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Chancen und Heraus­forderungen für den Berufs­stand

Platt­form­öko­nomie

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Ereignis­reiche Monate liegen hinter uns und unserer Ge­nos­sen­schaft. Mit einer Vor­be­rei­tungs­zeit von nicht einmal einem Jahr ist am 19. Februar 2018 der DATEV-Vorstand mit einem Sat­zungs­än­de­rungs­antrag zur weiten ­Öff­nung des Nicht­mit­glie­der­ge­schäfts in die außer­or­dent­liche Ver­tre­ter­ver­samm­lung ge­gangen und mit diesem denk­bar knapp gescheitert. Absolut haben nur drei Stimmen gefehlt.

Das Berufsbild des Steuerberaters ist einem enormen, marktverdrängenden Wandel ausgesetzt.
Klassische Beratungsfelder, die den berufsrechtlichen Vorbehaltsaufgaben und damit auch den DATEV-satzungsrechtlich vorgegebenen originären Aufgaben des Mitglieds entsprechen, wie zum Beispiel die reine Steuerdeklaration, die bloße Erstellung der Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie die reine Führung der Bücher, werden den unfassbar schnellen Entwicklungen der digitalen Transformation, das heißt von Automation und künstlicher Intelligenz (KI), zum Opfer fallen.
Dabei haben die meisten Kanzleien und Berufskollegen Sorgen und Ängste, dass ihre Mitarbeiter und Mandanten diesen Entwicklungen kritisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen werden.
Allerdings ist genau das Gegenteil als wahrscheinliche Entwicklung und Erwartung des Marktes anzunehmen. Bereits in den kommenden Jahren werden die Digital Natives (laut Duden: „Person, die mit digitalen Technologien aufgewachsen ist und in ihrer Benutzung geübt ist“) die Mehrheit der Bevölkerung der Bundesrepublik stellen – somit werden sie auch die Mehrheit unserer potenziellen Mandanten stellen, aber auch der Berufskollegen und ihrer Mitarbeiter.

Damit werden sich die persönlichen Ansprüche an steuerliche BERATUNG den Gewohnheiten des allgemeinen beruflichen wie auch privaten Verbraucherverhaltens angleichen und messen lassen.
Diese Annahme impliziert, dass der SteuerBERATER in digitaler und auch mobiler Form gesucht werden wird und insoweit werden auch die Prozesse der Bera­tungs­an­frage und -aufnahme (Anbahnung) eine völlig neue Gestalt annehmen müssen. Erfolgreich gesucht und gefunden zu werden, ist in der vernetzten und mobilen Welt allerdings nicht nur eine Frage eines ge­schmack­voll gestalteten Internetauftritts. Für diese Zwecke sind eine hohe Frequenz von Besuchern und auch der längere Verbleib auf den Webseiten genauso wichtig wie die Marktdurchdringung und die Such­ma­schinen­opti­mie­rung. Dazu braucht es auch erhebliche finanzielle Mittel der werbenden Unternehmung (hier des SteuerBERATERS) zur optimalen Positionierung bei den Suchergebnissen.

Diese nicht abschließend aufgezählten Kriterien zur modernen Markenpositionierung sind allesamt für eine durchschnittliche Steuerberatungskanzlei nicht erfüllbar. Insbesondere diese Erkenntnis würde heute Argumentation genug sein, einen quasi „neuen“ genossenschaftlichen Zusammenschluss von SteuerBERATERN zu organisieren. Die DATEV ist in jeglicher Hinsicht potent genug und auch fachlich qualifiziert, um den SteuerBERATER mit Plattformlösungen auf dem Markt so zu positionieren, dass er gesucht und gefunden wird.

Um beispielsweise Abgrenzungskriterien für Kollegen untereinander zu finden und Ge­stal­tungs­spiel­räume der Präsentationsflächen der einzelnen Genossen zu schaffen, wird insbesondere der Vertreterrat, dem ich als Vorsitzender vorstehe, der Entwicklungsabteilung der DATEV im Interesse der Genossenschaft und damit ihrer Mitglieder beratend zur Seite stehen.
In meiner Funktion als Mitglied der Satzungskommission habe ich besonders darauf Einfluss genommen, dass bei der Formulierung des Antrags zur Satzungsänderung, der am 29. Juni 2018 zur Abstimmung steht, die Einbeziehung des Vertreterrats und des Aufsichtsrats zur Beratung und Kontrolle des Vorstands im dann freigegebenen Nicht­mit­glieder­ge­schäft zwingend ist. Dieses ist zur Stärkung der Genossenschaft und damit des einzelnen Mitglieds und des Berufstands erforderlich. Es stärkt zugleich die Handlungsfähigkeit der DATEV im Sinne einer zukunfts­orien­tier­ten, berufsständischen Organisation, die noch intensiver den genossenschaftlich organisierten Berufsstand visionär vorantreibt.

Die Herausforderungen, welche vom Markt geforderte Plattformökonomien an uns stellen, können wir nur vereint als Genossenschaft meistern. Dafür sollten wir weiterhin gemeinsam, vielleicht noch stärker als bisher, daran arbeiten, die Qualität der Genossenschaftsgremien zu stabilisieren und zu heben, um als moderner, qualifizierter und konstruktiver Genosse satzungsmäßige Aufgaben der Beratung und Kontrolle zu erfüllen.

Aber wir sollten auch den gewählten Vertretern und den amtierenden und zukünftig ausgewählten Vorständen Vertrauen schenken, dass sie ihr Bestes geben, um uns gemeinsam auch zukünftig als BERATER in die Lage zu versetzen, unseren Beruf erfolgreich auszuüben.
Die Chancen zu einer „REVOLUTION BERATER 4.0“ stehen besonders gut, wenn wir Instrumenten wie Internet­platt­formen mit ihren medienüblichen Mechanismen eine Chance geben.
Wir alle werden dafür umdenken und die zweite Worthälfte unserer Berufs­be­zeichnung BERATER wortgetreu nehmen müssen. Mit mutiger Dienstleistung für Mandanten, um deren geschäftliche und betriebswirtschaftliche Abläufe im weitesten Sinne zu optimieren. Steuerdeklaration und Rechnungslegung werden nicht reichen, um Markt­an­for­de­rungen an Beratung zu erfüllen.
Auch und gerade hierfür werden uns digitale Abläufe von Beratungsszenarien mit Unterstützung durch Plattformlösungen sowie das Sammeln und Auswerten von anonymisierten Daten völlig neue Chancen bieten.

Die Instrumente und auch die Qualifikation zum Umgang mit diesen wird uns die Genossenschaft liefern, wenn wir sie denn durch die weite Satzungsänderung dazu legitimieren. Nutzen müssen wir diese Chance auf Veränderung selbst. BERATER schaffen das.

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