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Davon hängt alles ab

Verschiebung des Kanz­lei­auf­tritts

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Kommunikation 2.0: Soziale Medien wie Facebook, Twitter und XING werden immer wichtiger – auch für Be­ra­ter. Vorbei die Zeiten, als man sich die Frage stellte, ob man sich damit beschäftigen muss. Die Antwort ist ein­deutig: Ja! Es stellt sich aber die Frage, mit welchen, wie und was man wirklich mit welchem Aufwand erreichen kann. Ein Überblick.

Unsere Facebook-Aktivitäten haben schon messbare Erfolge gebracht. So haben wir darüber bei einer Stellenausschreibung für einen Steuerfachangestellten interessante Kandidaten ken­nen­ge­lernt“, erklärt Steuerberater Thomas Berg. Die Anzeige hat ihn keinen Cent gekostet, weil er diese auf seiner bereits seit anderthalb Jahren betriebenen Facebook-Kanzleiseite gepostet hat. Gemeinsam mit Volker Thierfeld leitet Berg die Bremer Steuerkanzlei Thierfeld und Berg. Berg erkennt: „Ich weiß zwar nicht, wer über die Web­site, Facebook oder Twitter-Meldungen letztlich bei uns landet, doch klar ist: Die meisten Neumandate kommen aufgrund unserer In­ter­net­ak­ti­vi­tä­ten zustande.“ Er postet meist aktuelle BFH-Urteile oder Gesetzes­änderungen. Berg selbst übernimmt in der Kanzlei die Verantwortung und das Handling für die Facebook-Aktivitäten. Fragen oder Kommentare von einem der über 700 Freunde beantwortet er höchstpersönlich, nicht zuletzt „weil es Spaß macht“, sagt der Bremer.

Marketingstrategie

Auch Steuerberaterin Almut Schleifenbaum nutzt aktiv Social Media. Doch der politisch en­ga­gier­ten Siegenerin war dies nicht authentisch genug. Fachliche Infos sind schön und gut, doch sie will ein persönlicheres Bild von sich und ihrer Kanzlei über Facebook vermitteln. Und so stellt sie beispielsweise ein selbst geschossenes Foto von der Münchner Steuerfachtagung zusammen mit einem kurzen Kommentar auf ihre ­Facebook-Page ein – per Smartphone von München aus. Überhaupt ist die mobile Nutzung der Kanäle ein Megatrend. Seit Mitte April 2015 rankt Google Websites, die mobil nicht darstellbar sind, schlechter. „Über Social Media kann ich schnell informieren, und die Wahrscheinlichkeit ist höher, auch mal zufällig gefunden zu werden“, erklärt die Steuerberaterin ihr Motiv. Ihr Ziel: Die Kanzlei soll für neue Mitarbeiter attraktiv erscheinen. Über den Freundeskreis ihrer Mitarbeiter oder Mandanten komme sie an Schüler, Studenten und andere interessierte Menschen leichter heran. Über Facebook stellt Almut Schlei­fen­baum nicht nur steuerfachliche Infos ein, sondern auch mal interessante ­Lesehinweise, etwa über Erkenntnisse des Gehirnforschers Gerald Hüther. Auf ihrem privaten Profil gibt sie ihren Freunden hingegen auch mal preis, mit welchen politischen Aussagen sie sich beschäftigt. Doch private und berufliche Seiten bei Facebook trennt sie strikt.

Neue Mitarbeiterin über Facebook gewonnen

Die Gesamtheit der Infos im Netz entscheidet, welche Eindrücke Mandanten von der Kanzlei gewinnen.

