Titelthema | Die digitale Zukunft gestalten

Argumente, die überzeugen: Sabine Storberg

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Das Steuerbürger-Szenario wird auch in den DATEV-Gremien diskutiert. Die Steuer­be­ra­terin Sabine Storberg koordiniert im Vertreterrat den Ausschuss, der die In­te­res­sen des ­Berufsstands bei dem Thema wahrt. Im Gespräch verrät sie uns, worin die Vorteile einer DATEV-Plattform für ihre Kanzlei in Berlin liegen, und wirbt um mehr Vertrauen für Vertreterrat, Aufsichtsrat und Vorstand.

Sehen Sie Umsatzeinbußen durch Plattformanbieter auf Ihre Kanzlei zukommen?

Sabine Storberg: Das sehe ich derzeit nicht. Jedenfalls wäre das allein nicht der Grund für mich gewesen, einer Satzungsänderung zuzustimmen. Ich finde aber, dass wir für die Zukunft eine solche Plattform brauchen. Denn viele neue Mandate werden über das Internet kommen, und dort müssen wir ihnen dann auch etwas bieten.

Sie sind Inhaberin einer mittleren Kanzlei. Wie positionieren Sie sich, um den künftigen Herausforderungen zu begegnen?

Sabine Storberg: Ich habe mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geredet und ihnen klargemacht, dass wir uns auf die Digitalisierung vorbereiten müssen. Ich habe immer mehr Mandanten, die digital arbeiten wollen, und darauf müssen sich auch die Mitarbeiter einstellen. Vieles wird in Zukunft auto­ma­ti­siert von­stat­ten­gehen.

Einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen begegneten dem Plattformprojekt mit Skepsis. Auch Sie waren zunächst kritisch. Warum?

Sabine Storberg: Da muss ich ein bisschen ausholen. Die Idee kam ja eigentlich aus einem Ausschuss, in dem ich mitarbeite. Vor vier Jahren haben wir uns mal so etwas Ähnliches wie einen Daten-Safe gewünscht, in dem Mandanten alle Belege ablegen und wir sie von dort holen können. Das waren unsere Grundgedanken. Daraus ist dann das Steuerbürger-Szenario erwachsen. Die Satzungsänderung, die dafür nötig ist, hat mich im ersten Moment schon erschüttert.

Worin bestanden Ihre Vorbehalte?

Sabine Storberg: Das waren die Vorbehalte, die viele Kollegen teilten. Warum sollen wir von jetzt auf gleich die gesamte Satzung auf den Kopf stellen? Ist das der Anfang, um am Ende doch etwas Größeres damit ab­zu­decken? Solche Einwände nimmt man wahr, und sie machen einen auch ein wenig nervös.

Können Sie mir ein paar Argumente nennen, die Sie davon überzeugt haben, dass dem nicht so ist?

Sabine Storberg: Zum großen Teil meine eigenen Überlegungen, meine Vorstellung davon, wie ich in Zukunft arbeiten möchte. Wenn ich mir andere Anbieter ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass wir noch ganz andere Projekte realisieren müssen, um als Steuerberater erfolgreich arbeiten zu können. Da haben wir mit einer geänderten Satzung einfach mehr Spielräume, um flexibel reagieren zu können. Wenn ich das allein für den Einkommensteuerbereich betrachte, dann möchte ich solch eine Plattform gerne auf meiner Internetseite anbieten. Ich habe ganz oft Anrufe von Arbeitnehmern, die von mir die Steuererklärung gemacht haben möchten, und ich nehme diese Mandate nicht an, weil ich das als sehr unbefriedigend für die Man­dan­ten ansehe. Ich sage den Leuten: Holen Sie sich WISO. Lieber schicke ich sie aber auf meine Internetseite, wo sie die DATEV-Plattform finden. Dort können sie sehen, wie weit sie ohne meine Unterstützung und Beratung kommen. Bleiben sie stecken, tauschen wir uns aus, machen einen Termin und ich helfe beim Rest. So kann ich auch Mandanten binden.

Sie sagen, Sie koordinieren einen Ausschuss im Vertreterrat? Worin besteht dort Ihre Aufgabe?

