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Expedition Zukunft

Zukunftsstudie

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Werden Systeme künst­licher In­tel­li­genz dem mensch­lichen Experten in fach­lichen Belangen der Steuer­be­ra­tung und Wirt­schafts­prü­fung über kurz oder lang über­legen sein? Ein Zukunfts­forscher prog­nos­ti­ziert die Ent­wick­lung des Berufs­stands im Kontext der Digi­ta­li­sie­rung.

Die Analyse zeigt es mehr als deutlich: Steuerberater und Wirtschaftsprüfer teilen das Schicksal zahlreicher Experten, deren Status, Selbstbild und Geschäfts­modell auf Wissen beruhen, Wissen von hoher Qualität und Komplexität. Gerade dort, wo die Wissens­menge groß ist und weiterwächst, gerade dort, wo es zu den zentralen Anforderungen an Experten gehört, komplexe Regeln und Wissens­be­stände auf Einzelfälle anzuwenden, Daten zu sortieren und zu interpretieren, gerade dort trifft der digitale Wandel oft unerwartet, aber schmerzhaft. Die finanzielle und bilanzielle Situation eines Unter­nehmens mit Blick auf die Vorgaben nationaler und in­ter­na­tio­na­ler Steuer­sys­teme zu kontrollieren und zu optimieren, ist ein geradezu klassischer An­wen­dungs­fall für selbst­ler­nen­de Systeme künstlicher Intelligenz. Und während die Kapazität des Menschen begrenzt bleibt, wächst die Leistungsfähigkeit von Algorithmen stetig, genauer: Sie nimmt mit steigendem Tempo zu, sie wächst exponentiell. Beim Blick ins kommende Jahrzehnt sind wir daher klug beraten, davon auszugehen, dass Systeme künstlicher Intelligenz menschlichen Experten in nahezu allen fachlichen Belangen der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung überlegen sein werden.

Von regulatorischen Faktoren getrieben

Die Analyse zeigt ebenfalls deutlich: Das Feld der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung wird zusätzlich von regulatorischen Faktoren getrieben. Im Unterschied zu Branchen wie dem Bau oder der Gesundheitswirtschaft zählt die Steuerberatung zu den Gebieten, in denen wachsende Regulatorik ein zusätzlicher Faktor der Beschleunigung sein wird. Die klassische Steuerberatung bewegt sich zwischen der Automatisierung von Abrechnungs- und Dar­le­gungs­pro­zessen gegenüber Behörden einerseits und der zunehmenden Algo­rith­mi­sie­rung von Unter­neh­mens­pro­zes­sen auf der anderen Seite. Wer heute davon ausgeht, in wenigen Jahren die familiäre Beratung übernehmen zu können, oder einen Karrierepfad in den großen Häusern anstrebt, sollte sich heute die Tragweite dieser Entwicklungen verdeutlichen. Der Wandel in den kommenden zehn Jahren ist grundlegend, ebenso grundlegend ist die Chance für denjenigen, der diese Veränderungen als Chance begreift, die eigene Rolle und das eigene Geschäftsmodell neu zu entwickeln. Nähern wir uns dem Wandel Schritt für Schritt. Die Basisempfehlung an alle Berater lautet: Machen Sie Ihre internen Prozesse anschlussfähig. Setzen Sie nicht darauf, dass Ihre Kunden sich Ihren Kommunikationsanforderungen und IT-Standards anpassen. Sorgen Sie vielmehr dafür, dass Sie selbst technologisch flexibel sind. Setzen Sie konsequent auf digitale Prozesse und beginnen Sie damit, diese heute umzusetzen, damit Wissen und Erfahrung in Ihren Teams aufgebaut werden. Das gibt Ihnen Zeit, gemeinsam mit den technologisch auf­ge­schlos­se­ne­ren Unternehmen zu testen, welchen Mehrwert Sie auf diese Weise stiften können. Stellen Sie Ihre internen Prozesse entsprechend um.

