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Bedrohte Geschäfts­modelle

Disruptive Portalentwicklung

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Sie rast durch unsere Ge­sell­schaft und hat sogar schon die Taxis rechts überholt: die Di­gi­ta­li­sie­rung. Mit Uber hat ein in­no­va­tives Geschäfts­modell in der digi­ta­len Wirt­schaft einen schein­bar sicheren Wirt­schafts­zweig schwer in Be­dräng­nis gebracht. Die Taxi­unter­nehmen in vielen großen Städten sind an­ge­zählt, den Fahrern droht die Arbeits­losigkeit.

Jedes Zeitalter kennt diese wirklich tiefgreifenden Verwerfungen. Oft sind ihnen neue und fortschrittliche Unternehmen entwachsen. Die digitale Transformation unserer Wirtschaft scheint solche alles in Frage stellenden Entwicklungen zu begünstigen. Das Uber der Hotels heißt Airbnb und hat mit der Vermittlung privater Unterkünfte in der Hotelbranche durchgefegt. Selbst große Banken fürchten inzwischen von den zahllosen, wendigen Fintech Start-ups in ihren Kern­ge­schäfts­feldern, wie etwa der Kreditvergabe, gestellt zu werden. Bei der DATEV eG beobachtet Dagmar Guggenberger mit ihren Kollegen und Kolleginnen den Trend, „dass sich Platt­form­an­bieter als Makler in die klassische Kundenbeziehung zwischen Kunde und Dienstleister schieben.“ Sie arbeitet in einer Abteilung, die sich mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung beschäftigt. Die Gefahr, dass sich solche Plattformanbieter auch zwischen Steuerberater und Mandanten drängen, hat man dort längst erkannt. „Diese Anbieter schöpfen dann den Gewinn ab, der den Kanzleien zusteht“, so Guggenberger weiter.

Start-ups bedrohen die etablierten Unternehmen

Das Gespenst, das diesmal durch Europa geht, heißt Disruption. Es wird gerne beschworen, wenn digitale Erfolgsstorys ausgebreitet werden. Amazon, das den klassischen Buchhandel entsorgt, Wikipedia, das der Wissensgesellschaft ein neues Gesicht gibt. Von disruptiven Innovationen sprechen wir, wenn eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung durch etwas Neues verdrängt wird. Meist entstehen sie aus kleinen Start-ups heraus, die am unteren Ende eines Marktes agieren. Für die etablierten Firmen scheinen die neuen Geschäftsmodelle zunächst uninteressant, weil sie oft eine spezielle Zielgruppe im Visier haben und wenig Umsatz versprechen. Im Laufe der Zeit können diese innovativen Unternehmen dann groß werden und etablierte Firmen verdrängen. Ob einzelne Innovationen, wie die genannten Beispiele Uber und Airbnb, nun tatsächlich umwälzend sind und ob sie in ihren jeweiligen Branchen die etablierten Player vollständig verdrängen werden, ist unter Experten umstritten und gar nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass sie Druck ausüben und den Kuchen neu verteilen wollen.

Gibt es solche Entwicklungen auch in den Berufsständen der DATEV-Mitglieder? „Ja!“ meint Dagmar Guggenberger. Durch die Entstehung dieser Plattformanbieter würden „die eigentlichen Dienstleister zu reine Produktionsfaktoren degradiert und die Verteilung der Wertschöpfung neu organisiert zu Lasten der traditionellen Anbieter.“ Bei bestimmten gewerblichen Dienstleistungen haben etwa Hotel-, Reise-, Gas,- oder Stromportale bereits eine starke Markstellung erstritten. Bei den Juristen entstehen mit edicted, advocado oder Flightright ebenfalls erste Dienste. Auch im Steuerberatermarkt tauchen mit justanswer, ageras oder yourexpert Plattformanbieter am Markt auf. „Wir beobachten hier starke Marktaktivitäten“, sagte Guggenberger und weist darauf hin, „dass immer mehr Mitbewerber im Bereich Einkommensteuererklärung auf den Markt drängen und auch Banken bereits erste Angebote zur Belegablage, zur einfachen Buchführung und sogar zu einer einfachen Steuerdeklaration anbieten.“ Auch Amazon ermöglicht für E-Commerce Unternehmen die monatliche Erstellung ihrer USt-Erklärung. Andere werden im Bereich Finanzbuchführung aktiv. Gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussionen um die EU-Deregulierung der Vorbehaltsaufgaben erwartet man bei der DATEV eG zunehmende Aktivitäten nationaler und internationaler Portalanbieter. Eine Liberalisierung würde diesen Anbietern natürlich einen zusätzlichen Schub verleihen.