Sabine Storberg: Ich bin mit einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen dafür zuständig, die berufsständischen Interessen zu vertreten und einzubringen. Wir beantworten konkrete Fragen der DATEV-Mitarbeiter. Sie wollen wissen, wie wir arbeiten, wie bei uns die Prozesse funktionieren. Bei einer Sache, wie der an­ge­strebten Plattform, würden wir beispielsweise fragen: Wo ist der Sprung zum Termin? Wie organisieren wir die Vollmacht? Wie können wir eine Identität prüfen? Oder auch die Frage nach einer möglichen Bewertung von Steuerberatern auf so einer Plattform. Manche finden das gut, manche finden das schlecht. So etwas sollte jeder für sich ent­schei­den können und sich sein Anbahnungsportal individuell konfigurieren dürfen.

Sie tauschen sich viel mit Ihren Kollegen aus. Wie sah das Stimmungsbild vor der außerordentlichen Vertreterversammlung aus beziehungsweise hat sich die Lage zwischenzeitlich geändert?

Sabine Storberg: Ich bin von der Öffnung der Satzung doch sehr überrascht und überrannt worden, obwohl ich im Vertreterrat sitze. Ich glaube, der Vorstand hat auch eingesehen, dass er eine falsche Informationspolitik verfolgt hat. Hätte man von vorneherein da etwas offener agiert, wäre es möglicherweise auch leichter geworden. Ich selber habe aber auch mitbekommen, wie die Konkurrenz der DATEV auf so etwas reagiert. Dort hat man auch nur darauf gewartet zu hören, was DATEV plant. Es ist schwierig abzuwägen, wann man wo was sagt. Ich bin froh, dass ich das nicht zu entscheiden habe.

Wird es bei der ordentlichen Vertreterversammlung im Juni reichen?

Sabine Storberg: Ich bin überzeugt davon, dass die Satzungsänderung der richtige Weg ist. Deswegen habe ich mich in Berlin sehr dafür starkgemacht. Ich hoffe und wünsche mir, dass uns die unsäglichen Mails, die alle Vertreter vor der außer­or­dent­lichen Vertreterversammlung erhalten haben, dieses Mal erspart bleiben. Leider war ein großer Teil der Kritik und Bedenken, die in diesen Mails geäußert wurden, auf fehlende Informationen und Missverständnisse zurückzuführen. Ich habe selbst mit vielen Kollegen gesprochen, und bis auf ganz wenige Ausnahmen konnte ich alle davon überzeugen, dass eine Satzungsänderung gut für unseren Berufs­stand ist. Viele Kollegen haben nach der Abstimmung im Februar auch gesehen, dass die Mehrheit der Vertreter eindeutig dafür war, und wären unter diesen Voraussetzungen auch mitgegangen. Insofern sehe ich schon eine sehr gute Chance, dass wir eine Satzungs­än­de­rung bekommen werden.

Was würden Sie Ihren kritischen Kollegen im Juni mit auf den Weg geben?

Sabine Storberg: Zuerst mal empfehle ich, einen genauen Blick darauf zu werfen, was am Markt alles passiert. Dann wird schnell klar: Es kann nicht so bleiben, wie es mal war. So einfach werden wir künftig nicht mehr arbeiten können. Was ich als Koordinatorin eines Ausschusses des Vertreterrats sagen möchte: Wir sind acht Kollegen aus verschiedenen Bundesländern und mit unterschiedlichen Kanzleigrößen, und wir achten schon sehr darauf, dass die Interessen aller Kollegen beachtet werden. Durch eine Änderung der Satzung ist auch der Vertreterrat mit in die Entscheidungen eingebunden. Dort sind wir 34 Berufsträger und alle sind mitten im Berufsstand verankert. Glauben Sie, wir würden einer Schädigung des Berufsstands einfach so zustimmen? Das tut weder der Aufsichtsrat noch der Vertreterrat, und ich weiß, dass es der Vorstand auch nicht tun würde. Ich möchte an dieser Stelle für ein bisschen mehr Vertrauen in die Gremien der Genossenschaft und auch in den Vorstand werben.

Unsere Gesprächspartnerin:

Sabine Storberg

Steuerberaterin aus Berlin, Mitglied der Vertreterversammlung und des Vertreterrats sowie Koordinatorin des Ausschusses 2 Lohn/Steuern.

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