Kanzleimanagement |

Neue Möglichkeit der Nachwuchs­gewinnung

Duales Studium

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Leon Viets ist gerade mal 18 Jahre alt und hat sein Ziel fest vor Augen: Er will Steuer­be­rater werden. Auf­merk­sam geworden auf den Beruf ist ­er durch das Video Rock Deine Zukunft. Die viel­fäl­tigen Auf­gaben haben ihn überzeugt.

DATEV magazin: Warum möchten Sie ausgerechnet Steuerberater werden?

Leon Viets: Als Steuerberater kann ich alle möglichen Jobs in einem verbinden. Ich kann viele verschiedene Bereiche ­kennenlernen – das hat mich angesprochen. Darum wollte ich wissen, wie der Beruf in der Realität aussieht, und habe Praktika bei mehreren Steuerberaterkanzleien gemacht. Während der Schulzeit kam auch ein Beruf auf natur­wissen­schaft­lichem ­Gebiet infrage, aber nach verschiedenen Praktika auch in diesem Bereich war klar, dass mir die Aufgaben in einer Kanzlei sehr gut gefallen und mir auch liegen, weswegen ich mich dann entschieden habe, das duale Studium Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuer- und Prüfungswesen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zu machen. Dies ist die einzige Hochschule, die diesen Studiengang dual in ­meiner Umgebung anbietet.

DATEV magazin: Wie ist das Studium aufgebaut?

Leon Viets: Das Studium dauert insgesamt sechs Semester und hat mit einer dreiwöchigen Eingewöhnungszeit in der Kanzlei begonnen. Jetzt wechseln sich in der Regel zwölf­wöchige Theoriephasen an der Uni mit zwölfwöchigen Praxisphasen in der Kanzlei Audit Tax & Consulting Services ab.
An der Universität haben wir fünf Tage die Woche Vorlesungen. Es läuft sehr ähnlich wie in der Schule ab: Wir sind 35 Studenten und haben einen festen Kursraum. Wir haben im ersten Semester beispielsweise Finanzbuchführung, allgemeine Be­triebs­wirt­schafts­lehre, Steuerrecht und Wirtschaftsprivatrecht gehabt; aber auch Methodenkompetenzen und Veranstaltungen darüber, wie Präsentationen gehalten werden und wie ich eine wissenschaftliche Arbeit schreibe, standen auf dem Semesterlehrplan. Am Ende des Semesters schreibe ich Klausuren.

DATEV magazin: Warum haben Sie sich für ein duales Studium entschieden?

Leon Viets: Mir ist wichtig, das Gelernte auch in der Praxis anwenden zu können. So bleibt es einfach besser im Gedächtnis. Wenn ich mit dem Studium fertig bin, habe ich viel mehr davon, weil ich nicht nur theoretisches Wissen habe, sondern schon Berufserfahrung sammeln kann. Ich finde auch den Wechsel zwischen Uniphasen und Arbeiten in der Kanzlei gut – das bringt Abwechslung. Mir war von Anfang an bewusst, dass das kein normales Studentenleben mit Semesterferien sein wird, sondern dass ich, wenn andere freihaben, eine 40-Stunden-Woche arbeite. Aber natürlich kann ich auch dreißig Tage Jahresurlaub nehmen. Manchmal denke ich zwar schon, dass es jetzt schön wäre, freizuhaben, aber ­andererseits habe ich mein Einkommen und zusätzlich finanziert mir die Kanzlei auch noch das Studium. Ich habe mich auch nicht bei der Uni bewerben müssen, sondern während meines Praktikums mit meinem Chef geredet und ihm diesen Studiengang vorgestellt. Nachdem er zugestimmt hatte, habe ich die Zusage für einen Studienplatz bekommen. Ich habe mich ungefähr ein Jahr vor dem Abitur darum gekümmert, denn die Plätze sind begrenzt.

DATEV magazin: Wie empfinden Sie den Schwierigkeitsgrad des Studiengangs bisher?

Leon Viets: Dadurch, dass viele im Kurs schon Steuer­fachangestellte sind, machen sich die unterschiedlichen Vorkenntnisse schon bemerkbar, gerade bei Finanz­buch­haltung beispielsweise. Für die Leute mit praktischer Er­fahrung war es eher langweilig, für mich schon sehr anspruchsvoll. Ich musste mich erstmal reinfinden, habe mir deswegen viel selbst erarbeitet, um auf die Klausuren gut vorbereitet zu sein. Fünf Klausuren in neun Tagen war schon eine Herausforderung. Ich empfinde darum das Studium durchaus als anspruchsvoll – und ich lerne viel, aber es ist machbar.

DATEV magazin: Wie wird der Einsatz in der Kanzlei vorbereitet?

