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Vorteil für kleine Land- und Forstwirte

Die neue Durch­schnitts­satz­ge­winn­er­mittlung

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Die Besteuerung der Land- und Forst­wirte wurde gründ­lich über­ar­beitet. Ins­be­son­dere wurden Sach­ver­halte, die zu Sonder­ge­winnen führen, wesent­lich ziel­ge­nauer aus­ge­staltet.

Land- und Forstwirte sind eindeutig im Vorteil. Während Gewerbetreibende und selbständig Tätige ihren Gewinn – je nach Einzelfall – nur durch Betriebsvermögensvergleich oder durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln können, steht kleineren land- und forst­wirt­schaft­lichen Betrieben mit der Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen nach § 13a Ein­kom­men­steuer­gesetz (EStG) noch eine dritte Gewinnermittlungsart zur Verfügung. Bei dieser besonderen Form der Gewinnermittlung werden einzelne Gewinnkomponenten nach einem pauschalen Verfahren festgesetzt, und für bestimmte Sondertatbestände wird der Gewinn betriebsindividuell ermittelt.
Nach einer deutlichen Kritik des Bundesrechnungshofs an der bisherigen Regelung des § 13a EStG hat sich der Gesetzgeber ein Herz gefasst und die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen mit dem Zollkodexanpassungsgesetz vom 22. Dezember 2014, Bundessteuerblatt (BStBl) I 2015, S. 58, gründlich überarbeitet. Die Neuregelung ist erstmals für Wirtschaftsjahre anzuwenden, die nach dem 30. Dezember 2015 enden, also im Regelfall ab dem in der Land- und Forstwirtschaft typischen abweichenden Wirtschaftsjahr 2015/2016.

Voraussetzungen

Die neue Durchschnittssatzgewinnermittlung können Land- und Forstwirte in Anspruch nehmen, die mit ihrem Betrieb folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Für den Betrieb besteht keine Buchführungspflicht;
  • Die am 15. Mai des Wirtschaftsjahrs selbst bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen überschreiten nicht 20 Hektar;
  • Die Tierbestände des Betriebs überschreiten nicht 50 Vieheinheiten (mit dem sogenannten Vieheinheitenschlüssel der Einkommensteuer-Richtlinien R 13.2 können sämtliche Tiere, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb erzeugt oder gehalten werden, entsprechend ihrem Futterbedarf in Vieheinheiten umgerechnet werden);
  • Die selbst bewirtschafteten forstwirtschaftlichen Flächen überschreiten nicht 50 Hektar;
  • Die selbst bewirtschafteten Sondernutzungen überschreiten nicht bestimmte Geringfügigkeitsgrenzen.

Der neue Durchschnittssatzgewinn

Durchschnittssatzgewinn ist die Summe aus

  • dem Gewinn der landwirtschaftlichen Nutzung,
  • dem Gewinn der forstwirtschaftlichen Nutzung,
  • dem Gewinn der Sondernutzungen,
  • den Sondergewinnen,
  • den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens,
  • den Einnahmen aus Kapitalvermögen, soweit sie zum land- und forstwirtschaftlichen Betrieb gehören.

Gewinn der landwirtschaftlichen Nutzung

Für die landwirtschaftliche Nutzung (Bodenbewirtschaftung, Tierhaltung) wird ein pauschaler Gewinn angesetzt, der aus zwei Komponenten besteht: Für die Bodenbewirtschaftung beträgt der pauschale Gewinn 350 Euro pro Hektar der selbst bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen. Werden in dem Betrieb Tiere erzeugt oder gehalten, wird dies durch einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro je Vieheinheit berücksichtigt. Dieser Zuschlag ist allerdings nur insoweit anzusetzen, als der Tierbestand 25 Vieheinheiten übersteigt.
Mit dem Ansatz dieser pauschalen Beträge sind sämtliche Betriebseinnahmen und Betriebs­aus­gaben, die auf die landwirtschaftliche Nutzung entfallen, abgegolten. Daher können bei­spiels­weise Schuldzinsen, Pachtzinsen oder Lohnaufwendungen nicht gesondert abgezogen werden.

