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Der Erfinder der Geldwäsche

Steuerhinterziehung

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Al Capone, der wohl be­kann­teste Mafia­boss Amerikas, er­langte durch seine kri­mi­nellen Machen­schaften Reich­tum, Ruhm und Macht. Im Gegen­satz zu anderen Gangs­tern wusste er sich in der Öf­fent­lich­keit zu prä­sen­tieren und gab gerne den ele­gan­ten und cleve­ren Self­made­man. Er­mitt­lungen gegen den „Staats­feind Nummer eins“ blieben lange Zeit erfolg­los – bis sich die Be­hör­den mit Capones Steuer­er­klärung befassten.

Alphonse Gabriel Capone, so sein voller Name, stammte aus einer kinderreichen Familie italienischer Herkunft. Er selbst wurde im Januar 1899 in Brooklyn geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, verdingte er sich als Jugendlicher mit kleineren Jobs. In dieser Zeit schloss er sich auch Jugendbanden an – der Beginn seiner kriminellen Karriere, die ihn 1919 nach Chicago brachte. Dort stieg Capone 1925 zum Mafiaboss auf. In jahrelangen Kämpfen gelang es ihm, seine Vormacht in der Stadt durchzusetzen. Dabei ging er nicht zimperlich vor: Rivalen und gegnerische Banden wurden gnadenlos aus dem Weg geräumt. Blutiger Höhepunkt war die Exekution von sieben Personen am 14. Februar 1929, die als Valentinstag-Massaker in die Geschichtsbücher einging. Sein Geld verdiente Al Capone zunächst vor allem mit Schutzgelderpressung, dann mit Prostitution, Glücksspiel und dem illegalen Verkauf von Alkohol während der Prohibitionszeit. Der Mafiaboss war der Erste, der seinen kriminell erwirtschafteten Gewinn in Waschsalons investierte und dadurch sein Geld reinwusch. Al Capone hatte hierzu einige Salons in Chicago gekauft. Durch die un­über­sicht­lich große Menge an Bargeld, die dort ein­ge­nommen wurde, konnte er seine illegalen Einnahmen in den Umsatz der Wasch­salons einweben. Eine Verschleierungstechnik, die später viele Nachahmer fand.
Den Gesetzeshütern waren die Machenschaften von „Scarface“, wie Capone wegen einer Narbe im Gesicht auch genannt wurde, nicht verborgen geblieben. Es war jedoch schwer, dem clever agierenden Capone etwas nachzuweisen beziehungsweise ihn wegen seiner in Auftrag gegebenen Morde zu belangen. Allerdings ermittelte die Steuerbehörde gegen den Mafiaboss, der sich in Miami ein teures Anwesen gekauft hatte. Capone ließ die dort erworbene Villa aufwendig umbauen und bezahlte die dafür notwendigen Arbeiten auf Rechnung. Ein Novum, denn Capone erledigte seine Geschäfte ansonsten in bar oder via Strohmänner. Als der 1929 gewählte US-Präsident Herbert Hoover den Sturz von „Big Fellow“, ein weiterer Spitzname von Capone, ganz oben auf seine Agenda setzte, erhöhte sich der Druck auf den Finanzminister Andrew Mellon und die Steuerbehörde. Ein weiteres Ermittlungsteam rund um den Agenten Eliot Ness entstand, der Capones Aktivitäten in der Prohibitionszeit unter die Lupe nahm.
Die Schlinge um Capones Hals zog sich durch die umfassenden Ermittlungen immer enger. Beispiel hierfür waren Festnahme und Anklage seines älteren Bruders Ralph „Bottles“ Capone wegen Steuerhinterziehung. Durch einen eingeschleusten Informanten erfuhren die Ermittler außerdem von Rechnungsbüchern, die vor Jahren bei einer Razzia gefunden worden waren, seitdem aber ungenutzt Staub ansetzten. Diese machten die hohen (unversteuerten) Einnahmen von Al Capone nachvollziehbar. Außerdem kamen die Ermittler so auf die Spur zweier ehemaliger Buchhalter, die für den Mafiaboss in Chicago gearbeitet hatten. Beide wurden von der Polizei aufgespürt und zur Zusammenarbeit quasi überredet. Es fanden sich eine Reihe weiterer Informanten, die zur Aussage bereit waren. Am 13. März 1931, zwei Tage vor Ablauf der Verjährungsfrist, erfolgte die Anklage gegen Al Capone wegen Steuerhinterziehung in Höhe von rund 32.500 Dollar. Am 5. Juni wurde die Anklage zugelassen und die Summe auf 200.000 Dollar erhöht.
Als der Prozess im Juni 1931 begann, versuchten Capones Anwälte durch eine Vereinbarung, die ein Schuldbekenntnis beinhaltete, eine hohe Haftstrafe zu verhindern. Statt über 30 Jahre wären es dadurch nur zwei bis fünf Jahre gewesen. Die Staats­an­walt­schaft zeigte sich tatsächlich zu dem Deal bereit, unter anderem aus Angst um das Leben der Zeugen. Richter James Herbert Wilkerson genehmigte dies aber nicht und vertagte den Prozess, sehr zum Missfallen von Capone, der im Vorfeld bereits siegesgewiss aufgetreten war. Kurz vor Wiederaufnahme des Prozesses im Oktober überraschte der Richter erneut: Er tauschte in letzter Minute die Geschworenen aus, die im Vorfeld bestochen worden waren. Damit machte der Richter Capones Plänen abermals einen Strich durch die Rechnung.
Im Verlauf des folgenden Prozesses belasteten einige Zeugen den Angeklagten schwer. Nach ihren Aussagen hatte Al Capone jahrelang keine Steuererklärung ausgefüllt, mit seinen Aktivitäten Unsummen verdient und einen ausschweifenden Lebensstil auf seinem Anwesen in Florida geführt. Am 17. Oktober 1931 fällten die Geschworenen ihr Urteil, das widersprüchlich ausfiel. Sie erklärten Capone nur in einigen der insgesamt 23 Anklage­punkte für schuldig. Dennoch reichte dies Richter Wilkerson aus, um ein Strafmaß von elf Jahren Gefängnis und eine Rekordstrafe in Höhe von 50.000 Dollar samt Verfahrenskosten von 30.000 Dollar festzulegen.
Der einstige »Staatsfeind Nummer eins« büßte im Gefängnis seine Macht ein. Hinzu kam sein sich verschlechternder Gesundheitszustand als Folge einer alten Sy­phi­lis­er­kran­kung. Ein ursprünglich geplantes weiteres Verfahren gegen ihn fand nicht mehr statt. Wegen seiner schlechten Gesundheit und guter Führung wurde Al Capone 1939 früh­zeitig entlassen. Der einstige Gangsterboss zog sich auf sein Anwesen in Miami zurück, wo er 1947 im Kreise seiner Familie verstarb.

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