen, die für den einzelnen Kollegen noch etwas weiter in der Zukunft liegen, laufen schleppend. Das Gleiche gilt für Themen, die individuelle Sachverhalte betreffen, in die man sich reindenken und -arbeiten muss. Da kann es sein, dass es mal gar kein Feedback gibt.

EVELYN OETTINGER: Ich finde, am besten gehen diese Lieschen-Müller-Themen.

Und das wären?

EVELYN OETTINGER: Boulevardthemen. Tatsächlich laufen Zukunftsthemen, wie etwa der digitale Finanzbericht, die Sven Ott öfter anspricht, nicht so gut wie bunte Themen. Das liegt daran, dass viele Kanzleiinhaber lieber aktuelle Fragen besprechen oder konkrete Lösungen suchen, als Probleme zu analysieren, die in der Zukunft auf sie zukommen könnten. Und: Unternehmen online geht auch immer. Da halten sich Kritik und Zuspruch dann oft die Waage.

WOLFRAM JASCHKE: Es sind darüber hinaus logischerweise auch oft die Fragen, die keiner großen Recherche oder Überlegung bedürfen. Themen, zu denen man einfach seine Meinung sagen kann oder zu denen jeder aufgrund seines Erfahrungsschatzes etwas beitragen kann, ohne dabei allzu tief ins Fachliche einsteigen zu müssen.

Wie hat sich die Gruppe in den letzten Jahren entwickelt?

WOLFRAM JASCHKE: Die Gruppe hat sich hervorragend entwickelt. Während die meisten Gruppen bei XING eher stagnieren, konnten wir die Aktivität unserer Gruppe deutlich steigern. Mit dem Wechsel bei den Moderatoren im Jahr 2015 hat DATEV auch zugelassen, dass wir die Ausrichtung der Gruppe etwas verändert haben. Wir haben die Berufsträger wieder stärker in den Fokus genommen und tatsächlich einigen Gruppenmitgliedern, die in der Gruppe falsch waren, den Austritt nahegelegt. Außerdem haben wir uns noch mehr auf den Austausch innerhalb der Kollegenschaft konzentriert. Und das Feedback, das wir einmal im Jahr erbitten, zeigt uns, dass wir damit scheinbar den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Welche Themen werden den Berufsstand 2019 beschäftigen?

EVELYN OETTINGER: Es werden die gleichen wie im vergangenen Jahr sein: Kasse, Digitalisierung, Ver­fah­rens­do­ku­men­ta­­tion, Mitarbeiterakquise, Prozess­be­ra­tung und Beratung im Allgemeinen.

SVEN OTT: Die neue Version der GoBD, GoBD 2.0, wird ein großes Thema werden. Des Weiteren auf jeden Fall der sich immer schneller abzeichnende Wandel im Berufsstand und die damit verbundenen Ängste der Mitarbeiter.

Sind bei DATEV verbindet sogenannte Influencer aktiv, die auch über die Gruppe hinaus Einfluss auf den Berufsstand haben?

SVEN OTT: Ich glaube, dass wir uns mit der Gruppe in einer sehr homogenen Community befinden, die sich fast schon in einer Art eigener XING-Blase bewegt.

WOLFRAM JASCHKE: Wenn wir uns im realen Leben so umschauen, dann sind die Kollegen und Kol­le­gin­nen dort nicht alle so fortschrittlich wie diejenigen in der Gruppe. Das betrifft die Di­gi­ta­li­sie­rung all­ge­mein, die Nutzung von Unternehmen online oder andere Zukunftsthemen. Insofern sind vielleicht weniger die Influencer in der Gruppe aktiv als mehr die Early Adopter.

Was sind Ihre Ziele für die Gruppe im nächsten Jahr?

SVEN OTT: Die Gruppe wie bisher mit spannenden Themen am Laufen halten – es funktioniert ja auch prima, das haben die letzten paar Jahre gezeigt. Wir wollen den Gruppenmitgliedern einen Mehrwert liefern, neue Teilnehmer positiv aufnehmen. Wir möchten im Bereich Kanzleiorganisation vorne dabei bleiben und natürlich die DATEV-Themen in die Gruppe tragen.

EVELYN OETTINGER: Die Situation kleinerer Kanzleien wird dabei eine große Rolle spielen. DMS sicher auch, und ich denke, es sind viele gespannt, wie es mit dem Anbahnungsportal weitergehen wird. Ich persönlich freue mich sehr auf Meine Steuern und denke, das wird auch viel Anregung zur Diskussion bieten.

Was finden Sie effektiver: analoges oder Online-Netzwerken?

EVELYN OETTINGER: Beides ist wichtig. Ein Netzwerk, mit dem du dich wirklich regelmäßig persönlich triffst, erzeugt natürlich eine größere Verbindlichkeit. Deshalb ist dieses persönliche Sehen meines Erachtens extrem wichtig. Bei einer Community mit 3.700 Menschen muss man das natürlich haupt­säch­lich virtuell organisieren.

WOLFRAM JASCHKE: Für kanzleiinterne Themen finde ich tatsächlich das Online-Netzwerk besser, weil die regionale Verknüpfung fehlt. Diese Anonymität wiederum sorgt für eine größere Offenheit genauso wie die fehlende Konkurrenz, die in einem begrenzten regionalen Umfeld viel größer ist. Aber natürlich ist ein persönliches Netzwerk auch wichtig.

In solch einer Gruppe wird auch viel geschimpft und Dampf abgelassen. Ist es schwierig sich immer konstruktiv mit der vorgebrachten Kritik auseinanderzusetzen oder anders gefragt: Sind Sie manchmal genervt von einzelnen Teilnehmern?

EVELYN OETTINGER: Ja, das geht uns allen so. Doch oft geht es um die Erreichbarkeit im Service. Da kann ich den Ärger auch teilweise verstehen. Ich finde, man muss bedenken, wie es anderswo ist: Da gibt es oft gar keine Menschen mehr an den Hotlines. Den neuen Servicekontakt finde ich übrigens ziemlich gut, denn dorthin wird die Reise gehen: Am Ende des Tags kann man Anfragen mithilfe diverser Selbst­lern­medien selber beantworten.

SVEN OTT: Bei mir kommt es auf die Art der Kritik an. Wenn jemand den Finger richtig in die Wunde legt, habe ich damit überhaupt kein Problem und lasse es auch mal so stehen. Wenn manche Schreiber dieselbe Kritik in jedem Beitrag immer wieder bringen, obwohl wir das schon mehrfach besprochen haben, dann nervt es. Aber ich sage mal so: Konstruktive Kritik finde ich gut, und die muss auch möglich sein.

UNSERE GESPRÄCHSPARTNER

 
 
 
EVELYN OETTINGER

Steuerberaterin mit eigener Kanzlei, zehn Mitarbeiter, Haan, Rheinland

 
 
 
 
 

 
 
 
WOLFRAM JASCHKE

Steuerberater, PAARTAL-Treuhand-GmbH, Steuerberatungsgesellschaft Aichach

 
 
 
 
 

 
 
 
SVEN OTT

Steuerberater, Certified Rating Analyst (BdRA), Kanzlei RUF UND SCHLENKER, Emmendingen

 
 
 

Einen neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.