Gewinn der forstwirtschaftlichen Nutzung

Der Gewinn der forstwirtschaftlichen Nutzung wird auf der Grundlage der zugeflossenen Betriebseinnahmen (Holzerlöse) ermittelt. Als Betriebsausgaben können pauschal 55 Prozent der Betriebseinnahmen berücksichtigt werden, wenn das verwertete Holz selbst eingeschlagen und aufgearbeitet wurde. Wurde dagegen das Holz auf dem Stamm verkauft (in diesem Fall über­nimmt der Käufer den Einschlag und die Aufarbeitung des Holzes), beträgt der pauschale Betriebsausgabensatz 20 Prozent der Betriebseinnahmen. Wiederaufforstungskosten können noch zusätzlich geltend gemacht werden.

Gewinn der Sondernutzungen

Auch für Sondernutzungen sieht der Gesetzgeber eine Gewinnpauschale vor.

Auch für Sondernutzungen (beispielsweise Weinbau, gärtnerische Nutzungen, Spargelbau, Teich­wirt­schaft) sieht der neue § 13a EStG einen pauschalen Gewinnansatz vor. Er beträgt null Euro, wenn die Sondernutzung nur einen äußerst geringen Umfang ausmacht und 1.000 Euro, wenn sich der Umfang der Sondernutzung in einem Geringfügigkeitskorridor bewegt.

Beispiel:

Landwirt A betreibt neben der landwirtschaftlichen Nutzung noch Spargelbau. Beträgt seine Spargel­an­bau­fläche nicht mehr als 0,16 Hektar, ist ein Sondergewinn von 0 Euro anzusetzen. Beträgt die Spargelanbau­fläche mehr als 0,16 Hektar, ist ein Sondergewinn von 1.000 Euro zu ­berücksichtigen.
Beträgt die Spargelanbaufläche jedoch mehr als 0,42 Hektar, ist A für seinen gesamten Betrieb nicht mehr zur Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen berechtigt. Allerdings endet die Berechtigung nicht automatisch, sondern erst, wenn ihn das Finanzamt mit einer besonderen Mitteilung auf den Wegfall der Gewinnermittlung nach § 13a EStG hingewiesen hat.

Sondergewinne

Als betriebsindividuelle Sondergewinne sind im Wesentlichen zu berücksichtigen:

  • Gewinne aus der Veräußerung oder Entnahme von Grund und Boden und dem dazugehörigen Aufwuchs (zum Beispiel Holzbestand), Gebäuden, immateriellen Wirtschaftsgütern und Beteiligungen;
  • Gewinne aus der Veräußerung oder Entnahme von übrigen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens und von Tieren, wenn der Veräußerungspreis/Entnahmewert (brutto) für das einzelne Wirtschaftsgut 15.000 Euro übersteigt;
  • Gewinne aus Entschädigungen für den Verlust, den Untergang oder die Wertminderung der vorgenannten Wirtschaftsgüter;
  • Gewinne aus der Auflösung von Rücklagen (die zum Beispiel nach einer Grundstücksveräußerung gebildet worden sind);
  • Einnahmen aus dem Grunde nach gewerblichen Tätigkeiten, die dem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft zugerechnet werden können, weil sie bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Hierzu gehören zum Beispiel Einnahmen aus Dienstleistungen für Dritte, Einnahmen aus dem Verkauf von zugekauften fremden Erzeugnissen sowie die Einnahmen aus einer Pensions­pferde­haltung. Als Sondergewinn sind 40 Prozent der Einnahmen aus diesen Tätigkeiten anzusetzen.

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Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung

Zum Durchschnittssatzgewinn gehören auch Entgelte, die für die Nutzungsüberlassung von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens erzielt werden, also beispielsweise Mieten, Pachten, Erbbauzinsen. Die Einnahmen sind brutto ein­schließ­lich Umlagen und Umsatzsteuer an­zu­set­zen; ein Abzug von Betriebsausgaben (zum Beispiel Ab­setzungen für Abnutzung, Schuldzinsen, Be­triebs­kosten) ist nicht möglich.