Kundengruppen des digitalen Zeitalters

Ein nächster Schritt führt zu einer Betrachtung des Markts für Steuerberater und Wirt­schafts­prüfer. Die Kunden­grup­pen des digitalen Zeitalters gliedern sich auf eine neue Weise. Das Standardsegment schrumpft, die Segmente der Economy wachsen ebenso wie die der Premiumkunden. Beide folgen allerdings unterschiedlichen Logiken und bieten daher auch verschiedene Grundlagen für lohnende Geschäftsmodelle. Während die Economy-Kunden der Zukunft Preis und individuell passende Leistung gegeneinander abwägen und sich durch ihre digitale Durchdringung und das Proaktivitäts-Level voneinander unterscheiden, ist der Premiumkunde der Zukunft darauf ausgerichtet, mittels seiner Entscheidungen für Produkte und Anbieter seine Identität auszudrücken und zu entwickeln. Dieses neue Premium ist ein lukratives Feld gerade mit Blick auf die Zukunft. Es braucht allerdings gute Antworten auf neue Fragen: Welche Identität bietet der Steuerberater der Zukunft seinen Kunden an? Aus welchem Grund sollte der örtliche Mittelständler auf seinem Briefkopf vermerken, welche Steuerberatung er nutzt? Unterstreicht dies seine Modernität, seine Effizienz, seine Smartness, seine regionale Verwurzelung? Viele der Herausforderungen der digitalen Transformation führen zu einer Überprüfung der Kommunikation. Wer sich als Steuerberatung zukunftssicher aufstellen will, muss sich hier kritisch hinterfragen: Welche Argumente biete ich hier aktiv an und wie überzeuge ich damit? Künstliche Verknappung kann einen Weg darstellen: Wer in dieser Stadt unternehmerisch dazugehören will, muss einer der 200 Unternehmer sein, die Sie als Klienten aufgenommen haben. Stiften Sie das Unternehmernetzwerk der Zukunft. Ist das Ihr Weg, dann sollten Sie schnellstmöglich einen Community-Manager einstellen. Ein Weg, um die Economy-Kunden der Zukunft erfolgreich zu bedienen: Der Steuerberater wird zum Digitalisierer seiner Kunden. Eine Option, gerade für den kleineren Mittelstand, der zwar entscheidende Schritte der Digitalisierung der eigenen Prozesse und Geschäftsmodelle gehen will, es aber mangels eigener Masse oder Kompetenz alleine nicht vermag. Hier wird die Steuerberatung der Zukunft zum Digitalisierungsentwickler und hält die Systeme künstlicher Intelligenz vor, die die Kunden (noch) nicht haben. Selbstlernende Systeme leben davon, dass sie mit einer gewissen Fallzahl trainiert werden.

Unternehmen in einem Netz­werk verbinden

Eine Rolle für Steuer­be­rater und Wirtschaftsprüfer der Zukunft ist es, Unternehmen, die an sich zu klein sind, in einem Netzwerk zu verbinden, das gemeinsam groß genug wird. Nutzen Sie Ihren Vertrauensvorschuss, den Sie heute haben, um Unternehmen davon zu überzeugen, ihre eigenen Daten in ein solches Netzwerk einzubinden. Dies kann auch eine zukunftssichere Form der regionalen Wirtschaftsförderung sein. Es ist nahezu unnötig zu erwähnen: Ein solcher Wandel benötigt vollständig andere Kompetenzen in den Organisationen der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Auch die Partner und Ansprechpartner in den Kun­den­unter­nehmen sind andere; sie messen die Zufriedenheit mit Ihrer Dienstleistung an ganz anderen Maßstäben. Wer sich heute darauf einstellt, kann einen entscheidenden Vorteil gewinnen. Gründen Sie einen Kundenrat und diskutieren Sie sehr offen: Für welche Leistung möchten Ihre Kunden in Zukunft bezahlen? Für IT-Beratung nach Tagessätzen? Für Einzel­ge­spräche mit dem Senior, abgerechnet nach Stunden? Für Tickets der exklusiven Impulsveranstaltung? Für Lizenzgebühren für die Nutzung der künstlichen Intelligenz?
Der Experte selbst entwickelt sich darüber vielfach zum Coach seiner Kunden. Auch dies setzt ein belastbares Vertrauensverhältnis voraus. Wer heute davon überzeugt ist, ein solches Vertrauensverhältnis zu haben, umso besser: Dann nutzen Sie dieses Vertrauen und steigen in einen kontinuierlichen Dialog darüber ein, was Ihre Kunden tatsächlich wollen. Unterstützen Sie sie dabei, Systeme einzuführen, die Ihre klassischen steuer­be­ra­ten­den Dienstleistungen überflüssig machen. Über kurz oder lang führen Ihre Kunden ohnehin solche Systeme ein. Die Frage ist nicht: Ob oder ob nicht? Die Frage ist: Erfahren Ihre Kunden in einem solchen Prozess Ihren Steuerberater als Bremser und Mahner – oder als Partner, Begleiter und Impulsgeber? Dann haben Sie auch in der digitalen Zukunft eine Basis, um im Gespräch zu sein und neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

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