Leon Viets: Ich bin der erste duale Student in der Kanzlei und mein Chef Uwe Müller hat für mich einen Ausbildungsplan erstellt. Dieser baut darauf auf, was ich in der Uni lerne. Es gibt eine Studiengangbeschreibung, in der alle Module dargestellt sind. Es wird das in der Praxis geübt, was in der Theoriephase an der Uni gelehrt wurde. Das ist wirklich perfekt, denn ohne diese Praxis­phasen würde ich vieles wieder vergessen, aber durch die Anwendung und Vertiefung bleibt es viel besser im Gedächtnis. Meine Eingewöhnungsphase fand im Sekretariat der Kanzlei statt. Dort habe ich erstmal alle Programme kennengelernt und vor allem administrative Aufgaben übernommen. Ganz zu Beginn hatte ich keinen Mandantenkontakt, aber ich konnte gleich mein Or­ga­ni­sa­tions­talent unter Beweis stellen, und es war eine tolle Erfahrung. Nach und nach bekam ich immer mehr Verantwortung, durfte dann sogar Vertretung im Sekretariat übernehmen, was viel Kontakt zu Mandanten bedeutete. Diesen Knotenpunkt als Ersteinsatz hatte auch die Uni vor­ge­schlagen. In meiner ersten längeren Praxisphase konnte ich dann schon in Rücksprache mit meinem Mentor Alexander Wendt, Finanzbuchführungen durchführen, zu Jahresabschlüssen zuarbeiten und auch bereits Mandantenbesuche begleiten.

DATEV magazin: Welche Ihrer Stärken sind Ihrer Meinung nach für das duale Studium wichtig?

Leon Viets: Ich bin sehr zielstrebig und auch sehr organisiert. Das heißt, ich kann mir meine Arbeit sehr gut ein­teilen, was in dem Studiengang wirklich erforderlich ist. Das ist etwas, was mir liegt und mir darum auch sehr viel Spaß macht. Dazu bin ich bereit, auch viel zu lernen, denn das ist unerlässlich. Ich bin auch eher analytischer und habe eine sehr gute Auffassungsgabe. Ist ja alles neu für mich, aber ich kann mich schnell in Sachen eindenken. In den Praxisphasen stelle ich viele Fragen. Meine Kollegen sind sehr hilfsbereit und unterstützen mich, so lerne ich auch praktisch viel.

DATEV magazin: Worauf legen Sie später im Arbeits­leben besonderen Wert?

Leon Viets: Für mich ist die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf wichtig. Ich merke, dass es bei der 40-Stunden-Woche schon eine Herausforderung für mich ist, beides unter einen Hut zu bekommen. Ich mache viel Sport und merke, dass ich dann weniger Zeit habe, zum Beispiel um meine Freunde zu treffen, und dass ich auch sehr spät nach Hause komme. Mein Vorteil ist gerade, dass ich noch zu Hause wohne und darum nicht einen Haushalt ganz alleine führen muss. Aber ich plane, in etwa einem Jahr auszu­ziehen, von Potsdam nach Berlin, weil die Fahrtzeit zur Uni insgesamt vier Stunden beträgt. Da bin ich schon gespannt, wie ich dann Beruf, Haushalt und Freizeitaktivitäten hin­bekomme. Ich bin zwar erst 18 Jahre, aber in ein paar Jahren, wenn ich vielleicht auch Kinder habe, stelle ich es mir noch schwieriger vor. Darum finde ich flexible Arbeitszeiten wichtig. Ich möchte mich später gerne selbst organisieren, entscheiden, wieviel ich arbeiten möchte und natürlich wann: An einem Tag arbeite ich bis 18 Uhr, am anderen Tag fange ich früher an, kann aber dementsprechend auch früher gehen. Bei uns in der Kanzlei ist das so geregelt. Auch ein flexibler Arbeitsort ist möglich. Allerdings noch nicht während des Studiums. Aber ich glaube, dass sich ins­gesamt im Zuge der Digitalisierung viel ändern wird. Büros werden nicht mehr so wichtig sein, denn das Papier wird immer mehr reduziert und ein Notebook reicht dann zum Arbeiten. Ich glaube auch, dass die Beratung an sich an ­Bedeutung gewinnen wird, sodass auch viel Zeit mit Mandanten verbracht werden und die Bürotätigkeit zukünftig abnehmen wird. Da bin ich echt gespannt, wie sich der ­Beruf verändert.

DATEV magazin: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Leon Viets: Ich bin jetzt gerade mal im zweiten Semester und mein erstes großes Ziel ist, meinen Bachelorabschluss zu machen. Ich würde gerne ins Ausland, aber möchte auch auf jeden Fall meinen Master machen. Und dann wäre es echt cool, Steuerberater zu werden – oder Wirtschafts­prüfer. Welchen Weg ich einschlagen werde, wird sich sicher noch während des Studiums herausstellen.

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