Einnahmen aus Kapitalvermögen

Schließlich sind im Durchschnittssatzgewinn noch Kapitalerträge (einschließlich etwaiger Ver­äuße­rungs­gewinne) zu berücksichtigen, soweit die Kapitalanlagen zum land- und forst­wirt­schaft­lichen Betriebsvermögen gehören. Das Teil­ein­künfte­ver­fahren (§ 3 Nr. 40 EStG) ist anzuwenden; auch hier können die dazugehörigen Aufwendungen nicht abgezogen werden.

Antrag auf anderweitige Gewinnermittlung

Die zur Gewinnermittlung nach § 13a EStG berechtigten Landwirte können den Gewinn ihres Betriebs auch anderweitig, beispielsweise durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Allerdings müssen sie dies besonders beantragen. Der Antrag muss bis zur Abgabe der Steuer­er­klärung, spätestens jedoch zwölf Monate nach Ablauf des ersten Wirtschaftsjahrs, auf das er sich bezieht, gestellt werden und ist für vier aufeinanderfolgende Wirtschaftsjahre bindend.

Anlageverzeichnis

Schließlich müssen die „§-13a-Landwirte“ noch eine besondere Hausaufgabe erledigen. Sie müssen für

  • Grund und Boden,
  • Aufwuchs,
  • Gebäude,
  • immaterielle Wirtschaftsgüter und
  • Beteiligungen

ein besonderes Anlageverzeichnis erstellen, in das die Wirtschaftsgüter unter Angabe des Tages der Anschaffung oder Herstellung und der Anschaffungs- oder Herstellungskosten aufzunehmen sind.

Übermittlung durch Datenfernübertragung

Für die neue Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen steht den Land- und Forstwirten die Anlage 13a und für das Anlageverzeichnis die Anlage AV 13a zur Verfügung, die mit der Steuer­erklärung einzureichen sind. Da die Land- und Forstwirte gesetzlich verpflichtet sind, die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen und das Anlageverzeichnis durch Daten­fern­über­tragung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz an das Finanzamt zu übersenden, sind sie gehalten, die Anlagen elektronisch per ELSTER an das Finanzamt zu übermitteln.

Fazit

Auch mit der neuen Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen können kleinere land- und forstwirtschaftliche Betriebe ihren steuerlichen Gewinn aus der Bodenbewirtschaftung und der Tierhaltung unkompliziert auf der Grundlage von Pauschalen ermitteln. Dies ist im Sinne einer Verwaltungsvereinfachung zu begrüßen. Begrüßenswert ist auch, dass jene besonderen Sachverhalte, die zu Sondergewinnen führen, nunmehr in der Durchschnittssatzgewinnermittlung wesentlich zielgenauer ausgestaltet sind. Wünschenswert wäre es jedoch gewesen, wenn der Gesetzgeber auch die Ermittlung der Gewinne aus den Sondernutzungen nicht mit dem Ansatz von Pauschalen, sondern betriebsindividuell ausgestaltet hätte.

Foto: John Lund / Getty Images / Blend Images

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Stark Peter schrieb am 2018-08-30 08:24:01

Sehr geehrter Herr Haberstock, ich habe 2014 den Landwirtschflichen Betrieb von meiner Mutter Übernommen. 1 ha Wald nichtverpachtet und 3 Ha Ackerlan in 4 Parzellen verpachtet für 225 Euro pro Jahr seit 2018 ist auf einer Parzelle von ca. 6000m2 ein Flächenphotovoltaikanlage entanden für die ich 1200 Euro Pacht pro Jahr erhalte, Als Aussagben habe ich nur ca. 80 Euro für Landwirtschafliche Berufsgenossenschaft zu zahlen Ich habe keine Wirtschaftgebäude und keine Maschinen für den landwirtschftlichen Betrieb Der Landkreisgutachterausschuß bewertent Flächen in unsere Gemarkung mit 5- 6 Euro/ m2 Ackerland und 4-5 Euro für Wald Muß ich für die zukünftige Steuererkärung nach §13 ein Gewinn/ Verlustrechnung aufstellen, sowie eine Bewertung der Flächen aufstellen?

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