Bereits eine neue Mitarbeiterin über Facebook gewonnen hat Evelyn Oettinger. Ihr ist ein sym­pa­thisches, men­schen­freund­liches Auf­tre­ten in so­zia­len Netzwerken wichtig. Kein Wunder, dass die 34-jährige Steuerberaterin aus dem niederrheinischen Haan nunmehr auch einer von drei Moderatoren der XING-Gruppe DATEV verbindet ist (siehe Interview auf Seite 16) und selbst zudem einen Kanzleiblog betreibt.
Dass in den Untiefen der sozialen Medien letztlich eine Fülle an Fallstricken lauert, ahnen vorsichtig agierende Steuerberater. Stefan Pohl, ­Social-Media-Manager bei DATEV, ist der Überzeugung, dass „die meisten Steuerberater kein Monitoring haben“. Das heißt, sie wissen überhaupt nicht, ob es im Internet vielleicht schon negative Bewertungen über sie gibt, etwa auf der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu oder bei www.KennstDuEinen.de, wo unter anderem auch Berater bewertet werden. „Steuerberater sollten sich einen Google News Alert mit ihrem Namen einrichten, um solche Bewertungen mitzubekommen“, empfiehlt Pohl. Steuerberater sollten über Google recherchieren, was andere über sie publizieren. Positive Bewertungen wie die maximal fünf Sterne bei Facebook könnten sie bei ihren zufriedenen Mandanten auch selbst anstoßen. Zudem sollten sich Berater bei Google Maps einmal registrieren, damit sie samt Adresse gefunden werden. Letztlich sei dann die Gesamtheit der Infos im Netz dafür entscheidend, welche Eindrücke potenzielle Mandanten oder Mitarbeiter von ­einem Steuer­berater gewinnen.
Neue Mitarbeiter und Mandanten zu gewinnen, ist zunehmend das Spielfeld sozialer Medien, auf das sich auch Steuerberater begeben sollten. Hierbei müssen sie jedoch wissen, dass dies schon ein gewisses Maß an Professionalität, Zeit und Geld erfordert. So nebenbei geht es am Anfang nicht. Vor allem auch, weil es eine Fülle an sozialen Medien gibt. Im Überblick auf Seite 14 werden die wichtigsten Kanäle dargestellt und auf Tauglichkeit für Steuerberater, Anwälte und Wirt­schafts­prüfer ­bewertet.
Social-Media-Expertin Dr. Sabine Holicki nennt im Interview auf ­Seite 11 zahlreiche Fakten und Argumente, warum sich Steuerberater um Facebook, XING und vielleicht auch Twitter ernsthaft kümmern ­sollten. Zudem stellt sie einige Auftritte von Berufsträgern vor, die sie als gelungen ansieht.

Überzeugende Website

Weiterhin ist die eigene Kanzlei-Website für die Mitarbeitergewinnung die wichtigste An­lauf­stelle. Wenn bislang die meisten Kanzleiseiten darauf ausgerichtet gewesen sind, Man­dan­ten mit dem Leistungsspektrum bekannt zu machen, steht jüngst die Personalgewinnung im Fokus, sagt Eckhard Pennekamp, DATEV-Consulting. Ein professioneller Web-Auftritt ist für Arbeitssuchende ein Indiz für die Progressivität einer Kanzlei. Passt sich die Seite dem Smartphone oder Tablet automatisch an? Wie aktuell sind die Informationen? Gibt es ein Qua­li­täts­ma­na­ge­ment­sys­tem? Welche Leistungen gibt es neben den klassischen Be­ra­tungs­fel­dern? Wichtig ist ein erster Eindruck sowohl von der Kanzleileitung als auch dem gesamten Team. Einige Kanzleimitarbeiter beschreiben auf der Website ihre ersten hundert Tage beim neuen Arbeitgeber. So kann sich der Interessent ein konkretes Bild von seiner Einarbeitung machen. Unsicherheiten und Be­rüh­rungs­ängste werden auf diese Weise genommen. Insgesamt betrachtet, ist es sehr wahrscheinlich, dass sowohl Bewerber als auch Mandanten Informationen aus dem Internet – seien es soziale Medien oder die Kanzlei-Web­sites – gewinnen und auch für sich bewerten.

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