Die Kanzlei stärken

Man kann zurecht einwenden, dass die Branche der Steuerberater nicht ohne weiteres mit dem freien Markt zu vergleichen ist. Die Dienstleistung eines Steuerberaters ist in ihrer Komplexität nur schwer mit der eines privaten Anbieters gleichzusetzen, der diese Dienstleistungen nur vermitteln möchte. Doch genau hier lauert auch die Gefahr. Diese Portale brechen die etablierten Kanzlei-Mandanten-Beziehungen auf und fungieren als Anlauf-, Anbahnungs-, Dispatching- und Abrechnungsplattform, die bestimmen, welcher Steuerberater beauftragt wird. Es wird in Zukunft immer mehr Vermittlungsplattformen von Dienstleistungen geben und die Märkte etablierter Anbieter werden sich dadurch verändern. Wie bedrohlich die neuen Anbieter wahrgenommen werden, erkennt man beispielsweise am Widerstand der Taxi- und Hotelbranche gegen Uber und Airbnb.
Man ist also gewarnt. Es bleibt die Frage, was zum Beispiel die beratenden Berufe tun können, um nicht ebenfalls mit ihrem Geschäftsmodell von neuen Plattformanbietern eingeholt zu werden. „Den Markt genau und kritisch beobachten und mit der Genossenschaft in den Austausch gehen, um die Kanzlei auf die Änderungen vorzubereiten und mit dem ersten Schritt jetzt zu beginnen und nicht erst in fünf Jahren,“ empfiehlt Dagmar Guggenberger.

Foto: Askold Romanov  / Getty Images

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heinz höller schrieb am 2017-12-11 16:50:23

ich habe lang und breit der DATEV klargemacht, dass ein von den Beratern gewünschtes im Internet ausfüllbares EST-Programm sinnvoll ist. Im Gegensatz zum heutigen EST-Programm werden dort alle möglichen Sachverhalte abgefragt und die Angaben des Mandanten protokolliert. Dadurch wird verhindert, das später der Vorwurf kommen kann, man hätte danach nicht gefragt. Ein solches Produkt hätte, wenn es gut gebaut ist für den Berater Vorteile. Im nächsten Schritt habe ich dargestellt dass ( wenn ein solch gutes Produkt vorhanden wäre ) die DATEV durch Werbemaßnahmen dem "bisher nicht beratenen Steuerbürger" klar machen sollte, dass es besser ist seine Daten in einem solchen Programm ( welches über die Homepage des Steuerberaters seines Vertrauens oder von dem er Gutes gehört hat, zu erreichen ist ) zu hinterlegen. Man gibt mir Recht wenn ich auch darstelle, dass dieses Modell ohne eine Satzungsänderung möglich ist. Hier ist die DATEV aber absolut dagegen. Aufgrund der Marketingerfahrungen der DATEV glaubt man dass diese Steuerbürger lieber die Daten in ein Programm eingeben, welches ohne Einschaltung eines Steuerberaters direkt von der ach so tollen DATEV auf dem Markt angeboten wird. Man sei ja dann ebenso leicht zu erreichen wie Wundertax usw. Nach den Erkenntnissen der DATEV gibt es eine riesengroße Hemmschwelle der bisher nicht beratenen Steuerbürger, sich zuerst an einen Steuerberater zu wenden. Der heutige Steuerbürger will nach Erkenntnissen der Marktforschung der DATEV direkt im Internet seine Erklärung ( bei DATEV ) erstellen können, daher brauche man eine Satzungsänderung. Im Ergebnis handelt es sich also um eine Glaubensfrage, ob die bisher nicht beratenen Steuerbürger sich lieber direkt im Internet mit der Erstellung der Steuererklärung befassen oder ob man zuerst einen Steuerberater aufsucht, der auch dieses Programm anbietet. Denn selbstverständlich würde es dem Berater unbenommen ermöglicht, direkt über seine Homepage dieses Programm an zu bieten. Ich glaube, dass ein gutes Programm, welches dem bisher nicht beratenen Steuerbürger über die Homepage eines ihm bekannten Steuerberaters angeboten hat eine höhere Marktchance hat, zumal die DATEV genau wie Wundertax etc. keine Steuerberatung anbieten darf sondern die Steuerbürger über ein noch zu entwickelndes Vorschlagsystem an Steuerberater verweist, welche hier beraten wollen. Für den Weg über die Homepage des Steuerberaters ist m. E. keine Satzungsänderung notwendig, da hier kein Mandatsverhältnis zwischen der DATEV und dem Steuerbürger begründet wird.

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