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Faxen mit Risiko

Kanzleipraxis

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Aufgrund einer tech­no­lo­gischen Umstellung ändert sich die Welt des Fax­ver­sands. Durch neue Über­tra­gungs­wege könnten Faxe zukünftig un­voll­ständig oder gar nicht beim Adres­saten an­kommen. DATEV wird Faxe deshalb ab­schalten und bereitet Alter­nativen vor.

Faxgeräte wehren sich heftig gegen die Konkurrenz: E-Mail und Cloud-basierte Kom­mu­ni­ka­tions­kanäle haben Faxgeräten den Rang als geschäftlicher Kommunikationskanal Nummer eins abgelaufen. Dennoch ist das Fax längst noch nicht ausgestorben: Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 nutzt immer noch jeder fünfte deutsche Erwerbstätige Faxe für geschäftliche Kommunikationsprozesse. Dieser Umstand ist unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass viele Behörden bis heute keine zeitgemäßen Alternativen umsetzen konnten. So akzeptieren die meisten Finanzverwaltungen bislang keine verschlüsselten E-Mails.
Die Technologie, die hinter einem Faxversand steckt, ändert sich allerdings – dieser Wandel betrifft auch Kanzleien. Bislang wurden Faxe via ISDN-Technologie verschickt. Die Deutsche Telekom wie auch alle anderen Telekommunikations-Provider stellen nach und nach die Anschlüsse von ISDN auf All-IP um. Bei den meisten Anwendern erfolgte die Umstellung spätestens seit dem Jahres­wechsel. Für den Fax­ver­sand hat diese Umstellung erhebliche Aus­wir­kungen.

Aus einer konstanten Verbindung werden viele kleine ­Pakete

Bei der alten ISDN-Technologie wurden alle In­for­ma­tionen des Fax kontinuierlich auf einem zuvor definierten konstanten Übertragungsweg zum Empfänger übermittelt. Bei der neuen All-IP-Tech­no­logie allerdings werden alle Informationen des Fax in verschiedene Pakete gepackt, die unterschiedliche Wege zum Empfänger nehmen. Für den Empfänger heißt das: Informationen können verloren gehen, sodass ein Fax nur unvollständig bei ihm ankommt oder die Übertragung ganz abbricht. Die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Fehler auftritt, steigt mit der Anzahl der über­tra­ge­nen Seiten beziehungsweise mit der Dauer der Verbindung immer weiter an.

Wie geht’s weiter mit dem Fax?

Die großen Provider, die mit ihren Maßnahmen den Kommunikationskanal Fax noch weiter zurück­drän­gen, sprechen davon, dass eine Übertragung von weniger als fünf Seiten innerhalb des Provider-Netzes unproblematisch sein sollte. Für eine Übertragung von mehr als fünf Seiten könnten Probleme also vorprogrammiert sein. Sollten Sender und Empfänger nicht denselben Provider nutzen (der eine also zum Beispiel Telekom, der andere Vodafone), gilt eine fehlerfreie Übertragung auch bei weniger als fünf Seiten als un­wahr­schein­lich. Die Kommunikation via Fax wird also über kurz oder lang zu einem technischen Vabanquespiel. Zwar gibt es auch tech­no­lo­gische Möglichkeiten, die Übertragung zu verbessern, so zum Beispiel die Aufrüstung auf ein Faxgerät mit dem sogenannten T.38-Proto­koll­stand­ard. Eine Restunsicherheit bleibt allerdings bestehen; auch weil der Sender nicht weiß, ob der Empfänger ebenso über diesen verbesserten T.38-Standard verfügt.

Provider und Datenschützer empfehlen unter anderem mit Verweis auf mögliche Verstöße gegen § 203 Strafgesetzbuch (StGB) Verletzung von Privat­ge­heim­nis­sen dringend, für den geschäftlichen Kommunikationsverkehr rechtssichere Alternativen zum Fax zu suchen. Auch DATEV ist von der Um­stel­lung betroffen. Aus diesem Grund musste DATEVnet Fax zum 30. September 2019 bereits abgekündigt werden. Als Großkunde der Deutschen Telekom hat die Genossenschaft zwar noch bis Ende 2019 Zugriff auf die alte ISDN-Technologie. Danach muss und wird DATEV aus der Fax-Technologie endgültig aussteigen. Bereits seit einigen Monaten beschäftigt sich die Ge­nos­sen­schaft mit zeitgemäßen und sicheren alternativen Kommunikationswegen und wird ihre Mitglieder im Frühjahr darüber informieren.

Fotos: chereshneva, ONYXprj, Iryna Sklepovych / Getty Images

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